Der Besuch bei ihren Eltern fühlte sich genauso an – wie ein Besuch. Es fiel ihr schwer, ihren Plan umzusetzen und die Erinnerung ihrer Eltern an sie vor ihrer Abreise aus ihren Gedächtnissen zu löschen. Doch sie wusste, dass es die einzige Möglichkeit war, sie wirklich sicher zu wissen.
Schweren Herzens ging sie danach nach oben und packte alle wichtigen Dinge aus ihrem Kinderzimmer in ihre Handtasche. Ihre Eltern würden das Haus verkaufen und nach Australien ziehen und Hermine würde wahrscheinlich nie mehr hierher zurückkehren.
Sie schlich ungesehen aus dem Haus und lief bis zur nächsten Straßenecke, um ihre Gedanken zu ordnen. Zum Apparieren musste sie sich konzentrieren, aber ihre Augen drohten immer wieder, in Tränen zu verschwimmen, sodass sie zwei Stunden durch die Nachbarschaft streifte, ehe sie endlich zum Fuchsbau apparierte.
Die Wiese, auf der sie außerhalb des Apparierschutzes landete, bewegte sich in einem leichten Wind, der vom Fluss hinauf geweht wurde. Vögel zwitscherten. Hermine atmete die warme Sommerluft ein und fragte sich, wie diese Friedlichkeit angesichts der schrecklichen Ereignisse existieren konnte. Blumen blühten am Wegrand, Bienen summten zwischen den bunten Kelchen. Aus dem Haus drang wütendes Geschrei.
Sie eilte durch das Gartentor und blieb in der Diele stehen.
„Er hat sich absichtlich da hingesetzt, damit er sich über mich lustig machen kann!", drang Rons Stimme aus der Küche.
Ginny stand im Türrahmen zum Wohnzimmer und bedeutete Hermine mit einem Finger, leise zu sein. Bill, dessen Gesicht noch immer von Salben bedeckt war, schob sich an ihr vorbei Richtung Treppe.
„Ich will sie hier nicht mehr haben! Es ist mir egal, was der Orden dazu sagt!"
Mrs Weasleys Antwort war leiser, sodass Hermine sie nicht verstehen konnte. Auf Zehenspitzen schlich sie zu Ginny hinüber und lehnte sich gegen die Wand.
„Was ist los?", formte sie lautlos.
Ginny deutete mit dem Finger auf die Küche und dann nach oben.
„Ich weiß, dass die Umstände nicht optimal sind", kam es jetzt von Lupin. „Aber wir arbeiten daran, ein sicheres Versteck zu finden."
„Von mir aus können sie zurück zu ihren Todesser-Freunden gehen." Stampfende Schritte aus der Küche und Ron erschien mit hochrotem Kopf in der Tür. Er würdigte Hermine keines Blickes und polterte die Treppe hinauf.
„Geht das schon die ganze Zeit so?", fragte Hermine.
Ginny nickte. „Immer wieder. Entweder Malfoy findet etwas, mit dem er Ron ärgern kann, oder Ron geht an die Decke, weil Malfoy nicht helfen muss, Kartoffeln zu schälen."
„Sollte Draco beim Kartoffelschälen helfen?"
Schulterzuckend wandte Ginny sich ab. „Würde Ron mal in ein Kochbuch schauen, könnte er einfach einen Zauberspruch dafür benutzen, jetzt wo er volljährig ist."
Hermine seufzte. „Ich werde mal mit ihm reden." Sie stieg die Treppe hinauf, machte einen kurzen Zwischenstopp, um ihre Handtasche abzulegen, und kletterte dann weiter bis nach ganz oben, wo Rons Zimmer war. Nach einem kurzen Klopfen wartete sie.
Als keine Antwort kam, öffnete sie langsam die Tür. „Ron, ich komme jetzt rein. Falls du keine Hose anhast ..." Sie spähte zwischen ihren Fingern hindurch. Ron saß – angezogen – auf seinem Bett und starrte vor sich hin. „Wie geht es dir?"
Ron schnaubte und drehte den Kopf zum Fenster. „Großartig."
Hermine ging zu ihm und setzte sich neben ihn. „Wenn Draco etwas zu dir gesagt hat ..."
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Metamorphose
FanficWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
