(24.06.1995 – Hampshire, England)
Menschen waren langweilig, ihre Regeln waren langweilig, ganz zu schweigen von ihren Erwartungen oder besser gesagt ihren oberflächlichen Ansprüchen. Wenn kümmerte es ob er still am Tisch mit seinen Cousins saß, Niemand wollte ihn dort und bei den Mächten der Physik er wollte auch nicht mit diesen nasenbohrenden Idioten eine Mahlzeit einnehmen. Und obwohl ihm beigebracht worden war nicht zu Lügen war es ganz offensichtlich nicht in Ordnung ihnen genau das zu sagen.
Diese Doppelmoral war frustrierend, um das Gesicht zu wahren und um nicht unhöflich zu sein war es anscheinend akzeptabel das er jeden auch nur halbwegs wahren Gedanken den er hatte für sich behielt und stattdessen wenn angesprochen sozial annehmbare, wenn auch an den Haaren herbeigezogene, Antworten gab.
Schlimmer als das war jedoch die Tatsache das diese Menschen keinerlei Respekt für seinen, theoretisch verständlichen, Wunsch hatten nicht angefasst oder gar umarmt zu werden. Ständig wurde ihm mit dreckigen, Arthrose geplagten Fingern in die Wange gekniffen, seine Schulter wurde von nach Zigarren riechenden Händen gedrückt oder er wurde dazu ermutigt die Hand der anderen Kinder zu nehmen.
Natürlich das sich der siebenjährige Sherlock Holmes bei der ersten Gelegenheit davongestohlen hatte, Hochzeiten waren ohnehin überbewertet. Eine Gelegenheit für Heuchler und verblendete Träumer über etwas so unbedeutendes wie die Liebe zu philosophieren während sie sich betrinken und im selben Atemzug über ihre Ehegatten herziehen konnten.
Völlig unnötig, eine unglaubliche Verschwendung von Mühe und Lebenszeit. Nicht umsonst stieg die Scheidungsrate stetig. Er konnte sich wahrhaft keinen einzigen guten Grund denken warum jemand sich derart an eine andere Person binden wollte.
Nun saß er am Rande des angemieteten Anwesens auf einem alten Baum, er war wirklich schön, seine Krone spendete nicht nur Schatten sondern sie schützte ihn auch vor neugierigen Blicken.
„Wusste ich doch das ich dich hier finde"
Naja zumindest den meisten Blicken. Sherlock rollte seine Augen aber auf seinen Wangen breitete sich ein Grinsen aus, er liebte seinen Bruder und er war froh das er ihn gefunden hatte, nicht das er es zugeben würde. Doch er war sich sicher das Mycie es wusste, Mycie wusste immer alles.
Nicht nur das, nein, er war auch immer bereit sein Wissen zu teilen, mit ihm zu spielen oder ihm einfach nur zuzuhören. Hätte er Freunde würde er ihnen sagen das er den Besten großen Bruder hatte den es gab. Mommy sagte das war aufgrund seiner Gefühle aber Sherlock wusste das es eine Tatsache war.
Mycroft Holmes hatte sich von der Hochzeitsfeier gestohlen um nach seinem Bruder zu sehen, er hatte sofort bemerkt das eben jener gegangen war, es war selten das er nicht nach Sherlock sah. Es war seine Aufgabe und sein selbst auferlegter Schwur auf ihn Acht zu geben.
Doch zu seinem Unglück hatte ihn ein mehr als ermüdender Großonkel aufgehalten und nach seinen Karriereplänen gefragt, er teilte die Abneigung seines Bruders für normale Menschen aber er war fügsamer im Hinblick auf den Wunsch seiner Mutter das eine gewisse Höflichkeit von einem Holmes erwartet wurde.
Also hatte er geduldig das Gespräch durchgestanden, seine Antworten kurz aber nicht harsch. Seinen Bruder tatsächlich zu finden hatte danach kaum noch Zeit gekostet, Lockie war nicht sehr gut darin seine gewohnten Muster zu verlassen, er suchte sich Orte fern vom Lärm der Goldfische mit einer guten Aussicht und einem gewissen Risiko in deren erreichen. Öfter als nicht waren seine Knie und Hände abgeschürft von seinen Abenteuern.
Beinah hätte er erwartet ihn Kopfüber von dem Ast hängend vorzufinden, wie eine Fledermaus, eben jene fand sein kleiner Bruder unendlich faszinierend, doch zum Glück hatte er sich anscheinend erinnert das er nicht wie eben jene fliegen konnte und es unschön enden könnte sollte er fallen oder, und dies hielt er für wahrscheinlicher, er hatte im Licht seiner neuen Freiheit noch nicht daran gedacht.

DU LIEST GERADE
Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann
FanfictionRebecca hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sie konnte nicht mehr. Verlust, Gewalt und Selbsthass waren zu viel für sie geworden, doch in den Augenblicken die ihre letzten sein sollten wurde sie gerettet, wortwörtlich.