Wir hatten das Haus der alten Frau hinter uns gelassen und machten uns auf den Weg zurück zu Bangchans Anwesen. Der aufkommende spätsommerliche Abendwind strich durch mein Haar, und die Sonne machte langsam dem dunklen Blau des Abends Platz. Es herrschte eine seltsame Stille, nur unterbrochen von unseren Schritten auf dem sandigen Boden. Ich spürte Seonghwas Gestalt neben mir laufen und seinen Blick auf mir. Ganz beiläufig streifte seine Schulter meine, und ich warf ihm einen fragenden Blick zu.
„Du hättest ruhig früher etwas sagen können", begann er leise, wobei sein Ton weder vorwurfsvoll noch kalt war. Es war eher eine vorsichtige Annäherung. „Ich wusste nicht, dass du dich an so wenig erinnern kannst. Ich glaube, keiner wusste das."
Ich seufzte. „Es gibt so vieles, das ich nicht weiß, Seonghwa. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich weniger Antworten bekomme, je mehr ich frage."
Er nickte langsam, als würde er verstehen. „Es erklärt jedenfalls einiges," murmelte er. „Aber wenn du reden willst ... du kannst immer zu mir kommen, Aurora. Du musst nicht alleine kämpfen." Seine Worte klangen ehrlich, und ich spürte eine leise Wärme in meiner Brust.
Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln. „Vielleicht kämpfe ich eher mit mir selbst. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich lieber gar nichts wissen will, weil die Wahrheit schlimmer sein könnte als die Ungewissheit."
Seonghwa legte eine Hand auf meinen unteren Rücken, der sofort anfing, unter seiner dezenten Berührung zu kribbeln. „Du bist so stark und mutig. Egal, was hinter diesem Nebel liegt, du wirst damit umgehen können. Und wir werden an deiner Seite sein."
Ich wusste, dass er es ernst meinte, und obwohl seine Worte tröstlich waren, war da immer noch die Angst, die mich wie eine unsichtbare Kette fesselte. Also brachte ich nur ein kurzes Nicken zustande und murmelte ein leises „Dankeschön", bevor wir den Rest des Weges in schweigendem Einvernehmen zurücklegten.
Als wir das Anwesen von Bangchan erreichten, standen die anderen schon bereit und hatten sich im großen Eingangsbereich versammelt. Wooyoung, San, I.N und Changbin standen zusammen und unterhielten sich lebhaft, während Han, Lee Know, Yeosang und Jongho etwas abseits saßen. Sofort fielen mir die Blicke der Zurückgebliebenen auf, neugierig und erwartungsvoll, aber auch erleichtert, dass wir alle unbeschadet zurückgekehrt waren.
Doch bevor ich mich darauf vorbereiten konnte, ihre Fragen zu beantworten, fiel mir etwas auf. „Wo ist Hyunjin?" flüsterte ich leise zu Seonghwa, damit es die anderen nicht hörten.
Seonghwa hob eine Augenbraue, als wollte er nicht glauben, dass ich es nicht wusste oder wenigstens erahnen konnte. „Ach, er hat sich für heute Abend etwas 'Besseres' vorgenommen. Strafarbeit im Keller. Anscheinend war es keine gute Idee von ihm, sich mit dir in die Nähe eines Bettes zu wagen, wenn Hongjoong in der Nähe ist." Seonghwas Unterton hatte einen Hauch von Sarkasmus angenommen, aber sein Gesicht war amüsiert.
Ich spürte, wie mein Herz kurz aussetzte, bevor ich seinen Worten die Bedeutung entlocken konnte. Meine Kehle wurde trocken. „Strafarbeit?"
Seonghwa nickte, sein Grinsen nicht weniger breit. „Ganz genau. Bangchan und Hongjoong haben ihn nach seinem kleinen Fehltritt mit dir gestern Abend ordentlich zurechtgewiesen. Hongjoong war, wie du gemerkt hast, wohl nicht sonderlich begeistert. Also ... kein Stadtfest für ihn."
Ich biss mir auf die Lippe und versuchte, das Thema schnell zu wechseln. Das Letzte, was ich wollte, war, dass die Situation zwischen Hyunjin und mir erneut zum Gesprächsthema wurde. Oder die Sache mit Hongjoong und mir, insbesondere vor Seonghwa.
Ich traute mich nicht, Seonghwa anzuschauen, also zuckte ich nur mit den Schultern. Ich hatte keinen blassen Schimmer, ob Hongjoong und Seonghwa über letzte Nacht bereits gesprochen hatten oder nicht. Jedenfalls konnte ich in Seonghwas Verhalten zu mir keinen Unterschied erkennen, und das erleichterte mich sehr.
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Aurora - You are my light (Ateez x reader)
FanfictionDas Leben von Prinzessin Aurora ist schlimmer als die Hölle. Schuld daran ist der König ihres Königreiches, mit dem sie zwangsverheiratet wurde. Ihr Leben ändert sich von der einen auf die andere Sekunde, als sie von acht maskierten Piraten entführt...
