Verzögerte Ankunft

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Thranduil trieb Anna an. Er wollte endlich nach Hause, aber das verdammte Pferd von ihr, wegen ihres hohen Alters natürlich, wollte einfach nicht schneller reiten. Anna sprach ihr immer wieder beruhigende Wort zu, als Thranduil entgültig der Kragen platzte.


"Lass den Gaul da! Der ist eh nur noch zum Sterben da. Pack dein Zeug und steig bei mir auf!"  knurrte Thranduil.


Anna, total entsetzt darüber, schüttelte sofort den Kopf. Sie wollte das Pferd nicht da lassen. Wenn sie später ankamen, so war ihr das nur Recht. Sie hatte keine Lust auf Düsterwald, schon gar nicht wollte sie Legolas wieder über den Weg laufen. Sie hatte schließlich schon genug angestellt.


"Ich schlage vor, wir rasten hier!" meinte sie fest.


"Das kommt auf keinen Fall in Frage. Treib dein Gaul an oder ich lasse ihm von meinem Reittier einen Tritt auf den Hintern geben!" zischte Thranduil.


"Sie ist kein Gaul!" rief Anna.


"Mir egal was es ist, es ist auf jeden Fall zu langsam!" erwiderte Thranduil kalt.


"Wir werden hier rasten!" sagte Anna nocheinmal.


"Werden wir nicht!" antwortete Thranduil fest.


Doch Anna hatte anderes im Sinn. Sie wollte ihrem Reittier eine kleine Pause gönnen, schließlich hatte die alte Stute sich das auch verdient. Sie blickte Thranduil geradewegs in die Augen und stieg ganz langsam von ihrem Pferd. Wie ein Kätzchen, dem du gerade verboten hast, soetwas nocheinmal zu tun. Thranduil verengte die Augen zu Schlitzen und knurrte wütend auf.


"Wenn du jetzt nicht sofort auf deinen alten, hässlichen Gaul steigst und weiterreitest, dann vertraue auf meine Worte, wird was ganz schlimmes folgen!" zischte Thranduil mit Beherrschung.


Anna jedoch sagte nichts, ihr Gesicht blieb ausdruckslos, und langsam nahm sie, ihm immer noch in die Augen sehend, herrausfordernd und unerschrocken, eine Art Zelt von dem Hintern ihres Pferdes. Thranduil, der am liebsten von seinem Elch springen würde und ihr eigenhändig den Hals umdrehen wollen würde, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief ein. Er sagte sich immer wieder, dieses Mädchen wolle nur ihre Grenzen testen und stiege dann wieder auf ihr Pferd um mit ihm weiterzureiten. Doch als er seine Augen wieder öffnete, traute er ihnen nicht. Anna hatte das Zelt bereits aufgebaut und legte zwei kuschlige Decken hinein.


"Ich glaub es nicht. Mädchen du machst mich fertig! Wenn du mich tatsächlich so weit bringst, dass ich von meinem Tier runter muss, dann bete besser zu Iluvater!" zischte er leise.


Anna blickte ihn stumm an und zuckte mit den Schultern. Er beeindruckte sie nicht. Ebenso wenig wie seine Drohungen. Sie war davon überzeugt, dass er sich, wenn sie nur lange genug dort stehen würde, erheben würde und ihr sagen würde, dass sie ja Recht hatte und eine Pause tatsächlich angebracht war. Doch das waren nur Hirngespinste und das wusste sie selber. Thranduil blieb weiterhin auf seinem Elch sitzen. Eigentlich hatte er geplant, schon längst wieder in seinem Thron sitzen zu können und sein Königreich zu regieren, wie es ihm am liebsten war. Doch dieses Mädchen zog ihm jedes verdammte Mal einen Strich durch die Rechnung.


Also stieg er eben ab und ging auf sie zu. Anna blieb stehen, die verschränkten Arme vor der Brust hatte sie schon längst herunter genommen und war sich nicht mehr so sicher, ob sie das richtige getan hatte. Zischend flüsterte er


"Nun renn und bete!"


Anna machte sofort auf dem Absatz kehrt und rannte in Windeseile davon. Allerdings hatte sie die Rechnung ohne Thranduil gemacht, der unerwartet schnell unterwegs war. Schon bald hatte er sie um die Hüfte gepackt und gegen einen Baum gedrückt. Die Gesichter nah beieinander und schwer keuchend blickten sie sich an. Anna schluckte hart und presste ihren Kopf gegen die Rinde des Baumes. Nun wusste sie, dass es ein sehr großer Fehler war, sich Thranduil schon wieder zu widersetzen.


"Noch einmal und ich schlage dir so lange auf deinen Hintern bis dir die Haut abfällt!" knurrte er und schubste sie Richtung Zelt.


Anna ließ sich schubsen und redete kein Wort. Gemeinsam legten sie sich in das viel zu kleine Zelt und verbrachten dort den Rest der angebrochenen Nacht. Thranduils Nerven blieben angespannt. Selbst im Schlaf fand er keine Ruhe, er hatte nicht ausreichend Platz. Es machte ihn wahnsinnig.


die Verbindung zweier Welten [[HDR FF]]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt