XLVIII. Entscheidungen

806 50 1
                                        

19. August 1977

Etwa zwei Wochen, nachdem ich beschlossen hatte das Motorrad fahren zu lernen, waren wir wieder in England und somit bei James zu Hause eingekehrt. In den letzten paar Tagen hatten Sirius und ich einige Häuser besichtigt. Eigentlich hatte ich gesagt, dass es seine Entscheidung war, in welches Haus wir ziehen würden, aber er hatte im Umkehrschluss gemeint, dass er es wichtig fände, dass ich mitentscheiden würde. Ich fühlte mich ehrlicherweise recht schlecht dabei, immerhin war er derjenige, der alles bezahlte aber ihn schien dies nicht einmal im Geringsten zu stören.

So saßen wir am Esstisch der Potters und warteten, bis die Zeit endlich vorbei war, denn heute sollte eine weitere Hausbesichtigung stattfinden. Lily war ebenfalls hier untergekommen, da ihre Eltern sowieso bis Ende der Ferien nicht zu Hause sein würden und so hatte sie wenigstens ihre Freunde um sich.

James und Lily schienen seit dem Urlaub irgendwie verändert. James stand schon seit Jahren auf sie und bis zu ihrem vierten Jahr hatte sie sich strickt dagegen gewehrt. Erst vor zwei Jahren, als Severus sie beleidigt hatte, hatte sie nachgegeben und hatte endlich mehr mit James und den Rumtreibern gemacht. Doch so wirklich etwas aus den beiden geworden, ist es bis heute nicht. Ich wusste, dass James sich eigentlich nur einen kleinen Ruck geben musste, da Lily darauf wartete, dass er sie endlich fragt, aber das ist bis jetzt nicht passiert. Deswegen hingen die beiden irgendwie in der Luft und über ein paar verstohlene Blicke ging es bis jetzt nicht hinaus, zumindest von meinem Standpunkt aus.

Ich wurde aus meinen Gedanken über die Beiden gerissen, als es auf einmal ein Flügelschlagen gab und eine Eule am Fenster der Potters saß, welches Sirius erst vor Kurzem aufgemacht hatte. Im Schnabel der großen braunen Eule hingen zwei Briefumschläge und sie sah uns auffordernd an.

Schnell hatte James die Briefe geholt und die Eule war wieder in die Lüfte gestiegen, während James die Post eindringlich musterte.

„Der eine ist für dich.", meinte er und reichte ihn Lily, welche verwundert den Schriftzug Lily Evans, welcher eindeutig von Professor McGonagall auf den Umschlag geschrieben wurde.

„Die sind aus Hogwarts.", bemerkte Lily dann auch recht schnell und öffnete den Brief währenddessen.

Einige Sekunden vergingen, in welchen James und Lily das Papier musterten, bevor James ein schockiertes „DAS GLAUB ICH JETZT NICHT!" ausstieß.

„Was ist denn?", fragte ich verwirrt und neugierig, während ich mich etwas zu ihnen lehnte. Sirius Aufmerksamkeit lag auch ungeteilt auf ihnen.

„Ich bin Schülersprecher!" - „Ich bin Schülersprecherin!"

Ich riss verwundert die Augen auf und auch Sirius Kinnlade klappte schlagartig nach unten, während er bedröppelt murmelte: „Ich glaub es nicht..."

Er fuhr sich durch die Haare und meinte dann lauter: „Bei Merlins Barte, James Henry Potter ist Schülersprecher!"

„Henry?", fragte Lily dann belustigt.

„Ja, der Name ist von meinem Großvater aber das tut hier nichts zu Sache, Lily! Wir sind Schülersprecher!", meinte er freudig und sprang auf und ab.

Lily hingegen sah das Ganze deutlich gelassener als die Jungs.

„Komm mal wieder von deinem hohen Hippogreif herunter, Potter.", meinte sie amüsiert über James plötzlichen Sprungdrang.

„Nein, denn Schülersprecher zu sein bedeutet, dass Ani und Remus nun bis ans Ende ihrer Schulzeit auf mich hören müssen!", trällerte der Gryffindor und ich verdrehte deswegen grinsend die Augen.

„Ich habe es davor nicht getan und ich werde es auch jetzt nicht tun... Also träum weiter, Potter.", meinte ich dann und James sah mich schadenfroh an, während er mich nachäffte.

Bevor ich aber auch nur noch ein Wort sagen konnte, meinte Sirius, dass wir losmussten, da die Besichtigung in einer halben Stunde wäre.

Während der ersten Minuten der Besichtigung war es schon klar, dass dies einmal unser Haus werden würde. Es war einfach perfekt. Die Fassade war aus roten Ziegelsteinen und die Dachziegel waren in einem dunklen Grauton. An der vorderen Fassade wuchsen viele Efeu-Ranken und auf der kleinen Terrasse stand eine wunderschöne Hollywood-Schaukel, die zwar etwas in die Jahre gekommen war, aber gut erhalten.

Wenn man das Haus betrat, ging es links vor der Treppe in eine kleine Küche mit anschließendem offenem Esszimmer. Ging man stattdessen in Flur rechts in den Raum, stand man in einem Wohnzimmer, welches durch die genau passende Größe sehr gemütlich wirkte. Angrenzend war ein großes Badezimmer.

Im oberen Stockwerk befanden sich lediglich zwei Zimmer, welche wir als Schlafzimmer nutzen würden und ein kleines Bad.

Das Haus hatte ebenfalls einen kleinen Garten, welcher zwar wirklich nicht groß aber schön.

„Das ist es.", meinte ich, als wir gerade fertig waren mit der Besichtigung und die Maklerin uns etwas Zeit ließ, um uns zu entscheiden, wie wir weiter verfahren würden.

Sirius nickte leicht und fing dann breit an zu Lächeln, bevor er sagte: „Das könnte unser eigenes kleines Zuhause werden und niemanden wir hier etwas passieren."

Bei der Vorstellung ging mir das Herz auf. Sirius würde zum ersten Mal ein eigenes zu Hause haben, in welchem ihm kein Leid zugefügt werden würde. In welchem er einfach er sein konnte und seine Regel gelten würden.

Nicht, dass es bei den Potters sich nicht anfühlte, als wäre man zu Hause, ganz im Gegenteil, aber jetzt hatte es dies endlich für sich. Sein eigenes kleines Zuhause und es machte mich stolz, dass er mich dort mit ihm sah.

Also war es beschlossene Sache und Sirius handelte noch am selben Tag den Kaufvertrag aus, bevor wir in einer Woche unsere Sachen dort hinbringen konnten.

Es sollte nun ein ganz neues Kapitel für uns alle beginnen, doch was uns dort genau erwarten sollte, würden wir erst erfahren, wenn es soweit war...

THE LIES || s. blackGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt