Shoko:
Shizukani und sie eilten die Treppen hoch. Dabei registrierte Shoko beunruhigt, das die schwarzhaarige Frau offensichtlich genau wusste, wie sie zu Satorus Zimmer gelangen musste.
Shoko öffnete die Tür und sie trat ein.
Satorus Zimmer war ein Saustall. Shoko wusste, dass er den letzten Monat in Tokyo verbracht hatte und kaum hier gewesen war, allerdings fand sie das keine passende Ausrede.
Essensreste und benutztes Geschirr stapelten sich zwischen Hanteln, einer Reihe Mangabücher, wahrlos verteilter Unterwäsche und beschmierten Papieren.
Shizukani seufzte.
"Wenn wir nichts finden, dann liegt das ganz eindeutig an seiner Unordnung", stellte sie klar. Shoko fand, dass Zigarrettenrauch wohl kaum zwischen den vielen verschiedenen Gerüchen auffallen würde und kramte in ihrem Laborkittel nach einer Schachtel.
Shizukani lief zielstrebig auf Satorus Schlafzimmer zu.
Shoko ließ ihren Blick schweifen, während sie eine Zigarette zwischen die Lippen steckte und folgte ihr dann.
"Sie und Satoru", Shoko zündete Ihre Zigarette an. Shizukani schüttelte angesichts des ungemachten Bettes den Kopf. Dann wandte sie sich Shoko zu.
"Sind sie ein Paar?" Sie lachte kurz auf und wandte sich dann seinem Nachttisch zu.
"Hat er das gesagt?"
"Er hat sie gar nicht erwähnt", entgegnete Shoko. Sie kramte in der Schublade und zuckte die Schultern.
"Wir sind ehemalige Geliebte", erklärte sie. Shoko runzelte die Stirn.
"Und was sind sie jetzt?"
"Ich weiß nicht", antwortete Shizukani, "Am ehesten vielleicht Freunde. Aber es steht viel zwischen uns. Das gehört normalerweise nicht zu einer Freundschaft dazu. Vielleicht Geschäftspartner"
"Und brechen Sie für alle Ihre Geschäftspartner in eine streng überwachte Jujuzistenschule ein?" Sie zuckte die Achseln.
"Wer weiß" Shizukani erhob sich und ging zu seinem Kleiderschrank.
"Was ist mit Ihnen?", fragte sie, "Was sind Sie für ihn?" Die Frage traf Shoko unerwartet. Und auch wenn Shizukani ihr den Rücken zugewandt hatte, konnte sie die Anspannung ihrer Schultern sehen.
"Kollegen", antwortete sie, "Freunde in einem früheren Leben"
"Was ist geschehen?", fragte Shizukani und schob die Kleider zur Seite.
"Wir haben uns auseinander gelebt", erklärte Shoko, einfach weil das die einfachste Erklärung war. Wie sollte sie dieser Fremden erklären, was vor Zehn Jahren vorgefallen war?
Sollte sie ihr von Suguru erzählen? Wie Satoru und er sich entzweiht hatten? Wie sie ihn nicht ansehen konnte, ohne daran zu denken, wie er ihn vor einem Jahr getötet hatte?
"Verstehe", sagte sie. Shoko trat neben sie und berührte den dunklen Kimono.
"Den haben wir zum Abschluss getragen", murmelte sie. Shizukani beobachtete sie. Shoko Strich über den Stoff, spürte einen Umschlag in der Tasche. Shizukani tastete nach der Tasche und zog ein Foto heraus.
Es war nicht das Bild, dass sie bei ihrer Abschlussfeier gemacht hatten, sondern ein zerknittertes Foto von einem gemeinsamen Abend mit Suguru und ihr.
Shoko musste lächeln.
"Ich erinnere mich daran", sagte sie, "Das war in unserem ersten Jahr. Wir haben zusammen Horrorfilme geguckt. Satoru und Suguru haben sich gegenseitig zu erschrecken versucht. Am Ende hat er sich mit Popcorn vollgefressen und Suguru ist auf der Couch eingeschlafen" Shizukani warf ihr einen Blick zu.
"Wollen Sie ein Bild davon machen?", fragte sie.
"Ich glaube nicht, dass dieser Gegenstand sein Herz ersetzen kann", erwiderte Shoko und verdrängte das Bild der Blutlache an der Steinmauer. Der zerbröckelte Stein.
Satorus unerschütterliches Grinsen, selbst nachdem er Suguru getötet hatte.
"Suguru war sein bester Freund", entgegnete Shizukani, "Er redet nicht viel darüber, aber er vermisst ihn. Er vermisst sie"
"Er hat ihn umgebracht", die Worte kamen Shoko über die Lippen, bevor sie sie stoppen konnte. Shizukani wandte den Blick ab.
"Er hat ihn entkommen lassen. Das erste Mal. Vielleicht weil er dachte, er käme wieder zur Vernunft", sagte sie.
"Hat er Ihnen das erzählt?"
"Nein", murmelte sie, "Das war jemand anderes"
"Sie waren doch Geliebte", warf Shoko ein, "Dann wäre es doch naheliegend, wenn es etwas von ihnen beiden wäre"
Shizukani lachte kurz. Es war ein scharfer Laut, wie zersplitterndes Glas.
"Satoru und ich lieben uns nicht", sagte sie, "Wir haben eine Zeit lang mit einander geschlafen. Doch ich glaube, dass er einfach nur einsam war und ich war nun mal da"
"Und trotzdem sind sie hier eingebrochen"
"Das ist keine große Sache", winkte Shizukani ab, "Ist nicht das erste Mal" Shoko warf die angezündete, aber ansonsten nicht benutzte Zigarette weg und zündete sich eine neue an.
"Dann hätte er doch von ihnen erzählt", meinte Shoko. Sie erinnerte sich plötzlich überdeutlich an die Nacht, als sie ihn mit in die Karaokebar genommen hatte.
"Ich bin ihm egal", erwiderte Shizukani, "Es war wahrscheinlich einfach nicht der Rede wert" sie deutete auf das Foto.
"Wir sollten gehen" Shoko nickte, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette und folgte ihr.
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Unlimited Void
FanfictionSatoru Gojo ist der mächtigste Jujutzist seiner Generation und Lehrer an der Jujutsu Akademie Tokio. Durch seine Hand sind tausende von Flüchen gestorben. Als Asuna Okura auf die Akademie kommt, ahnt er zunächst nicht, wer die junge Frau wirklich i...