May
Als ich heute morgen auf dem Parkplatz vor der Schule parkte, wusste ich gleich, dass Kleo heute entweder nicht kommen würde oder zu spät war. Sie parkte immer am selben Fleck und ihr Auto stand heute nicht da. Sie hatte es wohl als besser angesehen, heute zu Hause zu bleiben, um all das zu verdauen, was gestern passiert war. Ich war momentan auch in Kenntnis gesetzt worden, dass morgen wohl der besagte Vollmond sein würde und das bestätigte meine Vermutung.
Sicherlich hatte sie das alles doch mehr mitgenommen. Sie würde sich sicherlich heute auskurieren, weil sie morgen wieder fit sein musste, wenn der Tag des Horrors kam. Ich hatte meine Vollmonde immer im Keller einer Freundin, die auch mit mir im Rudel war, verbracht und wir waren angekettet gewesen und hatten immer darauf gehofft, dass es wieder hell werden würde. Ich hatte keine sehr guten Erinnerungen daran.
Als ich das Schulgebäude, den weißen Schulkorridor betrat auf dem Weg zu meinem ersten Kurs, Mathematik, kam mir auch schon Thomas entgegen. Er war anscheinend wirklich überall. Dieses Schulgebäude war so groß, wie konnte er denn einfach immer in der Nähe von mir sein?
„Hey, du auch hier? Was hast du jetzt für ein Fach?", fragte Thomas mich lächelnd, als er auf mich zutrat. Er schien wohl nicht im Geringsten sauer zu sein, dass ich mich gestern so schnell verdrückt hatte. Die Erleichterung war mir wohl ins Gesicht geschrieben.
„Du bist aber heute gut drauf, May! Hat dir dein Freund Rosen geschenkt?" Wie kam er denn bitte auf die Idee, dass ich einen Freund hatte und er mir auch Rosen schenken sollte? Ich glaubte nicht, dass ich in Zukunft eine wirkliche ernste Beziehung haben würde, das, was ich bisher hatte, war alles nur total komisch gewesen und ich konnte nicht behaupten, dass ich damit auch nur annähernd zufrieden gewesen wäre.
„Wie kommst du denn dadrauf? Mir schenkt niemand Rosen, ich habe gar keinen Freund, wie kommst du denn darauf? Und ich habe gleich Mathematik und du?" Thomas sah mich an, als würde er durch mich hindurchsehen. Seine braunen Augen fingen an, sich leicht zu verändern, gelblich zu werden, als würde das Licht auf sie scheinen. Er wurde leicht rot im Gesicht und senkte seinen Kopf. Nun rieb er sich mit dem Zeigefinger an den Augen. Was war das denn?
„Ich hätte viel Geld darauf gewettet, dass du einen Freund hast ... es kommt einfach so rüber, als würdest ... du einen guten Eindruck auf Jungs machen. Du bist nett und ... siehst gut aus." Er sah wieder nach oben und ich sah, dass seine Augen wieder rein braun waren. Wüsste ich es nicht besser, hätte ich gesagt, dass er das typische Wolfsproblem hätte, bei dem sich die Augen verfärbten, wenn man zum Beispiel nervös oder verlegen war. Ich hatte so etwas schon oft durchmachen müssen. Er fand mich hübsch? Ich musste mich beherrschen, dass mir nicht auch die Röte ins Gesicht schoss. Ich wusste, dass das ein typischer Spruch eines Jungens war, doch ich war nunmal so eines der Mädchen, die so etwas immer gleich sehr persönlich sah. Ich hatte eindeutig zu viele Gefühle in meinem Leben.
„Ich habe übrigens auch Mathematik ... Scheint so, als hätten wir einen weiteren Kurs zusammen. Lass uns doch zusammen da hinlaufen", schlug er vor und mir kam es vor, als wollte er unbedingt das Thema wechseln und von der Situation von gerade ablenken. Anscheinend war es ihm alles andere als gleichgültig gewesen, ob ich einen Freund hatte oder nicht.
Auf dem Weg zu unserem Klassenraum liefen wir an Dylan und seinen 'coolen' Freunden vorbei. Sie standen auf dem Flur und schienen über belangloses Zeug zu reden, was bei ihnen ja nicht wirklich sehr verwunderlich war. Bei einigen Freunden von Dylan fragte ich mich wirklich, wie sie es schafften , auf dieser Schule zu sein und nicht sitzenzubleiben, denn sie hatten wohl mehr Muskeln als Hirnmasse. Cassandra war nicht in Sichtweite, was mich sehr erstaunte. Hatte sie etwa Streit mit Dylan gehabt? Ging es wieder um Kleo?
„Du kannst schon einmal vorgehen, ich komme gleich nach", sagte ich zu Thomas, als ich ihm den Rücken zuwandte und mich zu Dylan drehte. Vielleicht wusste er etwas über Kleo und er könnte mich auf einen Stand bringen, den ich verstand. Seit dem ganzen Desaster gestern verstand ich nämlich so gut wie gar nichts mehr und ich war langsam auf dem Weg, mich damit abzufinden, dass ich es auch wohl nicht so schnell erklärt bekommen würde. Wenn Dylan und Kleo oder Stephen es als wichtig erachten würden, dass ich es erfahre, hätten sie es sicherlich in meiner Gegenwart angesprochen.
„Ich warte. Ich verstehe zwar nicht, was du von O'Brien willst, aber beeile dich bitte." Womit hatte ich das verdient, dass Thomas so nett zu mir war? Ich trat auf Dylan zu. Mit leicht klopfendem Herzen tippte ich ihm auf die Schulter. Es war ein echt merkwürdiges Gefühl, jetzt offiziell ein Teil des Rudels zu sein.
„Weißt du etwas von Kleo? Sie scheint heute nicht in der Schule zu sein!" Dylan nickte seinen Kumpels kurz zu und wandte sich dann mir zu. „Sie hat mir vorhin eine Nachricht geschickt, dass es ihr heute nicht so gut geht und sie sich auf morgen vorbereiten muss. Wir haben uns geeinigt, dass wir uns so schnell wie möglich treffen müssen, um das wegen gestern zu besprechen. Es wird nämlich nicht einfach so mal vorgekommen sein, wir müssen uns wappnen, falls mal etwas Schlimmes passieren wird. Ach ja und es wäre ganz nützlich, wenn du deinen Wachhund mal loswirst. Es wundert mich, dass der Typ dich nicht gleich fragst, ob er bei dir einziehen darf."
Wovon redete er bitte? Was meinte er mit, dass wir uns wappnen mussten? Wieso war Thomas in seinen Augen mein Wachhund? Wir verstanden uns lediglich gut, ich fand ihn sehr sympathisch, ja, aber mehr war da auch nicht. Ich hatte doch gesagt, dass ich von nichts eine Ahnung hatte.
„Wovon redest du bitte Dylan? Wir verstehen uns lediglich gut und haben ein paar Kurse zusammen." „Das denkst du vielleicht, aber frage ihn doch mal, ob er das auch so sieht."
Mit diesen Worten wandte er sich wieder seinen Freunden zu, das Thema war wohl erledigt. Ich würde wohl erst mehr beim baldigen Treffen erfahren, wenn ich alles über die mysteriösen Fremden von gestern erfahren würde.
Ich lief wieder auf Thomas zu, der, sehr zu meinen erstaunen, erstaunlich gerötete Wangen hatte. „Gehen wir weiter?", fragte ich ihn und er zuckte zusammen, als hätte ich ihn angeschrien, während seine Wangen noch roter wurden. Thomas sah das doch auch nur so wie ich oder irrte ich mich da?
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Moonlight werewolves
Manusia SerigalaMay dachte, dass sie ihr altes Leben endlich hinter sich lassen konnte, doch in New Jersey begann alles wieder von vorne. Eifersüchtige Rudelmitglieder, Geheimnisse und noch alles was dazugehört, holen sie wieder ein. #190 in Werwolf 25.8.16
