ACHTUNDDREIßIG

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Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen. Der Abend und die Nacht mit Yeosang hatten mir Kraft und Energie gegeben, sodass ich zumindest das Gefühl hatte, für den kommenden Tag gewappnet zu sein. Diesmal war ich es, die Yeosang aus dem Bett ziehen musste. Wir hatten gestern versäumt, unsere Verletzungen zu untersuchen, beziehungsweise schlichtweg andere Dinge bevorzugt.

Nun hatte ich ein schlechtes Gewissen, da ich wusste, dass er Schmerzen haben musste, nach dem Bluterguss an seinem Bauch zu urteilen. Außerdem wussten wir nach wie vor nicht, ob auf Verletzungen, die durch schwarze Magie entstanden waren, noch Schlimmeres folgen könnte. Also mussten wir das dringend nachholen.

Yeosang auf seine sichtbaren Verletzungen zu überprüfen, war nicht schwer. Er lag noch immer, wie Gott ihn schuf, verschlafen neben mir und grummelte in die Laken, während ich an seinem Arm zog, um ihn zum Aufstehen zu bewegen. Dabei erhielt ich bereits einen guten Blick auf seinen Körper. Der Bluterguss in seiner Magengegend leuchtete nun in dunklen Lila- und Blautönen, gekrönt von roten Striemen, die ich ihm im Eifer des Gefechts gestern Abend verpasst hatte. Jetzt schämte ich mich dafür, dass ich nicht vorsichtiger mit ihm gewesen war, aber er schien es gestern genossen zu haben, weswegen ich damit weitergemacht hatte.

Auch an seinem Rücken prangerten einige heftige Blutergüsse, deren Ausmaß ich erst jetzt im Tageslicht so richtig wahrnahm. Diese mussten durch den Aufprall am Regal entstanden sein. Als ich vorsichtig über die dunklen Stellen auf seiner Haut fuhr, zischte Yeosang kurz auf.

„Von wegen, du hast nichts", grummelte ich und schlug die Beine aus dem Bett. Doch ich kam nicht weit, denn Yeosang zog mich mit einer schnellen Bewegung zu sich zurück, sodass ich halb auf ihm, halb neben ihm zu liegen kam und in seine dunklen Augen schaute, die er mittlerweile geöffnet hatte. „Dich hat es schlimmer erwischt", raunte er mit verschlafener Stimme und einem Blick auf meine Schläfe. Dann strich er mir vorsichtig einige Strähnen aus dem Gesicht. „Wie du weißt, bin ich kein Mediziner, aber ich glaube nicht, dass die Wunde genäht werden muss." Er lächelte verschlafen.

Dann wanderte seine Hand tiefer, strich vorsichtig über meinen Hals, der von Sans hartem Würgegriff immer noch brannte und gezeichnet war, und schob meinen offen stehenden Bademantel, den ich auch zum Schlafen getragen hatte, über meine Hüften etwas zur Seite. Sein Blick fiel als Nächstes auf meine entblößten Hüften, die an der Stelle über dem Hüftknochen ebenfalls von Sans eisernem Griff in allen Farben der Farbpalette schimmerten.

„Hast du Schmerzen?" fragte er mit sorgenerfüllten Augen. Ich schüttelte den Kopf. „Es geht mir schon besser." Ich küsste ihn zur Bestätigung sanft auf die Lippen und richtete mich auf. „Ich mache uns eine Kräutersalbe, die bei der Heilung helfen sollte. Ansonsten können wir gegen Blutergüsse nichts weiter tun."

Nachdem ich den „Walk of Shame" im Bademantel zum Glück unbeobachtet zu meiner Kajüte hinter mich gebracht hatte, zog ich mich an. Die Kleidung von gestern war durch das Blut von San ohnehin nicht mehr zu gebrauchen. Da mein Terminkalender heute voll war, zog ich ein schlichtes weißes Kleid an, ohne Korsett und Schmuck, da ich mich den Tag über nicht eingeengt fühlen wollte und praktische Kleidung für sinnvoll hielt. Meine Haare band ich zu einem lockeren Zopf und zog schließlich schwarze, halbhohe Stiefel an, die ich vorne zuschnürte.

Kurze Zeit später hatte ich einige Kräuter von Wooyoung aus der Küche in einen Beutel gepackt und machte mich mit zwei Bechern dampfendem Kaffee und einem Rezeptbuch von Elaria auf den Weg zur Krankenstation. Der Gedanke an sie ließ mein Herz immer noch vor Freude hüpfen, aber gleichermaßen auch schwer werden. Wäre sie hier, hätten wir einige Sorgen weniger. Ich atmete noch einmal tief durch, straffte meine Schultern und drückte dann die Tür zur Krankenstation auf.

Der Anblick war glücklicherweise sehr ähnlich zu dem Zeitpunkt gestern Abend, als ich die Krankenstation verlassen hatte. Hongjoong saß zu Sans linker Seite, Mingi zu seiner rechten. San lag unverändert friedlich auf der Matratze. Der Verband war weder blutdurchtränkt noch verrutscht. Es gab also endlich mal ein bisschen Aussicht auf Besserung.

Aurora - You are my light (Ateez x reader)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt