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(04.09.2015 – Brentwood, England)


Sie lächelte mich sanft an, wie immer wenn wir uns in der Dunkelheit zur gleichen Zeit wach fanden. In ihren Augen hing noch ein leichter Schleier, die Müdigkeit hatte ihren Verstand noch nicht vollkommen freigegeben. Ihre Finger jedoch strichen meinen Arm entlang bis ihre Hand in meiner ruhte, ich drückte einen hauchzarten Kuss auf ihren Handrücken bevor ich meine andere Hand ausstreckte um ihr eine Strähne ihres Haars hinters Ohr zu streichen.

Das Lächeln das sie mir daraufhin schenkte war beinah blendend. Eine Weile sagte keiner von uns Beiden ein Wort, wir sahen einander nur an, tauschten kleine Berührungen und lächelten einander an. Die Welt und deren Probleme waren vergessen, es schien nur uns Beide zu geben in diesem Moment. Endlose Sekunden die mir die Ewigkeit bedeuteten vergingen aber mein Geist schwieg, ich hatte Frieden gefunden. Wenn auch nur in dieser flüchtigen Umarmung im Schutze der Nacht.

In ihren Armen und in ihrer Präsenz würde ich ihn eines Tages auch für immer finden, wenn alles vorbei war. Wenn die Probleme, über die ich nicht nachdenken wollte, gelöst waren und alle Gefahren hinter uns lagen. Bis dahin würde ich jede Sekunde genießen in der ich den ruhigen Puls an ihrem Handgelenk spüren konnte, wissend das es uns gut ging.

Sie öffnete ihren Mund, die Worte sprechend die mein Herz hatten zum schneller schlagen gebracht. „Sherlock, ich..."


Grob wurde eine meiner liebsten Erinnerungen an Rebecca unterbrochen. Ich lag bewegungslos auf meinem Bett, viele Wärter oder wie sie sich selbst nannten: Pfleger nahmen an das ich schlief aber so viel Glück hatte ich selten. Schlaf forderte Frieden aber eben jenen spürte ich seit ihrem Tod nicht mehr. Also schlief ich nur wenn mein Körper nicht anders konnte als abzuschalten. Vielmehr zog ich mich vermehrt in meinen Gedächtnispalast zurück.

Erinnerungen an meine schönsten Zeiten mit John und Rebecca. Ich vermisste Beide mehr als ich je in Worte fassen könnte und dabei sprach ich so viele Sprachen, doch in keiner gab es ein passendes Wort für die leere und die Sehnsucht die ich empfand.

Meine Trauer um Rebecca, seit dem Abend auf dem Land in voller Auswirkung zurück, war leider zu einem chronischem Schmerz in meinem Herzen und meinem Verstand geworden aber das ich nunmehr auch Johns warmer Präsenz beraubt worden war wurde mit jeder vergehenden Stunde unerträglicher.

Mein bester Freund hatte immer nur das Beste für mich gewollt und immer geglaubt das ich es schaffen könnte, doch auch ihn hatte ich ein ums andere Mal enttäuscht das wusste ich, man musste sich ja nur ansehen wo ich gelandet war. Die Therapeutin mit den gezwungen freundlichen Lächeln sagte mir zwar jeden Tag das John mit mir sprechen wöllte aber sie stellte ihn nie durch oder erlaubte ihm vorbei zu kommen.

Sie meinte es läge an meiner Weigerung an der Therapie teilzunehmen und ich glaubte ihr sogar das sie mich John sehen lassen würde, sollte ich anfangen zu reden aber mein Inneres sträubte sich mit einer Fremden über Rebecca zu sprechen im Austausch für eine Art Belohnung.

Widerwillig öffnete ich meine Augen als die Person die in meinem Zimmer stand keine Anstalten machte wieder zu gehen, einige Leute verstanden anscheinend keinen Subtext. Eine neue Pflegerin stand mit meinem Frühstück in der Tür. Sie war groß schlank und ziemlich unsicher, nein berichtigte ich mich, sie war nervös, sie hatte den Blog gelesen. Ich rollte meine Augen.

Um weitere Interaktionen mit ihr zu vermeiden nahm ich ihr kurzerhand das Tablett aus der Hand und beachtete sie nicht weiter, nunmehr schien sie zu verstehen. Wortlos ging sie aus dem Zimmer und ich war dankbar dafür.

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