NEUNUNDFÜNFZIG

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Der Morgen mit Seonghwa war wie aus einem Märchen, eines dieser dunkleren, gefährlich schönen, in denen der Prinz nicht immer rettet, sondern auch verführt.
Wenn er sich nicht hart und unnachgiebig in mich stieß, war er der Gentleman, den jeder brauchte. Zart, kontrolliert, manchmal fast zu ruhig als wolle er damit das Chaos in mir besänftigen, das er zuvor noch angerichtet hatte. Er hatte es sogar noch ein zweites Mal an diesem Morgen geschafft, mich um den Finger zu wickeln und sein Versprechen einzulösen, mir den Verstand zu nehmen. Wortwörtlich.

Als ich mich später für den Tag fertig machte, meine Haare flocht und das kalte Wasser über meine Handgelenke laufen ließ, ließen mich die Bilder der letzten Stunden nicht los. Nicht nur von ihm.
In meinem Kopf verschmolzen sie zu etwas anderem. Seonghwa und Hongjoong. Gemeinsam.
Ich hatte nun mit beiden Männern geschlafen. Beide kannten meinen Körper, beide hatten mich dominiert, auf ganz unterschiedliche Art. Und doch fragte ich mich, wer von ihnen die Oberhand hatte, wenn sie sich gegenseitig herausforderten. Der Gedanke jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken... und ließ mich gleichzeitig erröten.

Ich atmete tief durch, schüttelte die Vorstellung ab und stieg an Deck, wo die Sonne das Holz in goldenes Licht tauchte. Hongjoong hatte eine Besprechung einberufen, und schon der bloße Gedanke an Nerathia ließ einen Knoten in meinem Magen bilden.
Der Morgen war zu schön, zu ruhig, zu klarblau für das, was uns noch bevorstand.
Ein trügerischer Frieden vor dem Sturm.

Am Hauptmast entdeckte ich Yeosang und Jongho. Sie saßen nebeneinander auf einer Kiste, Yeosang barfuß, den Kopf leicht in den Nacken gelegt, als würde er das Licht genießen. Sein schwarzes Haar wehte im Wind, und für einen Moment sah er wieder ganz so aus wie vor der Sirenenschlucht. Frei, lebendig, atemberaubend schön.
Ich hob die Hand und winkte, bevor ich zu ihnen hinunterlief.

„Was zur Hölle macht er hier draußen?" Meine Stimme klang strenger, als ich wollte.
Die Frage war an Jongho gerichtet, aber mein Blick blieb bei Yeosang hängen. Ich musterte ihn. Die Haut, die Farbe in seinem Gesicht, die Müdigkeit in seinen Augen. Ich wollte sicher sein, dass er nicht zu früh wieder aufgestanden war.

Yeosang lächelte, als meine Finger sacht sein Kinn umfassten und ich sein Gesicht prüfend von einer Seite zur anderen drehte.
„Die Nacht war gut," erklärte Jongho ruhig. „Er hat tief geschlafen. Und heute Morgen meinte er, er fühle sich wieder besser."
Yeosang schob meine Hand leicht beiseite, aber nicht, um sie loszuwerden. Stattdessen legte er sie auf seinen Oberschenkel und schloss seine eigene darum, als wolle er mich beruhigen.
„Siehst du? Alles gut," murmelte er, sein Lächeln weich, beinahe scheu.

Ich kniff misstrauisch die Augen zusammen und sah Jongho an, als könnte ich ihm ansehen, ob er mir die Wahrheit sagte.
Er atmete hörbar aus, halb genervt, halb belustigt. „Aurora. Wir haben's auch vor deiner Zeit geschafft, dass hier keiner verreckt. Wir passen aufeinander auf. Immer."
Yeosang drückte meine Hand leicht, als wollte er Jonghos Worte bestätigen oder mich beruhigen. Vielleicht beides.

Ich nickte zögerlich. „Tut mir leid, ich... ich bin nur—"

„Verliebt," warf Jongho trocken ein.

Ich starrte ihn an.
Er grinste, hob abwehrend die Hände. „Hey, sorry. Aber selbst wenn ich deine Aura nicht lesen könnte... sie springt mich förmlich an. Pink, glitzernd, in Einhorn-Gestalt mit herzförmigen Augen."

Ich schnaubte und verschränkte die Arme. „Meine Aura sieht bestimmt nicht aus wie ein pinkes Einhorn."
Jongho grinste breit. „Doch. Und das sag ich als Fachmann."

Yeosang versuchte, ein Lachen zu unterdrücken, aber sein Schulternzucken verriet ihn.
„Und abgesehen davon," fuhr Jongho fort, „hat unser lieber Yeosangie hier mir gestern Abend schon alles erzählt. Euer ganzes romantisches Gesäusel inklusive."

Aurora - You are my light (Ateez x reader)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt