Der Kampf um die Liebe beginnt

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~Emilia

Als diese weißen Augen sie fixierten und das hämische Grinsen auf seinen Lippen erschien, erfasste Emilia die Angst, mit aller Kraft. Ihre Hände wurden schweißnass, während sie alles vor ihren Augen zerfallen sah, ihre Liebe, ihr neues Leben, einfach alles.

Emilia griff nach Lokis Hand und dieser stellte sich beinahe unauffällig vor sie. Welch eine Ironie, dass sie momentan die mächtigere von beiden war.

Tyr faltete die Hände zusammen und sah aus wie der Teufel im Paradies. Und dieser Teufel würde nicht ohne Blut wieder verschwinden.

"Komm schon, alter Freund, mach mir die Sache nicht so schwer, ja?"

Tyr schlich beinahe katzenhaft um sie herum und Loki drückte ihre Hand fester, wie eine stumme Versicherung, dass alles gut werden würde. Emilia war sich da nicht so sicher.

"Oh ich habe es doch immer schon genossen, dir Kopfzerbrechen zu bereiten", antwortete Loki in seinem typisch sarkastischen Tonfall, doch Emilia entging die Anspannung nicht. Tyr ebenso wenig.

Er hob den Kopf und grinste, seine weißen Haare fielen ihm in die Augen und Emilia bemerkt da erst, dass er etwas gekrümmt ging. Sein rechter Arm hing schlaff an seiner Seite und auch seine Kleidung war von Staub und Blut ruiniert.

Komisch, das Emilia das erst jetzt auffiel, so sehr hatte ihre Angst sie kurzzeitig blind gemacht für alles andere. Doch das würde nicht noch einmal passieren.

"Weißt du, ich habe dich immer um deine Masken beneidet. Du konntest sie aufsetzten und wechseln, wie du wolltest. Aber die Masken entgleiten dir langsam, alter Freund. Du wirst unvorsichtig."

Der weiße Dämon sprang und landete direkt hinter Loki und versetzte ihm einen harten Stoß, sodass er Emilias Hand losließ und nach hinten taumelte. Emilia dachte nicht nach, sondern stieß ihr Knie nach oben und auf Tyrs Kiefer zu.

Der wich aus, war aber wackelig auf dem rechten Fuß, sodass die junge Agentin ihm einen Schlag in den Magen verpassen konnte.

In der Zeit hatte Loki sich wieder aufgerappelt und griff in einen der Hyacinthenbüsche. Als seine Hand wieder daraus hervorkam, hatte er zwei Dolche in der Hand und der Ausdruck in seinen Augen war mörderisch.

Anstatt sich nun aber auf Tyr zu stürzen, warf er ihm einen der Dolche zu.

Fassungslos sah Emilia den Gott an. Er war wohl verrückt geworden!

Loki taxierte Tyr und im untergehenden Licht der Sonne sah er nicht wie der Gott des Schabernacks, sondern wie der Gott des Krieges aus.

Ein starker Wind peitschte ihm das schwarze Haar ins Gesicht und seine grünblauen Augen schiene zu leuchten. Es war ein tödliches Funkeln.

"Komm schon, alter Freund. Wie in alten Zeiten."

Loki deutete auf den Dolch und Tyr ließ ihn durch seine blassen Finger gleiten. Dann schnaubte er, bevor er sich auf Loki stürzte.

Der parierte den Schlag und drehte sich zur anderen Seite, wich einem erneuten Hieb aus und erwischte Tyr am Bein. Dieser zischte auf und lachte dann.

Emilia bekam eine Gänsehaut, als der weißhaarige Gott den Dolch mit gefletschten Zähnen auf Loki niedergehen ließ. Loki drehte sich, kam aber auf dem falschen Fuß auf und verlor das Gleichgewicht. Tyr nutzte die Chance und rammte ihm das Messer in die linke Hand.

Er hatte so viel Schwung, dass beide zu Boden gingen und der Dolch Loki am Boden fixierte.

Emilia wollte gerade eingreifen, als Loki sich mit einem beinahe animalischen Schrei befreite und dabei Blut über die gesamte Lichtung spritzte. Einige Tropfen trafen die junge Agentin im Gesicht, während sie den beiden Göttern zusah.

Es war beängstigend und erfurchtsgebietend und abscheulich.

Tyr schwang sich zur Seite und trat Loki die Beine weg, dieser drehte den Dolch und zog ihn dem Wahnsinnigen quer über die Brust, sodass dieser kreischend nach hinten taumelte. Loki schnellte vor und traf ihn am rechten Arm, der sowieso schon verletzt war.

Tyr zischte auf, bevor er erneut anfing zu lachen, wobei Blut von seinen Zähnen tropfte. Emilia verzog angewidert das Gesicht. Der Kampf hatte eine grausame Schönheit, doch der alleinige Gedanke daran war für die Agentin ekelerregend.

Loki bekam Tyrs Gewand zu fassen und zerriss den Stoff an der Schulter. Dann ergriff er Tyrs Kopf und zog ihn nach hinten. Der Wahnsinnige krallte nach Loki und stach ihm dann mit dem Messer in die Schulter.

Loki brüllte auf, sein linker Arm hing nun ebenso nutzlos herunter, denn genau diese Schulter war auch bei ihm vorbelastet. Emilia schrie auf, als Tyrs Bein auf den Kopf des Gottes zuraste und ihn zu Boden brachte.

"NEIN!"

Die Agentin stürzte sich in den Kampf und schlug Tyr den Dolch aus der Hand, mit dem er gerade Lokis Brust hatte aufschlitzen wollen.

"Emilia, lauf!" Loki sah sie mit großen Augen an und versuchte dann sie hinter sich zu bringen, doch sie hatte genug vom Verstecken. Selbst wenn das hier ein Kampf zwischen den beiden Göttern war, sie würde ihre endlich gewonnene Liebe niemals im Stich lassen.

"Sieh an, eine Agentin mit so wenig Selbsterhaltungstrieb", spie Tyr hervor und spuckte vor ihr Blut auf den Boden, bevor er sich mit blitzenden Augen auf sie warf.

Emilia rollte sich weg, kam aber nicht schnell genug auf die Beine. Tyr nagelte sie fest und plötzlich lag seine Hand glühend heiß auf ihrer Brust.

"Sag Adieu zu deiner Agentin, alter Freund."

Ein Schrei löste sich aus ihre Kehle, als Tyrs Magie anfing, sie von innen heraus auszusaugen.

Emilia warf sich hin und her, doch sie konnte sich unter dem Gewicht des Wahnsinnigen nicht bewegen. Das Etwas in ihr tobte und kreischte, so lange, bis ihre Ohren bluteten und ihre Schreie sich mit der Magie in ihr drinn vermischten.

Stück für Stück fühlte sie, wie sich die Klauen von ihrem Herzen lösten, doch dabei viel zu große Stücke mit sich rissen. Plötzlich verschwand die Hitze von ihrer Brust und Emilia blieb schwer atmend liegen.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, während ihr beschädigtes Herz versuchte, weiterzuschlagen.

Du musst weitermachen!

Mit einem weiteren Schub des Adrenalins stemmte sie sich wieder auf die Beine und da blitzte der Dolch vor ihr auf, den Tyr fallen gelassen hatte. Sie schnappte sich das Messer und entdeckte ihr Ziel.

Der Wahnsinnige parierte gerade weiterhin Lokis Hiebe, während dieser ihn immer weiter zur weißen Bank drängte.

Emilia wartete noch kurz, dann sprang sie ebenfalls auf die Bank und stieß Tyr den Dolch von oben in den rechten Arm, wo er mit einem ekelerregenden Knirschen stecken blieb.

Doch nun hatte Tyr genug von den alten Zeiten. Innerhalb eines Wimpernschlags hatte er Emilia von den Füßen gefegt und eine klauenbewehrte Hand schoss auf Loki zu. Der konnte nicht ausweichen und brüllte auf, als die Krallen sich in seine Haut bohrten.

Tyr drückte ihn zu Boden und ließ seine Krallen langsam durch Lokis Fleisch gleiten.

Der Gott des Schabernacks stieß mit seinem Dolch zu, verfehlte Tyrs Herz und rollte sich dann mit einem Schrei zur Seite, wobei die Krallen ihm den Unterarm zerfetzten.

Emilia lag wie in Schockstarre am Boden und konnte nicht atmen, als Tyrs Klauen erneut zuschlugen und drei lange Risse durch Lokis Gesicht zogen.

Der Gott taumelte zu Boden und presste sich die Hand auf das Auge, während Tyr hinter ihm aufragte.

"Nun siehst du deinem Vater noch ein bisschen ähnlicher."

Loki sah hoch und fand Emilias Augen. Diese schluchzte auf, als sie das blutige Loch in seinem Gesicht sah. Dann wurde alles in ihr ruhig.

Der Gott des Schabernacks lag am Boden und formte tonlose Worte mit den blutverschmierten Lippen.

Verzeih mir

Emilia stand langsam wieder auf, während die Sonne ein rötliches Licht auf sie alle warf. Tyr ragte über ihrer großen Liebe auf und das gewinnende Grinsen in seinem Gesicht ließen Emilia zu nichts als purer Wut werden. Und Macht.

Die junge Agentin schloss die Augen und entfesselte den Sturm in ihr.

𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt