~Loki
Der Gott des Schabernacks hatte vieles erlebt. Er hatte viel Schmerz ertragen, entlose Folter physisch und psychisch. Doch nie hatte er einen so allumfassenden Schmerz gespürt, wie in diesem Moment.
Seine Nervenenden fingen Feuer, sein Herz kreischte in Todes Qualen und alles in ihm brannte. Es hätte Loki nicht gewundert, wenn sein Körper wirklich in Flammen aufgegangen wäre.
Thor beugte sich über ihn, goldenes Haar tauchte in seinem geschrumpften Sichtfeld auf und kurz danach wurde er auf den Rücken gedreht. Es tat weh. Alles tat weh, selbst das Atem.
Der Gott spürte jede Faser seines Körpers, jedes Atom, wie es auseinander riss, verbrannte und schmerzte. Die Qualen waren nicht zu beschreiben, kein Wort hätte genug Kraft, um sie einzufangen.
Loki blinzelte die Tränen weg, die ihm in die Augen stiegen und selbst das sannte eine Welle des Schmerzes durch ihn hindurch. Thor rief irgendwas. Er verstand es nicht.
Dann rüttelte Thor an ihm und Loki schrie auf, sein Herz geriet ins Stocken. Er wollte den Donnergott anbrüllen, dass er ihn loslassen sollte, doch alles, was aus seiner brennenden Kehle kam, war ein weiterer Schrei.
Plötzlich raste ein Blitz durch seine Gedanken und er sah die junge Agentin, wie sie krampfend auf dem Boden lag. Ihre blonden Wellen waren zurückgekehrt, doch sie hingen ihr verschwitzt im blassen Gesicht.
Loki sah sie so deutlich, als würde sie vor ihm stehen und dann erkannte er die schwarzen Linien auf ihrem Hals, wie sie sich nach oben wanden und gegen ihre Haut zu drücken schienen.
Emilia wurde hochgehoben und wieder schoss eine Flamme durch Lokis Körper. Seine Sicht verschwamm, er erkannte denjenigen nicht, der die junge Frau nun von ihm wegtrug.
Doch eine Sache sah er noch, oder besser, fühlte er. Das Bild verschwand und der Gott befand sich wieder an der Küste, im Gras liegend und mit zerfetzten Nerven.
Aber er musste dagegen ankämpfen. Er musste es einfach, nachdem was er gespürt hatte.
Mit aller Kraft, die der Gott des Schabernacks aufbringen konnte, hob er einen Arm und zog Thor zu sich herunter. Er hatte eine Idee, auch wenn sein aufgewühlter Verstand ihn womöglich zum Tode verurteilte.
"D...d...", Loki versuchte seine Stimme wiederzufinden, doch sie schien irgendwo in den Flammen verloren gegangen zu sein. Er packte Thor fester, auch wenn eine weitere Schmerzenswelle in seine Hände und Arme fuhr.
Dann verließen ihn die Kräfte und er sank zurück ins Gras.
Der Hammer des Donnergottes lag neben ihm und Loki gab sich einen winzigen Moment, um zu Atmen, auch wenn es qualvoller war, als den Finger zu heben und damit auf Mjölnir zu zeigen.
Loki hoffte, dass Thor ihn verstand und dieses eine Mal seinen Verstand benutzte.
Dabei wusste der Gott des Schabernacks selbst nicht, ob es funktionieren würde. Im besten Fall würde er sterben. Im schlimmsten wären die Schmerzen noch immer da.
Der Donnergott verschwamm vor seinen Augen und Loki versuchte erneut seine Stimme zu benutzen, doch heraus kam nur ein etwas armseliges Fiepen. Thor wurde aber wenigstens auf seinen Finger aufmerksam und folgte ihm bis zu seinem Hammer.
Loki glaubte ihn fluchen zu hören und er selbst schloss die Augen. Sein Körper zitterte. Bilder von seiner Zeit bei der Black Order tauchten vor seinem geistigen Auge auf. ER besuchte ihn.
Loki stellte sich vor, dass ER ihn erneut folterte. Dass ER zurück war. Denn das war weitaus besser als die Wahrheit, nämlich das seine Magie nicht nur Emilia angriff, sondern auch ihn selbst. Sie war zu lange von ihm getrennt gewesen.
Und genau deshalb musste der Gott endlich wieder aufstehen können! Denn wenn er es nicht schaffte, starb die junge Agentin. Das war die Erkenntnis, die er in dieser kurzen Vision bekommen hatte.
Emilia war nicht für diese Macht geschaffen und genau deshalb arbeitete sie nun völlig gegen sie. Vorher hatte Lokis Magie die Agentin beschützt, um sich selbst zu schützen. Jetzt hatte sie genug davon. Sie wollte ausbrechen. Sie wollte frei sein.
Loki war so in seine Gedanken und den Schmerz verstrickt gewesen, dass er nicht bemerkt hatte, wie Thor Mjölnir aufgehoben hatte.
Er spürte es erst, als der Hammer auf seiner Brust landete und Elektrizität durch seine Adern schoss. Für einen Moment bäumte der Gott sich auf, die Energie erfasste jede verbrannte Faser und schien kurz davor zu sein, sie wieder anzuzünden. Dann erreichte der Blitz sein Herz und er hörte einen Schrei, wie aus weiter Ferne.
Es war nicht sein eigener, sondern der einer Frau. Der einer jungen Agentin. Der von Emilia Christensen.
Die Energie verschwand aus seinem Körper, genauso wie der Hammer auf seiner Brust und der Schrei verklang.
Loki schoss hoch und schwankte. Thor war da, um ihn zu stützen, doch er schlug seine Hand weg.
Der Schmerz war weniger geworden, ein Nachhall saß noch immer in seinen Knochen, doch er konnte gehen. Er konnte rennen. Er konnte Emilia retten, bevor es zu spät war.
"Bruder, setz dich wieder hin, bitte." Thors flehende Stimme irritierte Loki sodermaßen, dass er beinahe seiner Bitte nachgekommen wäre. Dann sah er seinen Bruder an und erkannte die feinen Blutspritzer auf seinem Gesicht.
Zuerst dachte Loki, er hätte Thor in seiner Qual ausversehen verletzt. Dann fuhr seine Hand zu seiner Brust und er spürte nasse Wärme. Sein Blick glitt zu Mjölnir. Dessen Unterseite war getränkt von Blut.
Loki schaffte es nicht, diese Erkenntnisse zu ordnen und zu verstehen, doch was er verstand war, dass er blutete. Und das nicht gerade wenig.
Bevor er zurück zu Boden sinken konnte und dort liegenblieb, bis der Tod ihn endlich holte, ging Loki los, ohne Thor nochmal anzusehen.
Der rannte ihm natürlich hinterher und rief aufgebracht: "Loki, bleib stehen! Bist du wahnsinnig? Bruder, bitte, deine gesamte Brust wurde zerfetzt!"
Also hatte er es sich nicht bloß eingebildet. Aber die Wunde stammte nicht von Mjölnir, denn dann wären seine Seiten ebenfalls blutdurchtränkt.
"Du hast mir versprochen, dass wir das zusammen machen!"
"Nein, ich....", Lokis Stimme brach und er hustete, seine Kehle fühlte sich noch immer rau an. Doch immerhin waren die Worte zurück. "Ich habe dir gesagt, ich werde es versuchen."
Er hustete erneut, Tränen traten in seine Augen.
"Dann streng dich bitte genau in diesem Moment ein wenig an", sagte Thor und hielt Loki auf, indem er sich vor ihm aufbaute.
"Wo willst du hin?"
"Zum Palast."
"Was bitteschön willst du da? Außer natürlich sofort einen Heiler suchen, was, wie ich dich kenne, du sicher nicht machen wirst."
"Bringst du mich da hin oder soll ich den Weg laufen? Du bestehst doch so darauf, dass wir das zusammen machen."
Der Gott des Schabernacks presste sich eine Hand auf den Mund und hustete erneut. Als er sie wegnahm, war sie ebenso rot, wie sein Hemd und seine Brust.
Thor überlegte nicht lange und zum Glück war Lokis Bruder dazu veranlagt, nicht viele Fragen zu stellen. Außerdem würde er Loki so nicht die Chance geben, sich ohne einen Heiler auf und davon zu machen.
Aber der Gott des Schabernacks würde Thor schon irgendwie loswerden, sobald sie im Schloss waren. Und dann würde er Emilia suchen.
"Halt dich fest", murmelte der Donnergott und achtete darauf, Lokis Torso so wenig wie möglich zu berühren.
Dann flogen sie durch die Luft, schneller und immer schneller.
Loki lachte beinahe. Vater, dein verstoßener Sohn kehrt zurück.
Allein für den Anblick des ungläubigen Allvaters musste der Gott durchhalten. Am Bifröst hatte er den Moment noch nicht richtig genießen können.
DU LIEST GERADE
𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅
FanfictionLoki wird nach seinen Verbrechen wieder nach Mitgard geschickt, um dort ohne seine Magie sein restliches Leben zu verbringen und mit den Folgen seines Handelns leben zu müssen. Dabei hat der Gott des Schabernacks noch mit den Folgen der Gedankenkont...
