Asuna:
"Und ist er dir schon verfallen?", Asuna lief neben Suguru den Sandstrand entlang.
"Sehr witzig", erwiderte sie, obwohl Suguru eigentlich Recht hatte. Asuna besaß die Fähigkeit, Menschen in ihren Bann zu ziehen, zumindest im ersten Moment. Ihre Mutter war eine ware Meisterin darin gewesen, Menschen für sich einzunehmen und Asuna hatte diese Gabe, wie all die anderen von ihr geerbt. Auch wenn das die einzige Fähigkeit war, die sie bewusst nicht trainierte. Aber ein gewisser Abgang blieb immer noch hängen. Nicht so stark, dass sie jemandem hätte befehlen können, sich in ein Messer zu stürzen, doch stark genug, um Menschen für die ersten paar Herzschläge zu faszinieren.
Er kräuselte die Lippen.
"Deshalb habe ich mich über deine Nachricht gewundert", sagte er, "Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass man es spüren wird, sollte Satoru sterben" Asuna verzog den Mund.
"Zumindest will er das alle glauben lassen", sagte sie. Er lachte.
"Ich hatte dich gewarnt"
"Wie kann man denn auch ahnen, das irgendwer jemals so Großkotzig sein könnte" sie näherten sich einer Palmengruppe, in deren Schatten ein paar Liegestühle aufgestellt waren. Mahito hob den Kopf und verzog die Lippen zu einem hyänenhaften Grinsen.
"Wenn haben wir denn da?" Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Dagon trat hinter einer Palme heraus, die Tentakel kringelten sich ihr entgegen und sie streckte die Hand aus. Sie spürte seine nasse Haut und die Noppen über ihre Finger gleiten und lächelte.
Seine schwarzen Augen leuchteten.
"Asuna" Suguru ließ sich im Schneidersitz neben Mahitos Liegestuhl nieder, "Erzähl uns alles"
Asuna wickelte ihre Verbände ab, während sie redete.
"Ich brauche einen stärkeren Fluchzauber", beendete sie ihre Ausführung, "Wenn er mich ansieht und sofort weiß, wer ich bin, ist unser Plan für die Katz" Nicht zuvergessen, dass sie diese Begegnung wahrscheinlich kaum überleben würde.
"Verstehe", Suguru fasste ihren Handrücken und drehte ihre Handfläche nach oben. Genau in der Mitte ihrer Hand befand sich ein Auge mit geschlitzter Pupille, von dem all ihre Tätowierungen ausgingen.
Ihre Hamsa.
Suguru zeichnete gedankenverloren den oberen Wimpernkranz nach.
"So eine Schande", murmelte er und lächelte.
"Am einfachsten wäre es, wenn du Mahito einfach erlauben würdest, ein wenig von seiner Fluchkraft wirken zu lassen" Mahito lächelte erfreut und beugte sich vor, um nach ihrer Hand zu greifen.
"Bin schon zur Stelle"
"Nichts da!", Asuna zog ihre Hand weg, bevor Mahito sie berühren konnte. Er zog eine Schnute.
"Ich will nur helfen", erklärte er und lächelte unschuldig. Sie warf ihm einen schmallippligen Blick zu und er seufzte theatralisch und ließ sich zurück in den Liegestuhl fallen.
"Wir wissen nicht, was passiert, wenn sich die Form meiner Seele ändert. Dann wären die Runen vielleicht verschwunden, aber mit ihnen auch meine Fluchkraft."
"Jeder Fluch hat seinen Preis", sagte Suguru.
"Nun", sagte Asuna, "Ich bin nicht bereit das zu bezahlen"
"Aber ist es nicht das, weshalb du hergekommen bist?", mischte Mahito sich ein. Sie verengte die Augen zu Schlitzen. Mit Mahito zu sprechen war, als würde einem konstant ins Gesicht geschlagen werden. Sie streckte den Rücken durch und zwang sich zu einem charmantem Lächeln.
"Ich bin hergekommen", sagte sie, "Weil es in unser beider Interesse ist, dass ich unentdeckt bleibe" sie machte eine Kunstpause, "Es würde die Sache schließlich unnötig verkomplizieren, wenn ich entdeckt werde, bevor ich Gojo töten kann"
"Also bist du mit der Aufgabe überfordert?", stichelte Mahito und lächelte süßlich.
"Schluss damit jetzt", unterbrach Suguru sie, "Dann müssen wir einfach ein paar neue Runen hinzufügen. Das hat nunmal seinen Preis" sie nickte.
Das hörte sich schon eher nach einem Plan an.
"Du weißt, dass Dich das Schwächen wird", sagte er. Asuna nickte.
"Das heißt, dass wir die Runen an deine Halskette binden müssen, damit sich deine Fluchaura nicht verändert" sie nickte wieder.
Suguru verschränkte ihre Hände miteinander. Asuna spürte ihre Hamsa auflodern und presste die Lippen aufeinander. Eine Linie schloss sich um ihr Handgelenk, wie eine Armband. Asunas Tätowierungen waren größtenteils schwarze Kringel und Schnörkel, dazwischen Blumen und Symbole, die sie mit den Jahren gesammelt hatte. Und alle so finster, dass man beinahe das Gefühl hatte, die Runen würden alles Licht um sich herum absorbieren. Sugurus Runen dagegen waren leichter auszumachen. Sie waren nicht mit reiner Finsternis gezeichnet worden, eher erschienen sie schlicht schwarz. Schwarz und geradlinig, keine Rokkokoschnörkel, wie bei ihr.
Das Band um ihr Handgelenk war nicht seine erste Rune, vielmehr trug sie bereits ein fraktalförmigen Abdruck an ihrem Ellbogen. Die Rune hatte er ihr gegeben, kurz nachdem sie Teil seines Teams wurde.
Asuna blinzelte gegen den Schwindel an.
"Wie geht es Satoru?", fragte er.
"Viel zu großartig", murmelte Asuna und berührte die Linie. Er lachte.
"Ich weiß, dass du mich vorgewarnt hast", sagte sie, "Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich näher an ihn herankommen soll. Ich meine, seine Unendlichkeit umhüllt ihn die ganze Zeit und dann ist da noch die Sache mit seinen Augen" Suguru lehnte sich zurück.
"Was genau willst du wissen?", fragte er.
"Wie konntest du jemals mit ihm befreundet sein?", fragte sie, "Wenn man mal von seiner Großkotzigkeit absieht, sehe ich keine Chance, wirklich nah an ihn heranzukommen"
"Zu Punkt eins, Satoru ist ein nervtötender Bastard" er schmunzelte, "Aber er kann auch ziemlich witzig sein. Ich habe mich immer lieber darauf konzentriert" sie nickte.
"Und zum zweiten Punkt" Suguru sah sie an, "Er ist ziemlich stark von Macht angezogen. Menschen, die ihm ebenbürtig sind. Oder zumindest nah genug an ihn herankommen" sie schwieg.
"Ich sehe, dass du deine Fluchaura unterdrückst", sagte er. Sie zeichnete mit dem Finger kleine Kreise in den Sand.
"Ich war mir ziemlich sicher, dass es zu auffällig wäre, wenn meine Fluchaura zu stark wäre", sagte sie, "Ich meine, ich bin 23, wie sollte ich solange unentdeckt bleiben und ich wollte nicht, dass das seine Aufmerksamkeit unnötig auf mich lenkt" Suguru bedachte sie mit einem Blick, dem sie mühelos standhielt.
"Du hast wahrscheinlich recht", sagte er, "Aber das heißt ja nicht, dass deine Fluchaura langsam wachsen kann"
"Wäre das nicht auffällig?", fragte sie.
"Nun, der Fakt, dass er dich aufgenommen hat, bedeutet, dass er dir vertrauen will. Abgesehen davon" Sugurus Blick wanderte zu ihren Tätowierungen, "Satoru ist arrogant. Und das kann er auch sein, schließlich besitzt er den sechsten Blick. Aber das macht ihn auch fahrlässig. Er wird davon ausgehen, dass er sehen kann, solltest du ihn hintergehen" Suguru berührte das Band um ihre Handgelenke, "Kann er aber nicht" sie nickte langsam und warf einen Blick auf ihr Display.
"Ich muss los", sagte sie. Suguru nickte. Gemeinsam standen sie auf.
"Wo sind eigentlich Hanami und Jogo?", fragte sie, während sie zum Schatten ihrer Baureihe traten.
"Unterwegs", winkte er ab. Dagon trat auf sie zu und streckte die Tentakel aus. Asunas Finger berührten seine Hände und etwas kühles fiel in ihre Handfläche. Sie lächelte, als sie eine Perle sah.
"Dankeschön" Dagons Blick fand ihren und seine Augen leuchteten, dann wandte er sich ab. Er brachte ihr immer Geschenke aus dem Ozean mit. Sie besaß ganze Marmeladengläser aus Muscheln, Perlen, Korallenstücken und Seeglas und auch wenn Yuki sich beständig über das zusätzliche Gewicht beschwerte, weigerte sie sich, sich von ihnen zu trennen. Hanami hatte ihr ebenfalls immer Blumen oder kleine Sprösslinge gegeben, die sie eingepflanzt hatte, während sie mit Yuki durch Japan gereist war. Mahito hatte ihr nie etwas mitgebracht, wofür sie ihm mehr als nur dankbar war. Sie hatte beim besten Willen keinerlei Verwendung für irgendwelche Leichenteile oder verformte Menschen.
"Asuna" Suguru berührte ihren Arm und sein Daumen Strich über das Fraktalmuster, das inzwischen wieder unter ihren Verbänden versteckt war, "Der Fluch versteckt deine Erinnerungen und deine Zukunft vor ihm. Das mag wirken, solange er seine Augenbinde trägt, wenn er sie allerdings abnimmt, wirst du dir überlegen müssen, wie du das erklären kannst" Sie nickte.
"Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt", sagte sie. Suguru lächelte und ließ ihren Arm los.
"Richte Hanami und Jogo viele Grüße von mir aus" damit drückte sie gegen die Barriere, bis sie wieder im Schatten des Archivs heraustrat.
Sie prüfte noch einmal ihre Verbände und verstaute Dagons Perle in ihrer Tasche. Asuna wollte gerade zurück in ihr Zimmer tauchen, als sie einen Schatten hinter sich spürte.
"Hey"
Sie fuhr herum.
"Mahito!", rief sie erstickt, "Was machst du hier? Wie bist du hier reingekommen?"
"Nur die Ruhe" er lehnte an dem Baumstamm.
"Tengen kann deine Aura spüren!", erinnerte sie ihn.
"Das ist so eine Art Testlauf", erklärte er und grinste, "Von Suguro persönlich genemigt"
"Und was zur Hölle willst du hier?", fragte sie.
"Deine Seele", sagte er und krümmte die Finger, "Ist interessant. Ich will sie nur berühren"
"Nichts da!", fauchte sie. Er zog eine Schnute.
"Und wenn wir tauschen?" Er zog ihren Geigenbogen hinter seinem Rücken hervor. Ihre Miene wurde hart.
"Gib ihn mir"
"Lass sie mich nur kurz ansehen", flehte er, "Ist sie so wunderschön wie deine Hülle oder so verkehrt, wie ich glaube?"
"Gib. Mir. Meinen. Bogen!" In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Archiv und eine großgewachsene Frau mit blondem Haar trat heraus.
"Hmm", murmelte Mahito, "Vielleicht ist es an der Zeit, zu verschwinden"
"Meinen Bogen", verlangte sie. Er verbeugte sich ausladend.
"Aber gerne" dann holte er aus und schleuderte ihn in den Himmel. Im nächsten Augenblick war er verschwunden.
Asunas Bogen vollführte mehrere Drehungen wie ein Propeller, bis er auf dem Dach des Archivs landete. Sie fluchte leise und tastete die Schatten ab, doch der Mond stand direkt über dem Dach, weshalb keiner der Schatten groß genug gewesen wäre, damit sie hätte hindurchpassen können.
Sie seufzte.
Dann musste sie ihren Bogen wohl auf die Altmodische Art zurückholen.
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Unlimited Void
FanfictieSatoru Gojo ist der mächtigste Jujutzist seiner Generation und Lehrer an der Jujutsu Akademie Tokio. Durch seine Hand sind tausende von Flüchen gestorben. Als Asuna Okura auf die Akademie kommt, ahnt er zunächst nicht, wer die junge Frau wirklich i...
