Erst wollte sie gar nicht glauben, dass sie nun wirklich auf einem anderen Kontinent waren. Es fühlte sich nämlich überhaupt nicht danach an. Doch sie waren nun wirklich auf der anderen Seite der Erdkugel. Ein kleiner Jubelschrei entkam ihren Lippen und brachte ihr von jedem ihrer Freunde außer von Emma einen verwirrten Seitenblick ein. Emma wiederum fiel ihr mit genau dem selben Laut, welcher vorher von ihr gekommen war, um den Hals. Gemeinsam freuten sie sich über das Abenteuer, was vor ihnen lag. Ein Strahlen breitete sich auf Elaine's Gesicht aus und damit steckte sie nicht nur Emma sondern auch die anderen zur Freude an.
Ihr erster Weg führte sie aber erstmal zu ihrem Hostel, wo sie ihre Zimmer bezogen. Da es in Australien nun schon Abend war und die Gruppe sowieso Hunger hatte, entschiedenen sie sich Essen zu gehen.
Da sie ihr Budget nicht zu stark angreifen wollten, hielten sie schließlich bei McDonald's und bestellten sich dort ihr Essen. Mit dieser Entscheidung war jeder der Freunde zufrieden und Elaine sah sich schon die ganze Reise lang nur Fastfood essen. Ob sie mit dieser Vorstellung zufrieden werden würde, glaubte sie zumindest nicht, doch bei dem Rest war sie sich ziemlich sicher, dass diese keine Probleme damit hätten. Aber sie hoffte einfach, dass sie genug Überzeugungskraft besaß, um die Dickköpfe, welche sich im Moment mit größtem Vergnügen einen Bissen nach dem nächsten ihrer Burger in den Mund schoben, mit guten Argumenten von den Vorteilen von gesundem Essen zu überzeugen mindestens jeden zweiten Tag auf Burger und Pommes zu verzichten.
Nach dem Essen teilte sich die Gruppe auf. Elaine, welche den ganzen Flug über geschlafen hatte, und Raphael, welcher seine Freundin nicht allein durch die Straßen der Großstadt laufen lassen wollte, verabschiedeten sich von dem Rest, welcher so müde war, dass sie sich nur noch in die Betten fallen lassen wollten.
Die Zwei aber entschieden sich dazu, dass das Wetter so gut war und es die beste Zeit für einen kleinen Spaziergang war. So schlenderten die beiden durch die Straßen, staunten über die modernen Häuser, welche sie bei sich zuhause nicht hatten und machten tausende Fotos. Zum ersten Mal, seitdem sie das Geschenk ihres älteren Bruders ausgepackt hatte, kam ihre Kamera zum Einsatz. Vorher empfand sie diese einfach nur unnötig. Sie erlebte so wenig, dass für die wenigen Dinge, die Fotos benötigten, und auch für ihre Fotos für die sozialen Medien bisher immer ihr Handy und in seltenen Fällen im Notfall die alte Kamera ihres Vaters ausgereicht. Doch nun wollte sie genau diese Kamera mit Erinnerungen füllen. Es gab nur so wenig Bilder von ihrer jetzigen Lebenszeit, da ihr Vater scheinbar nur ihre Kindheit mit Fotos dokumentiert hatte und weil sie selbst es nicht pflegte viele Fotos im Internet hochzuladen. Dabei waren Fotos, genau wie Josh es immer gesagt haben, so super, um seine Erlebnisse und Erinnerungen abzuspeichern und mit anderen zu teilen. Vor allem nun, wo sie versuchte ihr eintöniges Leben zu einem voller Abenteuer zu gestalten und mit Erfahrungen zu füllen, erschien es ihr plötzlich notwendiger alle möglichen Dinge festzuhalten. Vielleicht kam dies auch von dem Gedanken, dass die Fotos nicht nur eine Möglichkeit waren, um ihrer Familie von der Reise zu berichten, sondern vor allem auch, um ihre Familie eine Möglichkeit zur Erinnerung an sie selbst, genau so wie sie jetzt war, zu geben.
Wenn man sein Ende des Lebens kommen sah, wünschte man sich der Welt etwas hinterlassen zu haben, sodass man nicht schon nach einem Monat vergessen wird. Man möchte unsterblich werden, auch wenn man selbst nicht mehr lebt, sollte etwas von einem selbst auf der Erde bleiben.
Seien es Statuen, Bilder, Fotos oder andere Dinge, so viel kann die Erinnerung aufrecht erhalten.
Doch dies war nicht ganz das, was ihr Wunsch unsterblich zu werden ausmachte. Sie wollte nicht nur in manche Köpfen nicht vergessen werden, sie wollte etwas erreicht haben, dass auch noch in fünfzig Jahren von ihr erzählt werden würde. Aber wie schaffte man das, was für eine Tat blieb für die Ewigkeit? Zu ihrem Glück hatte sie noch ein dreiviertel Jahr lang Zeit sich genau dies zu überlegen. Dennoch war ihr klar, dass dieser Wunsch wohl zu den schwierigsten ihrer Wünsche gehörte. Trotzdem würde sie es irgendwie schaffen ihn wahr werden zu lassen. Der einzige Punkt ihrer Liste, der wohl nämlich am Ende nicht ein Häkchen bekommen würde, ist wohl ihr Wunsch zu heiraten. Aber ein Wunsch von neunundneuzig Wünschen ist zumindest ihrer Meinung nach eine ziemlich gute Quote.
Ein Klick ertönte und schreckte sie auf. Es war ihre Kamera, scheinbar hatte Raphael ein Foto gemacht. Sie lächelte und doch wusste sie, dass es ihre Augen nicht erreichte.
Ihr Weg hatte sie an den Hafen geführt. Es war atemberaubend. Ihre Finger griffen nach der Reling und schon spürte sie, wie das Metall ihre Finger abkühlte. Es war als würde diese Kälte ihre Arme hochklettern und nach und nach ihre Gedanken einfrieren lassen. Kurz darauf war ihr Kopf still und sie konnte den Moment genießen. Raphael hatte sich derweil neben sie gesellt und auch er blickte hinaus auf den Ozean. Eineinhalb Wochen würden sie hier verbringen.
Es kam ihr vor als wäre das eine Ewigkeit, doch sie wusste es besser, Eineinhalb Wochen waren nichts.
Und doch wünschte sie sich nichts sehnlicher als diese Ewigkeit. Der Mond und das Licht der Hochhäuser erhellten die Nacht, kein einziger Stern war zu sehen. Wieder ertönte das Klicken, wieder hatte Raphael die Kamera benutzt. Sie wusste gar nicht mehr, wann sie ihm diese übergeben hatte. Aber was interessierte sie diese Kleinigkeit schon?
"Wir sollten uns wohl langsam wieder auf den Rückweg aufmachen." stellte sie fest und hakte sich bei Raphael ein.
Gemeinsam schritten sie den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurück. Bald kamen sie im Hostel an, wo sich ihre Wege dann schließlich trennten, da sie schließlich verschiedene Zimmer bezogen hatte. Leise schlich Elaine durchs Zimmer, weil sie recht behalten hatte in ihrer Annahme, dass die anderen schon schliefen. Deswegen machte sie sich möglichst still fertig, um ihre Freundinnen ja nicht aufzuwecken.
Als sie unter die Decke hüpfte, musste sie plötzlich lächeln und dieses Mal erreichte es ihre Augen. Denn egal wie unwirklich es ihr erschien, sie waren in Sydney, Australien.
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How I would like to say Goodbye
General Fiction1 Jahr 356 Tage 8544 Stunden 512640 Minuten 30758400 Sekunden So viel Zeit blieb ihr höchstens noch. 30758400 Sekunden für genau 99 Wünsche, dass sollte doch eigentlich nicht allzu schwer sein. Sie brauchte nur Hilfe, doch wer half einem sterbende...
