Ein Ort um für immer zu bleiben

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~Emilia

Sie hatte es ihm gestanden. Sie hatte sich ihm geöffnet und nun lag der Gott neben ihr, sein warmer Atem blies ihr in den Nacken und seine kalten Hände strichen bedächtig über ihre Schultern, wanderten dann zu ihrer Wange und schon spürte sie seine warmen Lippen an ihrer Haut, die im völligen Kontrast zu seinen Fingern standen.

Ein Schauer durchfuhr sie und die Agentin hätte beinahe seelig aufgeseufzt. Es war perfekt.

Sie lag in Lokis Armen, spürte seine Nähe und fühlte sich sicher, geborgen und gut. Etwas, was sie seit langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte.

Emilia konnte nicht sagen, wann sie Gefühle für den Gott entwickelt hatte. Es war sicherlich keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, aber vielleicht hatte ihr Herz, ihre Seele alles trotzdem vom ersten Moment an gewusst.

Es war immer eine gewisse Anziehung zwischen ihnen gewesen, und die hatte nichts mit der Magie zutun, die sie verband.

Emilia schluckte kurz und kuschelte sich enger an Loki, obwohl sein Körper genauso kalt war, wie seine Hände. Trotzdem genoss sie es, ihn hinter sich zu fühlen, wie seine wieder heile Brust sich langsam hob und senkte.

Sie würde einen Weg finden, Loki seine Magie zurückzugeben. Er hatte so viel durchmachen müssen, hatte so viel für sie ertragen. Nun wollte sie es ihm zurückgeben. Emilia dachte daran, wie der Gott geweint hatte in ihren Armen, wie jede Träne in ihr Herz zu sickern schien und dort jedoch nur die Entschlossenheit anfachte, wie ein beständiges Tropfen, welches den Damm brechen würde.

Emilia wusste, was sie tun musste. Und danach würden sie und Loki für immer zusammen bleiben. Was für eine naive Vorstellung, doch im Moment machte der Agentin das nichts. Vielleicht war ja doch eine kleine Romantikerin an ihr verloren gegangen oder war in den unzähligen Einsätzen gestorben, in denen sie Tod und Verwüstung gesehen hatte.

Jetzt schien das alles wie in weiter Ferne und doch konnten die beiden nicht ewig hierbleiben.

Emilia lehnte sich ein letztes Mal an Lokis Brust und stand dann auf. Loki folgte ihr wie ein Schatten und strich ihr kurz durchs Haar, bevor er beinahe verschlafen fragte: "Was ist los?"

Ihr Herz machte einen kleinen Satz, denn seine Stimme hatte sich ebenfalls in den letzten Stunden verändert. Früher war immer eine Spur Sarkasmus darin mitgeschwungen, als Illusion, wie Emilia nun wusste, um seine echten Gefühle zu verschleiern. Jetzt war seine Stimme sanft, aufrichtig und warm.

"Wir müssen weiter", brachte sie heraus und versuchte ihre wirren Gedanken unter Kontrolle zu bekommen, als Loki ihr Kinn anhob und ihr einen eher keuschen Kuss auf die Lippen drückte.

"Wohin gedenkst du denn zu gehen?" Da war das leichte Aufblitzen des Gottes des Schabernacks in seinen Augen und Emilia lächelte leicht.

"Zurück zu Legowis."

Loki runzelte die Stirn und suchte in ihren Augen nach der ganzen Wahrheit, die sie ihm jedoch nicht vorenthalten wollte. "Er weiß vielleicht, wie wir das mit deiner Magie hinbekommen. Er hat schließlich auch herausgefunden..."

"Legowis wird uns nicht helfen können", fiel der Gott ihr ins Wort und seine Miene verdunkelte sich. Es schien, als hätten unsichtbare Dämonen nach ihm gegriffen, denn seine Augen wurden kalt und er ließ ihre Hände los.

Emilia eilte ihm nach, als er sich umdrehte und achtlos durch die wunderschönen Blumen ging.

"Dann finden wir jemanden, der es kann!" Emilia holte ihn ein und stellte sich vor ihn, die Hände in die Hüften gestemmt.

"Du willst deine Macht zurück und ich kann sie dir zurückgeben, oder nicht? Das ist es doch, was du willst, also warum zerstörst du jede Hoffnung?"

An Lokis Kinn zuckte ein Muskel und plötzlich blitzte diese Verletzlichkeit in seinem Blick auf, die sie auch schon zuvor bei ihm gesehen hatte, als er in ihren Armen geweint hatte.

"Emilia, das alles ist nicht so einfach! Du verstehst nichts von Magie oder wie sie funktioniert! Das hier ist nichts, was man eben schnell hinkriegen kann. Und ich zerstöre die Hoffnung nicht, denn....es gibt keine."

Der Gott drehte sich weg und Emilia ergriff sein Gesicht. Sie wollte seinen Schmerz sehen, sie wollte seine Dämonen sehen. Sie wollte ihn, mit allen dunklen Seiten und allen Monstern aus der Vergangenheit.

"Loki, rede mit mir. Erkläre mir die Macht, erkläre mir alles, nur lass mich nicht im Dunkeln. Ich weiß, du glaubst nicht mehr an die Hoffnung, aber ich tue es. Lass mich für uns beide hoffen. Bitte."

Eine Träne rann aus seinem Augen und sie küsste sie fort, sacht und sanft, als würde er bei einer zu starken Berührung zerbrechen. Dabei wusste sie, dass er so unglaublich stark war. Die Dämonen in seinen Augen zeigten es. Sie zeigten, wie viel er hatte durchstehen müssen.

"Ich....ich kann nicht...bitte verlang nicht von mir, mich von einen Tag auf den anderen zu ändern."

Erschrocken sah Emilia ihn an. "Loki, das will ich doch gar nicht!"

"Dann bitte, gib...gib mir Zeit....ich..." Er sah zu Boden und Emilia ohrfeigte sich für ihre Worte.

"Loki, ich verlange nicht von dir, dass du mir alles erzählst. Ich verlange nicht von dir...." sie atmete einmal tief durch. "Meine Mutter hat mir früher alles von den Lippen abgelesen. Wenn ich traurig war, hat sie es sofort bemerkt, aber auch, wenn ich wütend war oder bedrückt. Eines Tages hatte ich einen Streit mit meiner Freundin. Ich ging nach Hause und war am Boden zerstört, weil sie mich nicht mehr zu mögen schien. So sah es zumindest in meinen Augen damals aus. Meine Mutter hat mich zu nichts gezwungen. Aber sie war immer da. Ich habe den Streit zwei Tage lang in mich hineingefressen, doch dann habe ich erkannt, dass es nichts bringt."

Sie strich ihm durchs Gesicht und drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Stirn.

"Ich will dasselbe für dich tun. Ich bin immer da für dich, egal wann du reden möchtest. Das einzige, was ich dir sagen kann ist, dass es gut tut. Es tut gut, darüber zu reden. Aber wenn du das nicht willst, dann respektiere ich das."

Loki sah ihr in die Augen und es wurde ganz still um sie herum. Dann drückte er sie an sich, hielt sie ganz fest, als wollte er sie nie wieder loslassen, als wäre sie seine Quelle, aus der er Kraft schöpfte.

"Ich habe viele Dämonen, Emilia...." Er klang so zweifelnd, so verletzlich und Emilia gab ihm all ihre Hoffnung, all ihre Zuversicht.

"Zeige sie mir. Zeig mir deine Dämonen."

𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt