Noch so ein Zauberer

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~Emilia

Der ganze Raum drehte sich, als Emilia die Augen aufschlug und gegen das helle Mondlicht anblinzelte, welches durch die offenen Fenster fiel. Beinahe wollte sie sich zurück in die so weichen Kissen sinken lassen. Es war so friedlich hier. So ruhig.

Doch dann fing ihr Gehirn wieder an zu arbeiten und die Agentin schoss förmlich aus dem Bett. Man hatte sie erneut entführt. Sie war wieder einmal ohne ihre Zustimmung mitgenommen worden.

Schnell sah Emilia sich in dem kleinen Schlafzimmer um. Neben ihr stand ein niedriger Wandschrank, der mit Gläsern und Flaschen gefüllt war und auf der anderen Seite gab es einen Balkon, durch den eine warme Brise zu ihr in den Raum fuhr.

Die weißen Vorhänge schwebten wie Geisterhände vor der offenen Tür entlang. Schnell rannte Emilia auf den Balkon zu und sah nach unten.

"Nein, nein, nein!" Sie schlug auf das goldene Geländer ein und starrte knapp 20 Meter nach unten, dort, wo der so ferne Boden lag auf den sie so schnell wie möglich wieder wollte.

Emilia ließ sich zu Boden sinken und lehnte ihren Kopf gegen die Metallstäben. Der Wind frischte auf und zerzauste ihre Haare, die ihr in immernoch braunen Strähnen in die Augen fielen.

Wäre sie bloß bei Loki geblieben. Er hätte sie beschützen können und all das wäre nicht schon wieder passiert. Zum Glück hatte nicht Tyr sie wieder in die Hände bekommen, sein Strandhaus kannte sie nun leider viel zu gut. Doch was wenn das hier ein anderes Versteck des Wahnsinnigen war?

Emilia versteifte sich und suchte nach irgendwelchen Anhaltspunkten dafür, wo sie war. Doch wenn Tyr sie wieder entführt hatte, dann wäre sie nicht so friedlich in einem seidenen Bett aufgewacht. Er hätte sie vermutlich bei der ersten Gelegenheit erneut gequält.

Langsam wurde die klare Sternennacht von Wolken verhangen und Emilia fröstelte in ihrem Kleid, welches sie immernoch nicht gewechselt hatte. Da erst fiel ihr auf, wie schmutzig und verdreckt sie war.

Seit Tyr hatte sie keine Chance mehr gehabt, sich sauber zu machen und der Tauchgang vor seinem Strandhaus zählte nicht mit.

Emilia ging zurück in das helle Zimmer und fand in einer Nische einen Kleiderschrank. Als sie ihn aufzog, konnte sie ihren Augen kaum trauen. Feinste Gewänder aus erlesener Seide und Brokat, Diamanten funkelten an fliederfarbenen Roben und überall war Tüll und Glitzer.

Früher hatte die Agentin immer von soetwas geträumt. Als Kind hatte sie sich einmal einen Schrank gewünscht, der ihr für jeden Tag ein Kleid bereitstellte in den schimmernsten Farben des Regenbogens.

Beinahe erfürchtig nahm sie nun eines dieser Wunderwerke vom Haken und betrachtete es mit großen Augen. Es war atemberaubend schön.

Sie legte es aufs Bett und suchte dann nach einer Möglichkeit, sich irgendwie zu waschen. Wenn sie schon erneut entführt wurde, dann konnte sie wenigstens die Vorzüge genießen. Und irgendwie würde sie auch hier wieder herauskommen.

Ihre Gedanken schweiften zu Loki, doch schnell verbannte sie ihn aus ihren Gedanken. Er würde nicht nochmal kommen. Und das war auch gut so, denn Emilia kam auch gut ohne ihn zurecht.

Gut, wenn man davon absah, dass sie sofort nach ihrem Aufbruch entführt worden war.

Emilia schüttelte den Gedanken ab und ging auf die Tür zu, die vermutlich aus diesem Zimmer führte. Ihr Herz beschleunigte, als sie die Klinke in die Hand nahm. Würde die Tür verschlossen sein?

Ihre Finger zitterten, dann atmete sie einmal tief durch und drückte den Türknauf herunter. Die Tür schwang ohne Probleme auf. Seltsam.

Vorsichtig spähte Emilia in den Gang vor ihr und lauschte. Von irgendwoher drangen Stimmen an ihr Ohr, doch sie schienen sehr weit weg. Sie hörte das Klappern von Geschirr und dann tauchte ein Licht am Ende des Flures auf.

𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt