(12.06.2015 – London, England)
„Ich hab so richtig Lust auf etwas das total ungesund für uns ist" sie strahlte mich an, sie trug ihre Sonnenbrille, behauptete aus Mode gründen aber etwas machte ihr die Helligkeit wohl doch noch zu schaffen. Ansonsten sah ich jedoch keine Anzeichen dass es ihr nicht gut ging also hatte ich nichts weiter dazu gesagt. Einer meiner privaten Klienten hatte erwähnt dass ein Jahrmarkt stattfand und sofort war sie Feuer und Flamme gewesen.
Es war unfassbar wie einfach sie mich dazu bringen konnte Dinge zu tun. Ohne wenigstens einen Mord der Stufe sieben oder höher hätte man mich vor sechs Monaten nicht mal tot auf einem Festgelände gefunden. Doch nun lief ich an Schaustellerzelten und Food Trucks vorbei, sie würde mir wahrscheinlich nicht glauben sollte ich Kopfschmerzen vorspielen, sie hatte die schlimmere Gehirnerschütterung gehabt und ihr ging es blendend. Musste es auch wenn sie wirklich etwas von dem Essen wollte was hier angeboten wurde.
Sie trug ein gelbes blumengemustertes Sommerkleid, natürlich mit langen Ärmeln aber es war luftig, sie schwebte beinah. Ich hatte ihr an einem der Stände einen Strohhut mit breiter Krempe gekauft, er hatte eine passende Schleife aber natürlich hatte ich ihn nur gekauft damit sie noch mehr Schutz vor der Sonne hatte.
„Mich würde es wundern sollten sie auf diesem Jahrmarkt irgendwas Essbares verkaufen das dieser Definition nicht entspricht." argwöhnisch sah ich mich um, ich war ja kein Snob (halt die klappe Gedächtnispalast Mycroft) aber ich mochte einen gewissen Standard, dazu gehörte das der Mann der mein Essen zubereitete sich in dieser Woche bereits mal die Hände gewaschen hatte. Ich zog Rebecca weiter.
Nüchtern betrachtet waren die meisten anderen Anbieter von Lebensmitteln annehmbar also ließ ich sie entscheiden. Sie neigte ihren Kopf zu Seite als sie überlegte was sie am liebsten wollte. Ich wartete geduldig, etwas ganz neues für mich aber es reichte mir dazustehen und den Überlegungen die so deutlich auf ihren Gesicht abzulesen waren zu folgen. Ohne etwas zu sagen grinste sie mich an als sie eine Entscheidung getroffen hatte und mich in die entsprechende Warteschlange zog.
Sie ließ meine Hand nicht los, weder als wir zum Stehen kamen noch während wir warteten oder unser Essen bestellten und danach darauf warteten. Immer wieder lehnte sie sich an mich, nicht, wie ich erst befürchtet hatte, weil es ihr an Kraft fehlte sondern weil sie meine Nähe suchte. Ich konnte nicht anders, ich lächelte sie an wann immer sie es tat. Erst als wir unsere Mahlzeit ausgehändigt bekamen verließ ihre Hand meine.
Der ekstatische Gesichtsausdruck den sie trug als sie in ihren Bürger biss brachte mein Herz zum schneller schlagen, sie war glücklich also war ich es auch, ein entsetzlicher Gedanke, der mir nicht so viel ausmachte wie er es sollte. Oh nein ich verwandelte mich in John, nein schlimmer, ich verwandelte mich in einen Goldfisch. Sie zwinkerte mir zu als könnte sie meine Gedanken lesen aber wahrscheinlich hatte ihr nur mein Gesichtsausdruck gefallen. Was es auch war, ich vergaß darauf was ich überhaupt gedacht hatte.
Als sie sich so gut es ging das Fett von den Fingern gewischt hatte, gingen wir weiter. Das glitzern in ihren Augen als wir auf diese monströse Maschine von Fahrgeschäft zuliefen hätte mich warnen sollen. „Das sollten wir als nächstes tun" sie biss sich auf ihre Unterlippe, große blaue Augen sahen mich über den Rand ihrer Brille an. Hätte ich nicht so gute Gründe gehabt nein zu sagen hätte ich mich vermutlich in weniger als Zehn Minuten auf einem dieser unbequemen Plastiksitze wiedergefunden.
„Auf gar keinen Fall" mein Ton war eindeutig. „Was, hat der Mann der Verbrechern zum Vergnügen hinter her jagt Angst ein wenig durchgeschüttelt zu werden?" ihr Ton war verspielt, es war ihr nicht wichtig ob sie Recht bekam oder nicht, wir gingen auch schon weiter.
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Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann
Fiksi PenggemarRebecca hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sie konnte nicht mehr. Verlust, Gewalt und Selbsthass waren zu viel für sie geworden, doch in den Augenblicken die ihre letzten sein sollten wurde sie gerettet, wortwörtlich.