Beinah hätte ich wie ein Goldfisch nachgefragt ob ich mich verhört hatte aber ihr Gesicht zeugte von der Echtheit ihrer Worte. Sie meinte es ernst, ich überlegte, sie ließ mir Zeit dazu.
Natürlich wollte sie Rache für all den Schmerz der ihr angetan worden war aber hatte sie es wirklich in sich, ein Leben, so schlecht es auch war, zu beenden? Wir hatten nur einen Versuch, einer meiner trainierten Agenten hatte in meiner Vorstellung den Abzug drücken sollen aber wenn man sie trainierte konnte es vielleicht auch die Enkeltochter von Anu Padar.
Ich brauchte mehr Daten und Zeit zum Denken. „Ich werde darüber nachdenken." Damit wirkte sie halbwegs zufrieden, immerhin hatte ich, zu meinem eigenen Erstaunen, nicht sofort abgelehnt.
„Was geschieht nun mit mir?" wollte sie dann wissen, sie sah sich kurz um bevor ihre Augen wieder meine fanden.
„Keine Sorge ihnen wird nicht langweilig werden, ich habe einen Plan."
„Das hatte ich erwartet" sagte sie und schmunzelte erneut auf diese müde aber auch belustigte Art.
*
Ich war gespannt was er sich für mich ausgedacht hatte. Was auch immer es war ich hoffte es ließ mir Zeit mich mit den Büchern im oberen Stockwerk auseinander zu setzen. Der Raum hatte Traumhaft ausgesehen.
„Sie haben den Test gemacht" eröffnete er jedoch erst das Gespräch in eine ganz unerwartete Richtung, ich setzte beinah schon dazu an zu fragen woher er das wusste bis mir klar wurde das ich es gar nicht wissen wollte, mein Kopf war so schon zum Bersten gefüllt mit neuem Wissen und Eindrücken. Also nickte ich nur bejahend.
„Ich würde ja meine Glückwünsche anbringen aber ich glaube sie haben sich das ganze anders vorgestellt." Er klang beinah einfühlsam, tatsächlich, wenn ich mir vorstellte wie ich es mir wünschte sah ich Sherlock vor mir, wie er auf seinem Sessel saß, ich würde mich auf seinen Schoß setzten ihn anstrahlen und er würde mein Lächeln erwidern, egal ob er wusste warum ich mich freute. Ich würde ihm den Test in die Geigenspieler Finger legen, seine Augen würden groß werden und dann würde er mich atemlos küssen während Tränen der Freude seine Wangen entlangliefen.
Nicht einmal, in diesem Szenario, so variabel es vielleicht auch war, sah ich mich dem Eismann gegenüber oder war allein in einem fremden Badezimmer und dennoch „Ich nehme ihre Glückwünsche trotzdem an". Denn dieses Baby war ein Wunder und ich würde um nichts in der Welt die Tatsache ändern das es da war.
„Sie glauben mir dies vielleicht nicht" begann er vorsichtig „aber es freut mich zu sehen das sie eine Mutter sein wollen. Und ich möchte ihnen dabei helfen". Ich wusste natürlich das er dies nur tat weil es das Kind seines Bruders war aber das störte mich nicht, es war lieb wenn man darüber nachdachte. Oder ich hatte Schlafmangel, eines von Beidem war es bestimmt.
„Weder sie noch Sherlock sind stabil genug um dieses Kind großzuziehen" ich wollte aufbrausen oder etwas nach ihm werfen als er auch schon eine Hand hob in der Bitte das ich ihn zu ende sprechen lassen sollte, ich hielt die Welle meiner Wut zurück, vorerst. „Ich bezweifle nicht das sie beide brillante Eltern sein werden, doch sie müssen einsehen das sie Hilfe brauchen. Bedenken sie, und seien sie dabei ehrlich zu sich selbst, wie kurz davor sie gestern waren erneut zu Drogen zu greifen. Sie sind vor sechs Monaten von einer Brücke gesprungen, sie sind in einem Krankenhaus derart außer sich gewesen das sie hatten in Narkose versetzt werden müssen und sie haben schreckliches Durchgemacht."
Mir standen Tränen in den Augen als ich einsehen musste das er recht hatte, ich war ein gebrochenes dürres Ding. Ich wusste das ich es nicht wahrhaben wollte aber ich musste einsehen das ich so nicht weiter machen konnte, nicht wenn es darum ging Stabilität für ein unschuldiges kleines Wesen zu bieten. Immerhin ging es nicht länger nur um mich, es ging um Sherlocks Baby, ich würde alles tun um dem gerecht zu werden.
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Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann
FanfictionRebecca hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sie konnte nicht mehr. Verlust, Gewalt und Selbsthass waren zu viel für sie geworden, doch in den Augenblicken die ihre letzten sein sollten wurde sie gerettet, wortwörtlich.