~Emilia
Es war das Ende. Emilia wusste es. Es schien in ihren Knochen zu vibrieren, ein Gefühl der völligen Ruhe, wobei sie doch eigentlich Angst packen müsste bei der Vorstellung, ihr Leben würde nun enden.
Aber die junge Agentin fühlte sich aus unerfindlichen Gründen sicher. Geborgen. Und vielleicht lag das auch an den starken Armen, die sie nun umschlossen und sie fest an die warme Brust des Gottes drückten, den sie liebte und dessen Leben sie bis in den Tod verteidigen würde.
Loki umschlang sie so fest, als würde auch er wissen, dass das hier nicht gut ausgehen würde. Er drückte ihr einen Kuss in den Nacken, was einen prickelnden Schauer über ihren Rücken sandte. Sie hoffte, dass ihre Erinnerungen an diesen Moment ihr selbst im Tod bleiben würden.
Tyrs weiße Augen erschienen vor ihr und wurden währendessen von einem ockerfarbenen Gelb verdrängt, welches ihn wie eine Schlange aussehen ließ, bereit ihrem Opfer den tödlichen Stoß zu geben.
Der wahnsinnige Gott grinste und seine Hand umfasste Lokis, die fest an ihren Körper gedrückt war und ein unsäglicher Schmerz durchfuhr sie. Die Welt wurde um sie herum schwarz. Kein Laut drang zu ihnen, außer die Schreie des Gottes und der Agentin, welche ineinander umschlungen dastanden, während die Magie in Emilias Brust tobte.
Tyr lachte auf, triumphierend und hämisch. Vielleicht gab dieses Geräusch Emilia einen letzten Funken, der das Inferno in ihr entzündete. Vielleicht waren es aber auch Lokis Schreie und sein schmerzvolles "Es tut mir so leid, Emilia!", während sein blutüberströmtes Gesicht und sein verbliebenes Auge so viel Trauer, Angst und Vorwurf gegen sich selbst zeigte.
Vielleicht war es aber auch Emilia selbst, welche ein letztes Mal kämpfen wollte. Ein allerletztes Mal würde sie sich aufrichten und das Feuer entfesseln, bevor es sie mit sich riss in die Abgründe der Unterwelt.
Mit aller ihr verbliebenen Kraft packte die Agentin Tyrs Hand und grüne Flammen schossen aus ihr hervor. Sie fraßen sich in den Arm des Gottes, welcher heulend zurücktaumelte. Der Geruch von verbranntem Fleisch erfüllte die unendliche Schwärze und Emilia löste sich aus Lokis Armen.
Dann sprang sie, rief der Magie, Lokis Magie in ihr zu, sie ein letztes Mal zu schützen und landete direkt neben dem weißhaarigen Gott, der sich seinen verkohlten Arm hielt.
Emilia schleuderte ihn nach hinten, mit aller Wucht, die sie aufbringen konnte und stürzte ihm hinterher. Bevor er auf dem Boden aufschlagen konnte, hatte sie ihn mit einer übermenschlichen Kraft gepackt und verbrannte seinen anderen Arm. Das Feuer brüllte vor Freude auf, als es, angefacht von Emilias Wut und ihrem Willen, Tyrs Haut und Knochen verbrannte.
Der Gott schrie auf, ein Geräusch, welches nicht so schön in den Ohren der jungen Agentin klingen sollte. Bei Shield hatte man ihr immer eingeschärft, Angst zu haben. Angst verhinderte, dass man zu grausam wurde, zu brutal. Als Agentin hatte sie schon viele Leute umgebracht, doch hatte es ihr nie Freude bereitet. Bis jetzt.
Als sie Tyr ansah, wollte sie ihn umbringen. Sie wollte den Gott niederstrecken und es machte ihr Spaß, ihn leiden zu sehen. Aber das sollte es nicht. Es sollte sie nicht mit Freude erfüllen, jemandem solche Schmerzen zuzufügen. Denn dann wäre sie nicht besser als Tyr.
Die Magie in ihr drängte, freigelassen zu werden, wollte ausbrechen, doch Emilia hielt sie zurück. Sie konnte das nicht. Sie wollte nicht zu einem solchen Monster werden, wie das, was vor ihr lag und sich die zerfleischten Arme hielt. Emilia wollte einfach nur nach Hause.
Sie war müde. Zu müde, als das es nur vom Kampf kommen konnte und da spürte sie mit einem Mal deutlich die Spuren auf ihrer Seele, auf ihrem Herzen, welche die Magie hinterlassen hatte.
Da wurde ihr zum ersten Mal bewusst, dass nur noch die Magie in ihren Adern sie am Leben hielt. Sie horchte in sich hinein. Ihr Herz schlug nicht mehr. Stattdessen pulsierte die Macht in ihr, trieb sie an und wollte nun auch Herr über ihren Verstand werden. Sie wollte freigelassen werden.
Emilia starrte Tyr an. Und mit einem Mal wurde ihr bewusst, warum Loki ihr so lange nichts von der Magie in ihr drinn erzählt hatte. Er hatte gewusst, dass sie sterben würde. Und deshalb hatte er seine Macht auch nie zurückgefordert, weil...er sie nicht sterben lassen wollte.
Auf einmal rastete das letzte Rädchen in diesem riesigen Rätsel ein und heiße Tränen stiegen Emilia in die Augen.
Loki hatte ihr nicht gesagt, dass sie sterben würde, sondern hatte sie lieber im Unwissen gelassen. Ihre Wut wurde schnell von einer bleiernden Ruhe ersetzt, die sie erfüllte. Es war beinahe Gelassenheit, die all ihre Glieder entspannte. Sie hatte nichts zu verlieren.
Aber wie sollte sie Tyr entgültig besiegen? Er hatte viel mehr Erfahrung mit der Magie als sie, Emilia schaffte es ja nichtmal, sie lange zu kontrollieren.
Der Wahnsinnige stand mühsam wieder auf und seine Hand mit dem verkohlten Fleisch packte Emilias Kehle. Seine Augen glühten vor Zorn und er drückte zu. Emilias Sicht verschwamm, als der Gott sie vom Boden hochhob.
"Gib auf, Schätzchen. Du kannst mich nicht besiegen."
Emilia röchelte vergeblich, als sie plötzlich Lokis Gesicht vor sich sah. Seine blaugrünen Augen strahlten und er wirkte so gesund, ohne das Blut, ohne die vielen Narben. Dieses Bild stand ihr so klar und deutlich vor ihrem inneren Auge, dass ihr die Tränen kamen.
Nein, sie konnte Tyr nicht besiegen. Da hatte er recht.
Die Macht in ihr schrie, nagte weiter an ihrem Herzen und flehte sie an. Emilia schloss kurz die Augen. Atmete noch ein letztes Mal tief ein.
"Nein, ich nicht. Aber ein anderer kann es."
Ich lasse dich frei. Geh zu deinem rechtmäßigen Besitzer
Und die Magie tat es, sobald Emilia die Worte dachte, sobald sie vollkommen losließ. Grünes Licht strömte aus ihrem Inneren heraus und sie hörte Tyr vor Wut brüllen. Das entrang ihr ein allerletztes Lächeln.
Er ließ sie los und sie fiel ins Gras, welches sie unter ihren immer leichter werdenden Fingern spürte. Es war ein wenig feucht, jedoch nicht vor Blut. Ein leichter Tau hatte sich auf die Wiese gelegt und der erdige Geruch war das letzte, was Emilia wahrnahm.
Sie dachte an ihre Mutter und ihren Vater, wie sie als Familie oft Picknicks im Garten veranstaltet hatten. Das Gras hatte genauso gerochen. Frisch, erdig und nach zu Hause. Emilia würde nach Hause kommen. Sie würde ihre Familie wiedersehen.
Der letzte grüne Schimmer erlosch und mit ihm schlossen sich Emilias Augen.
Mum, Dad, ich sehe euch endlich wieder...
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Wow, jetzt befinden wir uns wirklich auf der Zielgeraden....(*schnief*) Aber alles hat mal ein Ende, nicht wahr?
Bye bye amigos, wir sehen uns zum Abschluss dieser Story <3
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𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅
FanfictionLoki wird nach seinen Verbrechen wieder nach Mitgard geschickt, um dort ohne seine Magie sein restliches Leben zu verbringen und mit den Folgen seines Handelns leben zu müssen. Dabei hat der Gott des Schabernacks noch mit den Folgen der Gedankenkont...
