Für einen Moment war es still.
Austin schien über den Ausdruck Schande schockiert zu sein und auch ich fühlte mich irgendwie angegriffen.
Doch dann erhob sich Bart und lockerte seine Krawatte. „Ihr hättet meinen Vater erleben müssen. Noch nie, noch nie hat sich einer von uns so etwas erlaubt!"
Er fuhr sich mit der Hand über die Augen. „Ein Sohn, der hinter seinem Rücken handelt. Corey wirft alles um, was unser Vater ihm gab. Er verletzt unser aller Stolz mit seiner egoistischen Entscheidung!" Angewidert verzog er das Gesicht. „Wie kann er nur."
„Ich finde das wunderbar", warf Austin ein und hob sein Kinn.
Ich überlegte mir, ob ich mich schützend vor ihn stellen sollte.
„Dich hat niemand nach deiner Meinung gefragt." Barts Ton war eiskalt.
„Pech, denn ich werde dir jetzt mal meine Meinung sagen, Schätzchen. Corey tut das verdammt Richtige! Was spricht dagegen die Person zu heiraten, die man liebt? Corey hat sein eigenes Leben so wie du deines hast! Und dein Daddy sollte euch tun lassen, was euch glücklich macht, egal was es ist. Corey war einfach schlauer als du, denn er hat es geschafft, seinen eigenen, wundervollen Weg zu gehen!" Er setzte sich wieder und fügte beleidigt hinzu: „Und es ist nichts Falsches daran, einen Mann zu heiraten."
Bart starrte ihn kurz überrascht an, dann blickt er zu mir. Ich grinste, denn ich fand Austins kleinen Wutausbruch sehr süß.
Corey hatte einen mutigen, notwendigen Schritt unternommen. Er hatte sich aus der Fuchtel seines tyrannischen Vaters befreit. Bart dagegen schaffte es nicht, seinen eigenen Weg zu gehen. Ich war mir sicher, dass es das war, was ihn eigentlich verärgerte.
„Austin hat recht, Corey hat's drauf. Es ist ihm eben egal was sein Vater will", sagte ich.
Erwachsene sollten nicht das eigene Leben bestimmen. Noch nie hatte ein Erwachsener in meinem Leben irgendwas zu sagen gehabt, das gehörte zu meiner Freiheit.
Bart schlug mit der Faust auf die Armlehne seines Sessels. „Ihr wollt also sagen, ich sei ein Feigling?"
„Nein", sagte ich und Austin sagte im selben Moment: „Ja."
Jetzt hatte er genug. Er stand auf, ging zu Austin, stützte seine Arme auf dessen Armlehnen und sagte langsam: „Ich weiß ganz genau wieso ich jemanden wie dich in meiner Familie nicht gebrauchen kann. Denn es würde mich jeden Tag zu Tode nerven, diesem kleinen-Mädchen-Gehabe ausgesetzt zu sein. Und was meinen Bruder angeht, ich wusste schon immer mit ihm etwas nicht stimmt."
Bevor ich eingreifen konnte, was ich auf jeden Fall gemacht hätte, atmete Austin tief ein und verpasste ihm eine Backpfeife.
„Hör auf deinen Bruder zu verurteilen! Er ist immer noch dein Bruder! Er ist wie du!"
„Er ist nicht wie ich, niemals!", rief Bart mit rotem Kopf. So wütend hatte ich ihn noch nie erlebt.
„Weißt du, Mr Perfect, als ich auf eurem Charity-Ball auf der Toilette am Waschbecken stand, war Corey da. Er hat mich eine Weile beobachtet, sich dann dicht hinter mich gestellt, seine Hände an meine Hüften gelegt und mir etwas ins Ohr geflüstert, mich gefragt, ob ich ihn kennenlernen will."
Austins Blick wanderte kurz zu mir. Ich versuchte gerade zu verarbeiten, was ich soeben gehört hatte.
„Du machst dasselbe mit Frauen, also, was ist dein Problem? Ich sage es dir. Du bist kaltblütig, egoistisch, spießig, altmodisch und leider sehr charmant, was aber nichts daran ändert, dass du ein Arschloch bist!", fuhr Austin fort, „du benutzt Leute, lässt sie glauben du wärst ihr Freund und dann hintergehst du sie! Du kannst noch so hübsch und reich und clever sein, aber wie man mit Menschen umgeht, das kann dir niemand mehr beibringen! Dein spöttischer Blick macht dich nicht zu etwas Besserem."
Bart rieb sich die Wange und lachte, es klang aufgesetzt.
Mein Freund, von dem ich soeben erfahren hatte, dass er von Corey Kent ziemlich offensiv angemacht wurde, verschränkte trotzig die Arme, hob das Kinn und sagte: „Du hast Elijah bei der Zeitung geoutet."
Bart zuckte zurück. Sein Blick war so überrascht, dass ich Austin sofort glaubte. Trotzdem wollte ich es nicht wahrhaben, nicht realisieren.
Sein Blick wanderte zu mir, ich starrte ihn ungläubig an. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
„Du hast was?", fragte ich, wollte es aus seinem Mund hören.
Er schüttelte energisch den Kopf. Ich sah zu Austin.
„Er war's", beteuerte er.
Ich sah wieder zu Bart und es war als würde er den Boden unter meinen Füßen wegziehen. Ich fiel in ein Loch aus tiefer Enttäuschung. Vertraut hatte ich ihm, eine zweite Chance hatte ich ihm gegeben und er hatte mich hintergangen. Auf eine ganz miese Art.
Mein bester Freund hatte mir das Schlimmste angetan, was ich mir vorstellen konnte.
Ich verstand nicht, warum er mir das angetan hatte, warum er mir das Leben zur Hölle gemacht hatte. Mein Vertrauen in ihn war gebrochen.
Wortlos machte ich einen Schritt zurück, weg von dem Verräter, dem Betrüger. Noch nie war ich so enttäuscht worden, so sehr, dass nicht mal Platz für Wut war.
Mit zusammengebissenen Zähnen nahm ich meine Jacke, zog den Hausschlüssel des Palace heraus und ließ ihn zu Boden fallen. Hier war nicht mehr mein Zuhause, ich würde nicht mehr mit diesem Bastard unter einem Dach leben.
Ich nahm Austins Hand und wir verließen stumm das Haus.
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Dreamboy (#deutsch)
RomantikAls Austin nach Beaver Dam zieht, hat er eigentlich vor, seinem Vater eine zweite Chance zu geben. Doch dann trifft er auf den angesagten Elijah, der so ganz anders ist als alle glauben. Je näher er Elijah kommt, desto näher kommt er einer Wahrheit...
