41. Kapitel

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(Dieses Kapitel enthält Mangaspoiler bis ungefähr zum Ende des Shibuyaarks. Wenn Du nicht gespoilert werden willst, überspring es bitte-
oder ließ den Manga, der ist echt gut😉)

Kenjaku:

Kenjaku lehnte im Schatten einer Palme, und beobachtete Dakon, Hanami und Jogo die in der Nähe der Brandung spazieren gingen.
Natürlich unauffällig, Kenjaku saß im Schneidersitz, sodass es für jeden Außenstehenden so aussah, als würde er meditieren.
Kenjaku selbst war zwar nie sonderlich religiös gewesen, doch seine sterbliche Hülle hatte sich in der Rolle des Mönches sehr gefallen und er selbst wusste es zu schätzen, dass die anderen Fluchgeister ihn in Ruhe ließen, sobald er sich zum "meditieren" positionierte.
Er suchte.
Insgeheim hätte er vielleicht mit den Zähnen geknirscht, weil sie ihm entwischt war. Jetzt war es umso wichtiger, dass er Asuna wieder fand.
Suguru hatte damals ihre Stärke und Einsamkeit erkannt, was sie aus seiner Sicht zu einer perfekten Marionette machte.
Kenjaku dagegen war der Meinung, dass Suguru ihr wahres Potenzial kaum entdeckt hatte.
Suguru hatte sie in ihrer finalen Fluchform absorbieren wollen, und auch Kenjaku verstand den Reiz. Asuna stand ein fast schon pervers großes Reservoir an Fluchkraft zur Verfügung. Zumindest in Fluchform.
Allerdings war sie der lebende Beweis, das Flüche und Menschen zusammen Kinder zeugen konnten.
Da war es ja nur recht und billig, dass Kenjaku dieses Experiment weiterführte.
Asuna war schließlich nicht die erste, die er für die Züchtung seiner Kinder brauchte. Sein Mundwinkel zuckte.
Hinterher konnte er sie schließlich immer noch absorbieren.
Zumindest theoretisch.
Praktisch war sie verschollen. Suguru war schlau genug gewesen, Asuna durch Runen an sich zu binden, sodass er sie spüren konnte, wenn er sich darauf konzentrierte. Das war zwar stärker gewesen, als sie noch die Runen um ihre Handgelenke getragen hatte, doch sie besaß immer noch die Fraktalförmige Rune an ihrem Ellbogen. Er sollte sie finden können.
Doch da war nichts.
Kenjaku war sich ziemlich sicher, dass er sie nicht getötet hatte. Sie war mit den Schatten verschmolzen. Doch seitdem war ihre Fährte verschwunden.
Hanamis und Dakons Fluchaura kitzelten den Rand seines Bewusstseins.
Es war für mächtige Fluchgeister immer holprig mit schwächeren Fluchgeistern zu verkehren. Insgeheim gab es diesen Trieb nach mehr... Mehr Macht... Mehr Fluchkraft.
Schon in seinem ursprünglichen Körper hatte er niedere Fluchgeister gefressen. Und damals hatte er nicht Sugurus Fluchtechnik besessen.
Jetzt mit der Möglichkeit, jederzeit zu verschlingen... es war die reinste Folter... doch das Ergebnis würde sich lohnen. Er würde abwarten.
Mahito schob sich in sein Bewusstsein und Kenjaku unterdrückte den Impuls, ihn anzufauchen.
Die älteren Fluchgeister hatten begriffen, dass er seine Ruhe wollten und respektierten sein Revier. Mahito dagegen testete seine Grenzen immer noch aus, was zwar normales Verhalten von Jungflüchen war, trotzdem aber ungemein auf die Nerven ging.
Kenjaku öffnete die Augen und lächelte. Bald...
Bald war Mahito in seiner finalen Form und dann konnte er ihn absorbieren und er ging ihm nicht mehr auf die Nerven. Bis dahin musste er sich gedulden.
Mahito lächelte oder versuchte es. Es war seltsam, denn auch wenn die Fluchkraft Mahitos am direktesten mit den Menschen verbunden war, schien er Emotionen am wenigsten zu verstehen.
Dementsprechend wirkte sein Lächeln immer wie eine Grimasse.
"Es ist fertig", sagte Mahito und rieb sich vergnügt die Hände, "Zumindest fast" Kenjaku lächelte und erhob sich, um Mahito über den Strand zu den heißen Quellen zu folgen.
"Die Körper wurden aus Lehm erschaffen", Mahito wedelte mit der Hand zu der heißen Quelle, bevor er sich mehreren Lehmklumpen zuwandte.
"Jetzt fehlt nur noch das gewisse", Mahito grinste, "Je ne sais pas" Kenjaku trat näher und tastete nach der Verbindung.
Er musste lange suchen, bis er einen hauchdünnen Faden fand, kaum dicker als ein Haar. Er packte zu und zog.
Anfangs schien es ihm, als wolle der Faden ihm immer und immer wieder entgleiten, dann packte er fester zu und zwang ihn zurück zu sich.
Das Band weigerte sich und kämpfte dagegen an, doch dies war ein Pakt, der zwischen ihr und ihm geschlossen wurde und auch wenn sie sich weigerte, ihre Kraft zu teilen, so wollte er ihre Kraft gar nicht für sich.
Zumindest noch nicht.
Kenjaku hielt den Faden gespannt, bevor er eine neue Verbindung wob, nicht mehr zwischen seiner und Asunas Seele, sondern ihrer Seele und den Lehmklumpen.
Mahito jauchzte entzückt. Als Kenjaku die Augen wieder öffnete, regten sich die Lehmklumpen zu seinen Füßen.
Was zu Beginn nur unförmige Ideen von Körpern gewesen war, formierte sich neu, arbeitete Gliedmaßen und Züge heraus.
Mahito konnte Emotionen vielleicht nicht verstehen, doch er war ein Genie, wenn es um Körper ging. Die lehmige Oberfläche verdichtete sich und erhärtete, alles von einem Fraktalmuster aus reiner Dunkelheit überzogen.
Mahitos Augen funkelten.
"Atemberaubend", stieß er aus, "Da würde es sich ja beinahe lohnen, Asuna aufzuspüren und weitere Fluchpuppen zu bauen" Kenjaku lächelte.
"Keine Sorge", brummte er, "Das Suchen überlassen wir jemand anderem"

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