May
Nach der Schule, die eigentlich keine weiteren Überraschungen mit sich gebracht hatte, war ich nun mit meinem kleinen, leicht schrottigen Auto auf dem Weg in den Wald. Ich hatte in der Mittagspause sehr viele neue Schüler kennengelernt, an deren Namen ich mich fast gar nicht mehr erinnerte, denn ich brauchte immer eine Weile, bis ich von jedem wusste, wie er hieß.
Auf dem Weg zum Auto hatte Thomas mir Gesellschaft geleistet, er war locker neben mir hergeschlendert und hatte mich gefragt, was ich nun machen würde und ob er mir die Stadt etwas zeigen sollte. Dankend hatte ich verneint und erklärt, dass ich eine Runde Joggen in den Wald gehen würde. Ich hasste es zwar, zu lügen, doch die Wahrheit konnte ich ihm auf keine Wahrheit erzählen und eine so große Lüge hatte ich ihm immerhin auch nicht aufgetischt. Es war eher eine Notlüge, in der auch ein Körnchen Wahrheit steckte.
Nach einer Zeit im Wald angekommen, parkte ich mein Auto und zog den Schlüssel ab. Er würde mich finden. Das klang ja ziemlich vielversprechend ... Es war ja nicht so, dass der Wald ziemlich groß war und ich eigentlich an jedem Fleck sein könnte.
Obwohl ich mir sicher war, dass hier niemand war, warf ich einen Blick über meine Schulter, um meine Vermutung zu bestätigen und ich hatte recht.
In Gedanken versunken schnappte ich mir meine Tasche und trottete in den Wald hinein, steuerte auf eine Bank in unmittelbarer Nähe zu, auf der ich mich niederlassen wollte, bis der mysteriöse Fremde auftauchen würde.
Er ließ mich nicht lange warten. Ich hatte gerade die kalten, weißen Kabel meiner In-Ears um den Finger gewickelt und scrollte durch meine Playlist, als mich jemand auf die Schulter tippte. Der Fremde lächelte mich breit an. „Hi", sagte er. „Du musst May sein."
Okay, das war jetzt doch ziemlich Angst einflößend. Er sah zwar nicht wie ein Serienmörder aus, mit seinen dunkelblauen Haaren und blaugrauen Augen, den verschränkten Armen und dem verschmitzten Lächeln, doch trotz meiner Wolfinstinkte bildete sich ein kleiner Knoten in meinem Magen.
„Ja, die bin ich. Dürfte ich fragen, wer du bist?", versuchte ich so selbstbewusst wie möglich zu klingen, während ich von der Bank aufstand, damit ich nicht so klein ihm gegenüber wirkte. „Du bist ein Beta", stellte er, mit einer völlig neutralen Miene, fest. Okay, langsam wurde es echt gruselig, was wusste er denn noch alles über mich? Welche Schuhgröße ich hatte?
„Was redest du ..." Ich wurde unterbrochen, denn hinter ihm trat eine weitere Person in mein Blickfeld, eine Person, die ich heute sogar schon mal gesehen hatte. Es war dieser eine Junge, dessen Name mit 'D' anfing, mehr wusste ich aber nicht. Kleo war wohl ziemlich gut mit ihm befreundet, ob da mehr war, konnte ich nach so kurzer Zeit nicht beurteilen.
„Er ist der Alpha. Er riecht dich über 50 Meilen. Hast du noch nie etwas von einem Alpha gehört?" Er war auch ein Werwolf? Was barg diese Stadt denn noch für Geheimnisse? Wusste Kleo, was er war oder hielt er es vor ihr geheim?
„Was soll ich hier? Wie es scheint, wisst ihr alle, dass ich ein Beta bin und du hier ein Alpha", ich wandte mich dem Blonden zu, „und du ein Beta. Was wollt ihr von mir. Ich werde euch keine Probleme bereiten, das könnt ihr mir glauben", wandte ich mich nun an den Dunkelhaarigen.
Der Alpha warf seinem Beta einen Blick zu und wandte sich dann schließlich an mich. „Du bist ohne Rudel, wir haben in einer Schlacht, die wir gewonnen haben ein paar Betas verloren. Also, komm in unser Rudel. Es springen für jeden von uns nur Vorteile dabei raus. Und behaupte nicht, du würdest alleine zurechtkommen, denn das wirst du hier nicht." Er fokussierte mich. „Ich bin übrigens Stephen und das ist Dylan."
Ich war so froh, Bekanntschaft mit den beiden machen zu dürfen. Sarkasmus ließ grüßen. Was sollte ich nun machen? Eigentlich brauchte ich wirklich ein Rudel, doch ich wusste nicht, ob ich ihnen vertrauen konnte oder ob sie mich nur ausnutzten. Das Schlimme war nur, dass sie direkt eine Antwort von mir forderten, mir würde keine Zeit bleiben, lange zu grübeln.
„Gewährt ihr mir Bedenkzeit?", versuchte ich es aber dennoch, denn vielleicht hatte ich sogar Glück und könnte wenigstens noch ein paar Stunden rausschlagen, in denen ich mir das alles durch den Kopf gehen lassen würde.
„Einen Tag, nicht länger", kam sofort die Antwort, was mich sehr erstaunte, denn ich hatte gar nicht damit gerechnet. „Dylan wird noch ein bisschen bei dir bleiben und dir ein bisschen über uns erzählen. Ich habe keine Zeit mehr. Denke nur daran, es ist nicht sicher, heutzutage ohne Rudel zu existieren."
Wollte er mir Angst einjagen, damit ich eingeschüchtert Schutz bei Ihnen suchen würde? Wenn, dann würde ich das aus Überzeugung machen und aus keinem anderen Grund.
Dylan wandte sich mir zu, sein Blick schien mich zu durchbohren, als er ein paar Schritte von mir weglief und mir bedeutete, ihm zu folgen. Ich zögerte nicht, denn ich wollte so schnell wie möglich von dieser Bank weg, der Gedanke, mit einer wenigstens etwas bekannten Person rumzulaufen, klang weitaus verlockender als sich von einem Alpha belehren zu lassen.
„Wie lange bist du schon ein Wolf?" Dylan hatte seinen Oberkörper in meine Richtung gedreht und es klang keineswegs so, als würde er sich über mich lustig machen, ganz im Gegenteil. Es klang, als würde er sichtlich interessiert sein. „Bald sind es zwei Jahre und bei dir?" „Etwas über ein Jahr. Hör zu, May, es ist natürlich deine Entscheidung, ob du in unser Rudel kommen willst, aber glaube mir, wenn ich dir sage, dass ich heute nicht der wäre, wenn mir mein Rudel und Stephen nicht so beigestanden wären."
Ich wusste in etwa, wovon er sprach, so war es bei meinem alten Rudel auch gewesen, ihnen hatte ich alles zu verdanken. Die May, die ich heute war, sie würde ohne die Unterstützung meines alten Rudels nicht existieren.
Vielleicht hatte es wirklich Vorteile, wenn ich Stephens Beta sein würde und geschützt mit anderen in einem Rudel sein würde. Ich hatte keinerlei Erfahrung, wie es war, sich alleine durchzukämpfen, als ich gebissen wurde, wurde ich direkt aufgespürt und in alles eingewiesen.
„Wie viele seid ihr momentan im Rudel?", fragte ich Dylan, worauf ich erstmal keine Antwort bekam.
„Nur zwei Betas und ein Alpha."
Okay, ich schätzte, ein weiteres Mitglied würde ihnen alles andere als schaden.
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Moonlight werewolves
Loup-garouMay dachte, dass sie ihr altes Leben endlich hinter sich lassen konnte, doch in New Jersey begann alles wieder von vorne. Eifersüchtige Rudelmitglieder, Geheimnisse und noch alles was dazugehört, holen sie wieder ein. #190 in Werwolf 25.8.16
