~Loki
Der Gott des Schabernacks war noch nie in seinem Leben so erschöpft gewesen.
Die junge Agentin hing halb bewusstlos in seinem Arm und das einzige, was Loki im Moment antrieb, war der leise Nachhall seiner Magie, die ihn irgendwie gerettet hatte. Loki hatte noch nicht die Zeit gehabt, genauer darüber nachzudenken, denn schließlich war immer noch ein sehr mächtiger Gott hinter ihnen her.
Gerade als der Gott auf den großen Stein einige Meter vor ihm zuschwimmen wollte, raste etwas Dunkles auf ihn zu. Tyr.
Emilia japste erschrocken auf, als die Dunkelheit sie beide einschloss und dann erneut unter die Meeresoberfläche zog. Loki würde für den Rest seines Lebens das Wasser hassen.
Die kleine Agentin trat mit aller Kraft um sich, bewirkte dabei aber nur, dass ihr Fuß direkt in Lokis empfindlicher Seite landete. Der Gott biss die Zähne zusammen und bekam Emilia zu greifen.
Er hielt sie etwas stärker als nötig fest, doch die Anspannung in ihm war einfach zu groß. Außerdem kehrten die Schmerzen, die durch den Funken seiner Magie gedämpft worden waren, zurück.
Loki sah sich um, versuchte irgendwie Tyrs Quelle zu finden, als sich der Gott selbst vor ihnen mainfestierte. Bevor Loki begreifen konnte, rammte Tyr ihm die Faust in den Bauch und alle verbliebene Luft wurde aus Lokis Lungen gepresst.
Wasser drang erneut in seine Nase ein und Loki wollte schreien. Er wollte wüten und toben, sich selbst verfluchen und seinen Plan, der von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen war. Aber der unendliche Selbsthass musste warten, denn er musste immernoch Emilia retten. Wenigstens seine Magie durfte nicht in Tyrs Hände fallen. Nicht nochmal.
Loki wusste genau, was er vorhatte. Und genau deswegen hasste er sich dafür, jemals einen Fuß in Tyrs Strandschloss gesetzt zu haben.
Eine Hand um seine Kehle brachte den Gott des Schabernacks wieder zurück und er blickte in Tyrs weiße Augen, die glitzerten wie im Wahnsinn.
Loki schwandten die Sinne, als er noch fester zudrückte. Aber er kämpfte nicht allzu sehr dagegen an. Der Gott des Schabernacks hatte damit abgeschlossen, Hoffnung zu haben. Er wusste, dass er hier früher oder später sterben würde.
Doch Emilias Kampfgeist war anscheinend noch nicht verschwunden. Sie warf sich von hinten auf Tyr und grub ihm die Fingernägel ins Gesicht. Ein wütendes Knurren ging durch das Wasser. Tyr ließ von Loki ab und packte die junge Agentin.
Da traf ihn ein Hammer gegen den Kopf und ein Donnergott riss ihn mit solcher Wucht nach unten, dass es jedem anderen das Genick gebrochen hätte.
Emilia schwamm auf Loki zu, der erneut gegen die Ohnmacht kämpfte. Er hatte nie gewusst, wie schmerzhaft Ertrinken sein konnte. Die Lungen gingen in Feuer auf, dieses allumfassende Gefühl zu Ersticken und dann das Wasser, welches einem unkontrolliert in den Mund und in die Nase lief und jeden rationalen Gedanken auslöschte.
Die junge Agentin schlang ihre Arme um Lokis Brust und schlug kräftig mit den Beinen. Der Gott versuchte irgendwie seine Gliedmaßen ebenfalls zu bewegen, doch vergebens.
Hör auf. Lass mich los und rette dich.
Aber Emilia tat es nicht und Loki konnte es ihr hier unter Wasser nicht sagen, dabei hätte er sie am liebsten geschüttelt und sie angebrüllt, ihn einfach sterben zu lassen. Er könnte es nicht ertragen, wenn sie seinetwegen auch starb.
Ich bin nicht wichtig, rette dich! Verdammt nochmal, rette dich selbst, kleine Agentin!
Dann erinnerte Loki sich an nichts mehr. Er wusste nur, dass er nicht tot war und das die Minuten sich plötzlich wie Sekunden anfühlten. Das erste, was er wieder voll und ganz wahrnahm, war das beengende Gefühl, irgendwo eingequetscht zu sein.
Er schlug die Augen auf und blickte in Emilias angestrengtes Gesicht. Ihre nassen Haare klebten überall an ihrem Kopf und sie hatte seinen Arm umklammert und zog mit aller Kraft.
Als sie bemerkte, dass er wach war, wurden ihre Augen groß, bevor sie sich verengten und sie mit müder, aber trotzdem gefasster Stimme sagte: "Warum hast du mir nicht gesagt, dass dieser Geheimweg ein verdammtes Mauseloch ist und kein Gang?!"
"Wenn diese geheimen Wege leicht zu finden und zu gehen wären, würde es jeder tun", hörte Loki sich selbst sagen und dann schob er sich vorwärts. Er dachte nicht mehr. Er bewegte sich nur den Weg vorwärts, den er schon so viele Male genommen hatte, um unbemerkt von diesem Strand wegzukommen.
Es dauerte Stunden. So fühlte es sich jedenfalls an. Loki krabbelte hinter Emilia her und achtete nicht auf die scharfen Kanten, die ihm die Arme und Beine aufritzten oder das Wasser, welches immer noch in seiner Lunge war. Zum Husten fehlte ihm die Kraft und die Zeit, so banal es auch war.
Mit seiner Macht hatte er sich hier immer vor den spitzen Steinen geschützt und oft hatte er sogar seine Gestalt verändert, um sich schneller in diesem Tunnel bewegen zu können.
Irgendwann nach einer kleinen Ewigkeit, wurde Emilia langsamer. Loki sah hoch und bemerkte, wie ihr Körper bebte. Erst dachte er, sie würde vor Erschöpfung zusammenbrechen, doch dann hörte er das leise Schluchzen.
Der Gott verdrehte die Augen. Für Tränen war jetzt keine Zeit!
"Willst du hier wieder rauskommen?", fragte er spitz und schob sich noch näher an sie heran. Emilia antwortete nicht, er hörte nur das hektische Atmen und das Schluchzen dazwischen.
"Wir haben keine Zeit dafür!"
Loki versuchte die kleine Agentin vorwärts zu schieben, doch sie blieb, wo sie war.
"Emilia!"
Ihr gesamter Körper zitterte. Ihr Atem ging so stockend und da sah Loki, wie verkrampft ihre Hände sich in den Staub unter ihnen grub.
Moment mal, hatte sie etwa..?
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𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐞 𝐲𝐨𝐮𝐫 𝐝𝐞𝐦𝐨𝐧𝐬 | 𝐋𝐨𝐤𝐢 𝐅𝐅
FanfictionLoki wird nach seinen Verbrechen wieder nach Mitgard geschickt, um dort ohne seine Magie sein restliches Leben zu verbringen und mit den Folgen seines Handelns leben zu müssen. Dabei hat der Gott des Schabernacks noch mit den Folgen der Gedankenkont...
