Kapitel 33: Schraubenzieher

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May

Es war doch nicht alles so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Anfangs war mein Puls ziemlich hoch gewesen, da ich alle paar Sekunden damit gerechnet hatte, dass hinter dem nächsten Baum ein Alpha stehen könnte, der sich auf mich stürzen könnte und mich verletzten und wenn nicht sogar töten könnte.

Nachdem wir dann Kleos Spur einer Weile lang gefolgt waren, war es nicht mehr weit gewesen bis zu dem Ort, an dem sie Kleo und eventuell Liz und Florian versteckt hätten. Wir hatten unseren Plan ein wenig umgewandelt, dass Dylan und Jason das Hauptgebiet übernehmen würden, um sie zu befreien und wir anderen kämpfen und ihnen Rückendeckung geben würden.

Die Alphas waren doch ziemlich vorbereitet gewesen, ich glaubte, dass sie nicht wussten, dass wir genau dann angreifen würden, sie aber dennoch eine Vorahnung hatten, dass es in einem eingeschränkten Zeitraum passieren würde, was es dann schließlich ja auch getan hatte. Sie hatten uns von ihrem Versteck weggeführt und dann hatten wir kurzerhand beschlossen, dass es keinen Sinn hatte, wenn wir versuchen wieder, wieder auf ihr Versteck zuzsteuern und wir Dylan und Jason am besten helfen würden, wenn wir einafch dafür sorgen würden, dass die Alphas ihnen nicht in die Quere kamen. Wir mussten sie ausschalten, so viele wie möglich und auch einige von ihnen als Geiseln nehmen, damit wir sie ausquetschen könnten. Das war eigentlich das einzige, was wir die ganze Zeit gemacht hatten.

Stephen hatte mit Dylan ausgemacht, dass er ihn sofort anrufen würde, wenn er Kleo befreit hätte und sie in Freiheit wären. Wir alle hatten uns gerade in der Lagerhalle der Jäger versammelt, als die meisten Alphas, die noch lebten, wir hatten nur ein paar töten können, verschwunden waren und wir lediglich einen einzigen Alpha gefangen nehmen hatten können. Doch er würde jetzt herhalten müssen und uns viel über das Rudel preisgeben müssen. Wir würden nicht aufgeben und wieder angreifen, so bald wie möglich. Es war noch lange nicht zu Ende.

Als Dylan angerufen hatte, hatte man von uns allen gehört, wie nervös wir waren, wie schnell unsere Herzen schlugen. Kleo und Liz, ihre Freundin waren befreit. Liz wurde von Jason nach Hause gebracht und Dylan war mit Kleo auf dem Weg zu uns. Nur das mit Florian hatte mir Gänsehaut bereitet, sie hatten ihn auf eine grausame Weise einfach getötet. Ich hatte Florian zwar nicht persönlich gekannt, doch ich war mir sicher, dass er eine tolle Person und ein wertvolles Mitglied des Rudels war. Und nun war er einfach tot, wie wenn es ihn nie gegeben hätte. Stephen schien das sehr zu treffen, das merkte ich einfach.

Ich hatte momentan den Dienst, in dem ich unseren Gefangenen beobachten und auf ihn aufpassen musste, dass er keine Dummheiten machte und ich musste außerdem jedes Wort, das er sagte, aufschreiben, damit die anderen nahcher weniger Arbeit haben würden, wenn es zur Sache gehen würde. Ich bezweifelte, dass ich da dabeisein wollte, wenn sie ihre Fantasien ausleben lassen würden, um ihn dazu zu bringen, zu sprechen. Jäger konnten sehr viele brutale und qualvolle Ideen haben und ich bezweifelte, dass Stephen sie bremsen würde.

Die Jäger waren nun für eine Weile unter sich, denn beim Kampf hatten sie zwei ihrer Mitglieder verloren, die von Alpas getötet wurden. Sie erwiesen ihnen momentan die letzte Ehre, was auch der Grund war, warum ich auf dieser Position stationiert wurde. Thomas hatte sich zu mir gesellt, er ließ mich wohl nicht alleine hier. Weil er nicht wollte, dass mir langweilig war oder weil er Angst hatte, dass der gefesselte Alpha mir etwas antun konnte, wusste ich nicht und es war mir auch egal. Ich war einfach sehr froh, dass er hier bei mir war, wirklich sehr froh.

Er hatte, wie ich ein paar kleine Wunden davongetragen, doch nichts Ernstes. Bei ihm verheilte es allerdings viel schneller als bei mir, was ich ein bisschen schade fand. Ich wünschte mir, ich müsste auch kürzer mit meinen Wunden zu kämpfen haben.

„Soll ich dich heilen? Ich habe es zwar noch nie so wirklich ausprobiert, doch ich schätze, dass ich es hinkriege. Ich will dir helfen, May."
Thomas hatte sich neben mich gestellt und sogleich seine Handfläche auf eine Wunde auf meinem Unterarm gelegt, doch ich zog meinen Arm zurück, während sich wieder dieses Kribbeln in mir ausbreitete. Ich war wirklich nicht mehr normal, er ließ mich durchdrehen und nicht mehr klar denken lassen. Ich wusste, dass Thomas das eigentlich auf keine Fall machen sollte, denn meine Verletzungen waren wirklich nicht so schlimm und er sollte seine Kraft schonen und außerdem wusste ich nicht, ob nicht irgendetwas schief gehen konnte, wenn er so etwas noch nie getan hatte.

Mein Kopf dachte so, ja. Doch mein Herz wusste, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte, als dass er seine Hand dort liegen lassen würde und dieses wohlige Kribbeln weiter in meinem Körper sein würde und mich berauschen würde. Ich wollte diese Wärme, diese Verbundenheit zwischen uns spüren, wenn er mich heilte. Ich wollte ihm näher sein, als ich es war, doch ich hatte Angst, zurückgewiesen zu werden.

„Ich hole dir ein Glas Wasser", sagte Thomas und schon war er verschwunden, ohne, dass ich ein weiteres Wort sagen konnte. Als ich mich konzentrierte, roch ich noch immer seinen Geruch, der mich stutzig machte. Er war anders als er die ganze Zeit beim Kampf gewesen war. Hatte er Angst gehabt, dass ich ihm zu nahe kommen könnte, da er das nicht wollte? Hatte Dylan mich angeschwindelt und er wollte am liebsten so viel Abstand wie möglich von mir und er war nur auf einen Befehl bei mir gewesen?

"Na, Süße, ist es schön, mich dort hängen zu sehen?", hörte ich den Alpha mi rauer Stimme reden und sah ihn an. Er grinste mich hämisch an und sah so aus, als wäre er jede Sekunde wieder bereit für einen Angriff. Er zuckte mit den Armen und fing an, sie zu schütteln. Die Ketten, sie waren zwar schon fest in der Wand besfestigt, doch wenn er auf Dauer so eine Kraft aufbringen würde, hätte ich Zweifel, ob sie halten würden. Ich musste sie fester schrauben.

Langsam und behutsam näherte ich mich ihm von der Seite und machte mich zu schaffen, er war ruhig. Unnatürlich ruhig.

Als ich auf einmal etwas Kaltes, Spitzes in meinem Bauch spürte, wusste ich, warum er so leise gewesen war. Er hatte geplant, mich anzugreifen. Dieser Dreckskerl. Er würde sich befreien! Wer würde ihn aufhalten?

Ich musste erst einmal mit dem Schraubenzieher kämpfen, der in meinem Bauch steckte, ich bekam ihn nicht heraus. Es schmerzte und blutete wie verrückt.

„May!", hörte ich Thomas' Ruf und kippte in genau dieser Sekunde auf die Seite. Alles wurde schwarz um mich.

Moonlight werewolvesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt