VIERUNDFÜNFZIG

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„Der Captain will dich sehen", hatte Mingi gesagt. Sein Ton war beiläufig, aber sein Blick alles andere als das.

Jetzt stand ich vor der Tür zur Kapitänskajüte und fragte mich zum dritten Mal, warum mir der Magen flatterte wie ein Fähnchen im Sturm. Vielleicht, weil ich wusste, dass dieses Gespräch kein harmloses werden würde. Und das, was darauf folgen würde erst recht nicht.

Ich hob die Hand und klopfte zweimal, leise.

„Komm rein", ertönte es kurz darauf.

Ich trat ein.

Der schwere Kapitänsmantel saß wie angegossen an seinen Schultern, die silbernen Knöpfe blitzten im fahlen Licht. Die Hose schmiegte sich verdächtig perfekt an seine wohlgeformten Beine, und selbst sein Stand wirkte so kontrolliert, als hätte er sich für eine Statue in Pose gestellt.
Na toll. Genau jetzt musste er aussehen, als wäre er direkt aus einem düsteren Heldenepos gefallen.
Ich verzog kaum merklich die Lippen und zwang meinen Blick auf den Schreibtisch. Fokus, Aurora. Es geht hier nicht um sein Aussehen. Nicht heute.

Die Karten lagen wie immer halb ausgerollt über seinem Schreibtisch, daneben ein Kompass, einige beschriebene Pergamente, lose fixiert mit einem Dolch. Er selbst stand mit dem Rücken zu mir, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Blick auf das Fenster gerichtet, in dem sich schon erste dunkle Wellen spiegelten.

„Setz dich, wenn du willst", sagte er, ohne sich umzudrehen.

Ich blieb stehen. „Mingi meinte, du wolltest mit mir sprechen."

Er drehte sich langsam zu mir um. Sein Blick war ruhig, aber nicht kalt – wie bei jemandem, der einen inneren Kampf führt, den er niemandem zeigen will.

„Wir nähern uns dem Rand der Sirenenschlucht", begann er. „Noch wenige Stunden. Dann gibt es kein Zurück mehr."

Ich nickte. „Ich weiß."

Ich trat näher, mein Blick glitt über die Karte.
„Also... was willst du mir sagen, Captain? Dass ich nicht ertrinken sollte?" Ich zwang mir ein unehrliches Lächeln auf die Lippen.

Er sah mir direkt in die Augen. Und es war dieser Blick, der keinen Platz für Scherze ließ.

„Dass du weißt, worauf du dich einlässt."

Ich schwieg, ließ meine Finger über die Tischkante gleiten.

„Sobald wir in die Sirenenschlucht eintreten, wird der Gesang einsetzen. Die Männer verlieren die Kontrolle. Vielleicht nicht alle sofort. Vielleicht nicht vollständig. Aber lang genug, dass du allein sein wirst mit dem, was kommt", fuhr er fort.

Ich nickte. „Ich weiß."

„Und trotzdem bist du hier."

„Natürlich." Ich sah ihn an. „Was hast du erwartet, nach all dem, was zwischen uns war? Dass ich mich verstecke und dich alleine lasse?"

Sein Blick wurde weicher. „Manchmal wünschte ich, du würdest genau das tun."

Er ging zum Tisch, rollte die Karte vorsichtig weiter aus und deutete auf eine Stelle, kaum sichtbar, eingezeichnet mit einer dünnen, schwarzen Linie.

Aurora - You are my light (Ateez x reader)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt