DREI

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Fünf Tage später.

Unsanft wurde ich zu Boden gestoßen und fing durch den Aufprall auf dem harten Holzboden an, mein Bewusstsein wieder zu erlangen. Autsch. Durch den Sack über meinem Kopf konnte ich noch immer nichts sehen und bekam schrecklich wenig Luft unter dem dicken Stoff. Ich hörte die Männer um mich herum murmeln und das Rauschen des Meeres. Waren wir auf einem Boot? Wenn dem so wäre, wäre eine Flucht unmöglich. Als meine Welt langsam zu schwanken begann, bestätigte sich meine Vermutung, dass wir uns auf dem Wasser befanden.

Ruckartig und ohne Vorwarnung wurde mir der Sack vom Kopf gerissen und ich hielt mir reflexartig meine Hand vor mein Gesicht, da die plötzliche Helligkeit in meinen Augen schmerzte. Vielen Dank auch. Auch wenn es gar nicht mehr so hell war, da die Sonne erst vor wenigen Minuten untergegangen war, mussten sich meine Augen erst wieder an das Tageslicht gewöhnen. Als sie das taten, konnte ich mich nun auch vergewissern, dass wir auf einem Schiff waren. In recht weiter Ferne konnte ich noch das Schloss von Seraphil sehen, mit den umliegenden, mir so bekannten Wäldern. 

Konnte ich es noch bis zum Ufer schaffen, wenn ich jetzt über Bord gehen würde? Doch meine Hoffnung erstickte im Keim, als das Schiff von einer großen Welle erfasst wurde und ich selbst im Sitzen Mühe hatte, mich an Ort und Stelle zu halten. Ich würde da draußen sicherlich keine Minute überleben.

Merkwürdig. Waren wir nicht eben noch in viel seichterem Gewässer, viel näher an Land? Denn nun wurde das Schiff durch einige weitere raue Wellen, wie es sie nur auf offenem Meer gab, weitaus mehr zum Wanken gebracht. Mit meinen Händen stützte ich mich auf den Holzdielen des Schiffes ab, um mir mehr Halt zu verschaffen, während meine acht Kidnapper mühelos vor mir standen. Sie hatten sich alle mit dem Kopf von mir abgewandt und tuschelten etwas. Es schien fast so als würden sie sich beratschlagen, denn auf einmal drehten sie alle ihre Köpfe zu mir, wohl mit einer gefundenen Lösung. 

Die schwarzen Masken, die mit silbernen Ketten verziert waren, hatten sie abgelegt, so auch ihre Hüte. Lediglich ihre schwarzen Gewänder trugen sie noch. Ich konnte jetzt deutlichere Unterschiede an ihnen ausmachen, außer nur ihre Größe oder Statur. Erst jetzt erkannte ich ihre unterschiedlichen Haarfarben. Einer von ihnen hatte dunkelblonde Haare, ein anderer rote, einer hellblonde und einer der größten von ihnen sogar sonderbare gelb-orangene Haare, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die anderen Vier hatten schwarzes Haar. 

Allein von ihrem Aussehen zu urteilen, wusste ich, dass diese Männer nicht von hier kamen. Sie waren Fremde, vermutlich aus dem fernen Südosten. Ich starrte sie unbewusst an. Meine Entführer sahen leider Gottes aus wie gemalt. Ich wusste nicht, wen von ihnen ich als erstes anschauen sollte und so blickte ich, völlig fassungslos über ihre Schönheit, zwischen ihren Gesichtern hin und her. Ich hatte noch nie so schöne Menschen gesehen und dann gleich acht von ihnen auf einmal. Wie hypnotisiert zogen sie mich in ihren Bann, was wohl ziemlich dümmlich aussehen musste, denn ich wurde schmunzelnd von einer bekannten Person unterbrochen. 

Er machte einen Schritt auf mich zu und ohne, dass er ein Wort sagte, wusste ich sofort, dass es der Anführer sein musste, der noch nicht vor allzu langer Zeit den Befehl aussprach, mich kidnappen zu lassen. Ich erkannte ihn sofort an seinem besonderen Gang und an den geschmeidigen Bewegungen seines Körpers. Und auch wenn er der Kleinste von ihnen sein mochte, so machte sein überlegenes Auftreten seine Größe wieder wett. Allein deswegen schätzte ich, dass ihn niemand in Fragen stellte. 

„Ich bin Captain Kim Hongjoong. Und Ihr, Prinzessin, unsere Gefangene auf meinem Schiff Treasure. Zu Euren Diensten," er verbeugte sich bei den letzten Worten melodramatisch vor mir, während die anderen Sieben im Hintergrund schmunzelten. Ich fand diese Situation aber weniger lustig und wollte nun endlich wissen, was hier vor sich ging. Natürlich – Ich war entführt worden, so viel war klar, aber zu welchem Zweck? Es war wirklich nicht so, als hätte ich großen Einfluss in meinem Königreich und wäre von besonderem Wert oder könne als Druckmittel dienen. Mein Gemahl würde es einen feuchten Kehricht kümmern, wieso ich am Abend nicht nachhause kommen würde. Er würde sich höchstens wundern, dass er seinen Schwanz nun nicht mehr in mich stecken könnte, wann immer es ihm beliebte. War ich doch nichts mehr als eine Hure für ihn. Dann würde er sicherlich eine andere arme Seele finden, die mit unwissender Freude liebend gerne meinen Platz einnahm.

Moment... Ich realisierte erst jetzt, dass mich König Valthor nun nicht mehr missbrauchen könnte, vorausgesetzt diese Bande hatte nicht vor, mich zurückzubringen oder an schlimmere Orte. Ich musste also diese Hölle nicht mehr durchleben? Schlimmer konnte es doch nicht mehr kommen, oder? 

Allerdings war es zu früh, um sich zu freuen. Denn mein Entführer alias Captain Kim Hongjoong, machte schon wieder eine bedeutende Handbewegung und sofort setzte sich der gelb-orange Haarige in Bewegung und schleppte einige dicke Seile an. Panik flammte in mir auf und ich hoffte so sehr, dass ich mit meiner Vorahnung falsch liegen würde. „Fesselt sie am Mast!" befahl der Captain und der gelb-orange Haarige und einer der Schwarzhaarigen kamen bedrohlich auf mich zu. 

Verzweifelt und voller Angst robbte ich auf dem Schiffsboden, auf dem ich noch immer saß, nach hinten. Hauptsache weg von ihnen. „Nein, bitte..." flehte ich mit dünner Stimme. „Ihr, ihr braucht mich nicht in Fesseln legen. Wie soll ich denn auf einem Schiff abhauen?" fragte ich mit brüchiger Stimme und war gerade dabei auf meine Beine zu kommen, da packten sie mich bereits an meinen Oberarmen. Einer links, der andere rechts. Ich war mir sicher, es waren die beiden, die mich eben schon gefangen nahmen. 

Halb tragend, halb schleifend brachten sie mich zu dem großen Schiffsmast. Ich schrie und strampelte, doch sie lösten ihre Griffe für keine Sekunde. „Bitte, nein..." wimmerte ich, doch wurde von dem Schwarzhaarigen erbarmungslos an den Mast gepinnt und runtergedrückt, sodass ich auf dem Boden zum Sitzen kam und den Mast hart im Rücken spürte. Ich sammelte nochmal all meine Kraft und versuchte ihm gezielt zwischen seine Beine zu treten. Er wich meinem Tritt aber gekonnt aus, während er fragend und gleichzeitig amüsiert eine Augenbraue hob, mich kurz musterte und sich dann mit seinem vollen Gewicht auf meine Beine kniete. 

Ich war unfähig mich unter seinem Griff und seinem Gewicht zu bewegen. Nicht schon wieder. Ich will mich nicht schon wieder machtlos fühlen. Vielleicht fing erst jetzt die richtige Hölle an. Tränen bildeten sich in meinen Augenwinkeln, nur um mir kurz darauf heiß meine Wangen hinunter zu laufen. Ich wurde immer panischer, als der andere von den beiden anfing, die schweren Seile um den Mast, inklusive meines Körpers zu wickeln. Mir blieb die Luft zum Atmen weg, so fest und doch vertraut spannten sich die Fesseln um meinen Körper und hinterließen bei jeder ruckartigen Bewegung unangenehme Spuren auf meiner Haut. 

„Bitte, ich verspreche es. Ich laufe nicht weg!" Doch es kam keinerlei Reaktion. Der schwarzhaarige fixierte mich mit seinem Blick, ohne eine Miene zu verziehen. „Bitte keine Fesseln." Meine Stimme war nur noch ein wimmerndes Flüstern, sodass nur er es hören konnte. Ich schaute ihn mit einem tränenerfüllten Blick an. „Shhhh", sagte er so leise wie ich eben, dass ich nicht sicher war, ob ich es mir nur einbildete. Sein Blick war ruhig, aber intensiv. Und bevor ich weiter flehen oder betteln konnte, legte sich ein Gefühl von Ohnmacht über mich und meine Augen fielen langsam zu.

Aurora - You are my light (Ateez x reader)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt