Kapitel 39: Berührungen

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May

Ich hatte mich nach der Schule mit Thomas im Wald verabredet. Ich hatte die Idee gehabt, dass es sicherlich nicht schaden könnte, wenn wir nun, da wir ständig davon ausgehen mussten, in irgendwelche Auseinandersetzungen mit dem Alpharudel zu geraten, in bester Form sein müssten. Die Jäger beschäftigten sich noch immer mit dem Alpha und versuchten, irgendetwas aus ihm herauszubekommen, was von Belang war. Sie hatten uns gesagt, dass sie uns sofort benachrichtigen würden, wenn sie etwas wichtiges Neues wussten und würden dann gemeinsam mit uns das weitere Vorgehen besprechen. Denn wir wussten, dass es noch lange nicht zu Ende war, was das Alpharudel und uns betraf. Ich hoffte, dass unser nächstes Aufeinandertreffen etwas erfolgreicher verlaufen würde und die Alphas am besten einfach abziehen könnten, das würde ich am allerbesten finden. Doch ich wuste, dass wir ohne einen Kampf nicht viel erreichen konnten.

In der Mittagspause hatte ich mich das erste mal mit Liz, der Feundin von Kleo unterhalten und wir hatten uns eigentlich ziemlich gut verstanden. Sie war noch immer ein wenig mitgenommen und angeschlagen von dem, was das Alpharudel ihr angetan hatte. Das nahm einen natürlich sehr mit und ich hatte das Gefühl, dass sie es am meisten psychisch mitnahm und sie verfolgte.

Ich hatte vorgehabt, sie zu fragen, ob sie wusste, was zwischen Kleo und Dylan lief und ob es etwas Neues gab, das ich noch nicht wusste. Kleo war schließlich ihre Freundin und so bestand die Chance, dass sie ihr möglicherweise Informationen gesagt hatte. Denn ich fand es komisch, wie Kleo und Dylan sich gegenüber verhielten. Ich hatte es ja schon immer komisch gefunden, dass sie beide aufeinander standen, es allerdings dem jeweils anderen nicht wirklich zeigten und es so gut wie es ging zu verstecken versuchten, doch heute war es, als hätten sie sich ausgesprochen oder so etwas in der Art, was allerdings nicht ganz so gut gelaufen zu sein schien.

Liz hatte eigentlich nicht wirklich viel preisgegeben, ich glaubte, sie wollte Kleo nicht verraten, was ich natürlich verstand, denn sie war ja ihre Freundin. Allerdings bestätigte sie mich in der Annahme, dass Kleo in Dylan verschossen war und sie zumindest dachte, dass es Dylan auch war, wie ich natürlich auch vermutete. Sie verstand außerdem nicht, warum, Dylan mit Cassandra zusammen war und vermutete, dass er es vielleicht war, um Kleo eifersüchtig zu machen, da er eigentlich mit ihr zusammen sein wollte. Das konnte durchaus sein, allerdings wusste ich nicht, wie Dylan dachte und ich wollte es manchmal auch nicht wirklich wissen. Es reichte mir schon, dass ich nicht wuste, ob Thomas mich nun mochte, nicht mochte, was heißen würde, dass ich nur ein Mitglied des Rudels für ihn wäre oder ob er mich mehr als mochte. Ich müsste ihn irgendwann darauf ansprechen oder es anderweitig in Erfahrung bringen, denn es machte mich fast verrückt, nicht zu wissen, wie ich bei ihm stand.

Meiner Gefühle war ich nämlich sehr sicher, ich wusste, dass ich in ihn verliebt war und dass ich mir nichts sehnlicher wünschte, als dass er diese Gefühle teilte. Anfangs war ich ein wenig genervt gewesen, dass Thomas sich immer und immer wieder bei mir gemeldet hatte und sich mit mir getroffen hatte, als ich hier noch ganz neu war, doch wenn ich jetzt daran dachte, wünschte ich mir, dass wir einfach noch einmal einen Neuanfag wagen könnten. Ich hatte meine Gefühle gegenüber ihm nämlich vollkommen geändert.

„Hey, May. Da bist du ja endlich, ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr!", schmunzelte Thomas, als ich beim vereinbarten Treffpunkt auftauchte. Er hatte sich ein T-Shirt angezogen, dass sehr eng an seiner Haut lag und so die Konturen seiner Haut genau abbildeten. Hatte er das mit Absicht gemacht, um mich nervös zu machen? Falls ja, dann war es ihm gelungen, denn ich konnte spüren, wie mir die Röte ins Gesicht schoss und ich den Blick auf den Boden senkte, als ich auf ihn zutrat.

„Ich musste noch etwas mit einem Lehrer wegen eines Vortrages besprechen", antwortete ich ihm und holte in der nächsten Sekunde schon aus, um ihn mit meinem Arm zu treffen. Doch Thomas reagierte wirklich sehr schnell. Er ließ seine Faust an die Stelle schnellen, an der ich vorhatte, ihn zu treffen und senkte meinen Arm somit auf den Boden. Er grinste mich schelmisch an, bevor er auch schon in der nächsten Sekunde ausholte, mit seinem Bein, um mich zu treffen. Ich sah genau, dass es von seinem Standpunkt aus einen viel besseren Punkt geben würde, um mich zu treffen, doch er wusste, dass es genau die Stelle war, an der der Alpah seinen Schraubenzieher in mich gebohrt hatte und er wollte mich noch nicht zu sehr beanspruchen, obwohl die Wunde eigentlich schon verheilt war. Ich sah ihm an, dass er ebenfalls nicht alles hinausließ, was er an Kraft hatte.

Ich lief rot an, als ich registrierte, dass er noch immer Angst hätte, dass ich Probleme wegen meiner Verletzung haben könnte.

Bevor sein Fuß mich treffen konnte, wich ich geschickt aus und tänzelte ein paar Schritte zur seite, was ihn ein wenig aus dem Gleichgewicht brachte. Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen.

Ich wollte mich auf ihn stürzen, um ihn zu Boden zu ringen, wie beim Football, doch ich hatte wieder keine Chance. Thomas hatte seinen Arm um meine Kehle gelegt und seine andere Hand hatte er auf meiner Hüfte platziert.

„Jetzt wärst du tot." Ich konnte mich aber gar nicht richtig ärgern, denn mir wurde in dieser Sekunde bewusst, wie nahe er mir gerade war. Ich spürte seine Hand auf meiner nackten Haut, dort wo mein Oberteil nach oben gerutscht war und spürte schon das Kribbeln, das sich in meinem ganzen Körper ausbreitete. Er machte mich einfach so höllisch nervös, dass ich es nicht in Worte fassen konnte. Ich genoss es einfach total, wie seine Hand meine Haut berührte, wie meine Haut genau dann anfing, zu kribbeln und ich im Gesicht rot anlief. Auch sein Arm, der um meinen Hals gelegt war, er war mir noch nie so nahe gewesen und jetzt, da es so war, bestätigte es mich, dass ich immer so nahe sein wollte. Ich wollte ihn nicht mehr loslassen, ich wollte, dass er mich berührte.

Nach wenigen Sekunden räusperte Thomas sich allerdings verlegen und ließ mich wieder los. Der wunderbare Moment war schon wieder vorbei.

Moonlight werewolvesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt