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𝐁𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐚

Wir fuhren in die Stadt, ohne viel zu reden. Die Spannung zwischen uns war wie ein leiser Strom – nicht laut, aber ständig da. Als wir ausstiegen, lief ich ein paar Schritte vor ihm, spürte seinen Blick in meinem Rücken. Er sagte nichts, aber ich merkte, wie aufmerksam er jede meiner Bewegungen wahrnahm. Wir gingen gemeinsam in den Laden hinein. Schon beim Eintreten umfing uns warmes Licht, gedämpfte Musik, dieser typische Geruch nach neuem Stoff. Leandro blieb einen Schritt hinter mir stehen, ließ mir den Raum, aber ich spürte seine Präsenz sofort.

Ich strich mit den Fingern über die Kleiderstangen, ließ Stoffe durch meine Hände gleiten. Seide, Denim, Baumwolle. Es fühlte sich seltsam vertraut an, wieder nur für mich auszusuchen – nicht praktisch, nicht für irgendeinen Anlass. Einfach, weil ich es wollte. Leandro beobachtete mich, lehnte locker an einer Säule. Sein Blick war ruhig, aufmerksam. Nicht drängend.

„Probier das", sagte er schließlich und reichte mir ein Kleid. Seine Stimme war tief, sicher. Ich nahm es mit in die Kabine. Der Vorhang glitt zu, und für einen Moment war ich allein. Ich zog mich um, betrachtete mich im Spiegel. Das Kleid umspielte meine Hüften, saß genau richtig. Ich atmete tief durch, richtete die Schultern – und trat hinaus. Leandros Blick hob sich sofort. Er sagte nichts. Er musste nichts sagen. Seine Augen verrieten alles. Langsam, bewusst, zog er mich mit einem einzigen Blick wieder zu sich heran. „Du...", begann er, hielt dann inne und schüttelte leicht den Kopf. „Das steht dir gefährlich gut." 

Ich spürte Wärme in meinem Bauch. „Gefährlich?"

„Für meine Selbstbeherrschung."

Ich lachte leise, ein echtes Lachen, das mir selbst fremd vorkam. Dann drehte ich mich leicht, prüfte den Sitz, sah ihn wieder an. „Zu viel?" Er trat einen Schritt näher – blieb aber auf Abstand. „Nein", sagte er ruhig. „Genau richtig." Ich probierte noch mehr an. Eine Jeans, die perfekt saß. Ein Oberteil, das mehr zeigte, als ich sonst getragen hätte. Jedes Mal kam ich aus der Kabine, jedes Mal traf mich sein Blick – konzentriert, ehrlich, voller Spannung. Zwischen uns lag etwas Ungesagtes. Kein Griff. Kein Kuss. Aber jedes Anprobieren war wie ein stilles Gespräch. Ein Wiederentdecken. Ein Sich-neu-Sehen. Das letzte Kleidungsstück war ein tief geschnittener, enger Body. Ich zog ihn an, atmete kurz durch und schob den Vorhang der Kabine zur Seite. Gerade setzte ich einen Fuß nach draußen, als ich Leandro direkt vor mir sah.

Seine Hand hob sich reflexartig, fing den Vorhang ab – nicht grob, nicht hastig. Nur entschieden. Im nächsten Moment zog er mich mit einer ruhigen, kontrollierten Bewegung zurück in die Kabine. Der Vorhang fiel wieder zu.

Der Raum war plötzlich klein. Still. Voll.

Er stand dicht vor mir, sein Blick fest auf meinem Gesicht, nicht auf meinem Körper – und genau das ließ mir den Atem stocken. Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Lächeln, halb Selbstkontrolle, halb Ehrlichkeit.

„So wahnsinnig", flüsterte er tief, „bin ich auch nicht geworden, mi amor."

Das Wort traf mich unerwartet. Warm. Vertraut. Gefährlich nah.

Ich hob den Blick zu ihm. „Dann solltest du vielleicht einen Schritt zurückgehen."

Er lachte leise, kaum hörbar, beugte sich minimal vor – gerade nah genug, dass ich seinen Atem spürte, ohne dass er mich berührte.
„Oder du hörst auf, Dinge anzuprobieren, die mich testen." 

Mein Herz schlug viel zu schnell. „Ich teste gar nichts."

„Doch", sagte er ruhig. „Mich."

Und dann war die Zurückhaltung auf einmal weg.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Apr 28 ⏰

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