„Du hast gebacken" bemerkte Sherlock schnell als er mich zur Begrüßung in die Arme schloss. Ich grummelte leise, ich hatte extra die Wohnung gelüftet, meine Sachen gewechselt und die Kekse in eine Dose getan denn „Das sollte eine Überraschung sein"
Er roch noch einmal kurz an meinen Haaren, natürlich war es das was mich verriet. „Ginger Nuts" lächelte er, jetzt gab er nur noch an. Grinsend verdrehte ich die Augen, ich hätte es besser wissen müssen. „Ja, Mrs Hudson meinet die hast du gern." wiederwillig löste ich mich aus seinen Armen, meinem liebsten Platz auf der Welt.
„Warte ich hole die Dose, möchtest du auch Tee?"
Er bejahte meine Frage, ich machte ihm alles fertig und brachte die Tasse ins Wohnzimmer. Ich öffnete die Keksdose um sie ihm hinzuhalten.
„Sei brutal ehrlich in deinem Urteil" forderte ich ihn auf, nur so konnte ich besser werden.
„Absolut Perfekt" sagte er, wie er so dasaß, in seinem Lieblingssessel, mit der Tasse in der Hand, die Kekse essend die ich ihm gebacken hatte und lächelte, ich musste ihm zustimmen. Sein Blick zeigte mir dass er wohl dasselbe dachte.
*
(16.04.2015 – London, England)
Mein Notizbuch kam immer zum Einsatz wenn wir zu Ermittlungen aufbrachen, ich schrieb alles Mögliche nieder, sogar ganz beiläufige Gedanken die ich hatte, 'Sherlocks Haare sehen Heute verboten gut aus' war einer meiner literarischen Favoriten, ich hatte überlegt ob ich die Stelle streichen sollte aber am Ende des Tages war es zu einem Wahr und es würde niemand anders als ich in dieses Buch sehen. Jeder wusste dass es nur zur Tarnung in meinen Händen war. Also beließ ich es dabei.
Die Fälle zu denen er mich mitnahm waren ganz unterschiedlicher Natur gewesen, manche spanend, einige einfach, die besten kompliziert und wenige leider brutal. Ich hatte gelernt damit umzugehen, wollte ich mit, waren blutige Leichen eine Gegebenheit an die ich mich gewöhnen musste. Es hieß ja man gewohnt sich an alles, das war leider wahr, hatte ich das immerhin im Leben schon ein paar Mal unter Beweis gestellt.
An diesem Tag aber geschah etwas Neues. Angefangen hatte alles wie immer, Lestrade rief an, gab Sherlock einen Fall, er zauberte mit einem Wink ein Taxi herbei und wir fuhren hin. Er mit seinem Mantel, eher ein Markenzeichen als einem Kleidungsstück, ich mit meiner geliebten Lederjacke sowie der Assistenten Ausrüstung bewaffnet losgezogen.
Der Tatort war in einem Park gewesen, einem in dem ich früher einige Nächte verbracht hatte, nicht der schlimmste Park in der Stadt aber immer noch kein sicherer Ort, ich wusste das es durchaus die Möglichkeit gab, hier Drogen zu kaufen, das machte mich etwas nervös. Einige Stellen wiedererkennend griff ich nach Sherlocks Hand, er sollte mich festhalten, ich traute mir selbst nicht in diesem Moment. Natürlich tat er es.
Der Ablauf unterschied sich sofern nicht von anderen Fällen, er kam an, wurde von Donovan und oder Anderson angekeift, erwiderte etwas cleveres, Lestrade rollte mit den Augen, erklärte was, seiner Meinung nach, passiert war und Sherlock deduzierte. Mehr oder weniger lief es meist so ab. Der erste kleine Unterschied war das Sherlock wann immer er konnte zu mir sah, mich nah hielt und am Ende meine Hand nahm als er sich etwas vom Ort des Geschehens entfernte. Die Blicke der Beamten ignorierend.
Er verfolgte eine Spur, dies führte uns zu meiner ersten Verfolgungsjagt. In Vorbereitung dazu hatte Sherlock mir eingebrannt was zu tun war sollte es zu so etwas kommen.
„Wenn ich sage 'renn' dann tust du genau das, du folgst mir so schnell und so lange du kannst. Wenn ich sagen 'renn weg' tust du genau das, du rennst so schnell du kannst aber nicht mir hinterher sondern auf dem kürzesten Weg in Sicherheit, erst wenn du dir sicher bist das du da angekommen bist. Wo auch immer das ist, bleibst du stehen. Du wirst dann John oder Mycroft anrufen, ihnen sagen was passiert ist und verlangen das sie dich nach Hause bringen"
Seine Stimme hatte keinen Raum für Diskussionen zugelassen, mir wurde schlecht bei dem Gedanken ihn in irgendeiner Art von Gefahr alleine zu lassen, dennoch versprach ich das es genau das wäre was ich tun würde, sollte der die Worte sprechen. Logisch gesehen würde ich ihm so wie so nur im Wege stehen sollten wir in Gefahr geraten, dennoch hoffte ich es würde nicht dazu kommen.
In meinem Inneren wusste ich er wollte mich mit diesen Regeln nur beschützen aber wer würde ihn beschützen?
Aufgrund dessen war ich vorbereitet, wusste was zu tun war als Sherlock meine Hand los lies und „Renn" sagte. Anscheinend verfolgten wir einen dunkelhaarigen großen Mann, mehr konnte ich nicht erkennen als wir durch den Park rannten. Mein Puls war rasend, das Adrenalin pulsierte in meinen Adern, ich lief so schnell ich konnte hinter Sherlock her. Sowohl der Verdächtige als auch Sherlock hatten Ausdauer und auf einmal war ich froh dass ich in den letzten Wochen regelmäßig trainiert hatte. Hatte das Suchtkranken Training doch einen Sinn gehabt, wer hätte es geahnt. Hätte ich dazu noch Luft in den Lungen gehabt hätte ich bei dieser Relation gerne gelacht.
So nahm ich nur einen pfeifenden Atemzug bemüht mit Sherlocks langen Schritten mitzuhalten, wir waren aus dem Park heraus, nun auf den Straßen Londons, plötzlich hielt er inne, zwei Finger an seine Schläfen legen. Gedächtnispalast dachte ich mit dem wenigen Sauerstoff in meinem Gehirn, meine Beine brannten wie Feuer, gefühlt liefen wir dem Kerl schon eine Stunde hinterher, realistisch gesehen wahrscheinlich fünfzehn Minuten aber in was für einem Tempo.
Sherlock musste eine neue Route berechnet haben denn er lief blitzschnell nach rechts in eine Seitengasse, natürlich folgte ich ihm. Ich hatte meine Mühe meinen Mann nicht in dem Labyrinth aus Seiten Gassen und Abkürzungen über Feuerleitern, Zäune und durch Menschen Ansammlungen zu verlieren.
Ich wusste der Detektiv hatte keine Zeit sich nach mir umzusehen, er hatte für Gerechtigkeit zu sorgen, wir hatten nicht umsonst einen Plan für diese Situationen gemacht. Dennoch ich war zu stolz um aufzugeben, deshalb rannte ich weiter, ich konnte die Muskeln in meinen Beinen und in meinem Brustkorb protestieren spüren aber ich lief weiter.
Kein klarer Gedanke war mehr möglich, der Abstand zwischen mir und Sherlock war großer geworden aber ich konnte ihn noch sehen. Auf einer Brücke, hoch über der Themse blieb er plötzlich stehen, ich tat es auch. Zwischen uns waren mindestens zwanzig Meter. Ich legte mein Hände an meine Knie und beugte mich etwas nach vorn, Luft schnappend. Die Muskeln in meinen Beinen zitterten, meine Augen waren dennoch auf Sherlock gerichtet, sollte es weiter gehen. Er blickte sich verwirrt um, als sein Blick in meine Richtung fiel glaubte ich zu sehen wie sich seine Augen weiteten, er den Mund öffnete aber noch bevor ich auch nur eine Frage in Gedanken formulieren konnte spürte ich wie ich von zwei kräftigen Armen gepackt und mit Schwung über das Geländer geworfen wurde.
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Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann
Fiksi PenggemarRebecca hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sie konnte nicht mehr. Verlust, Gewalt und Selbsthass waren zu viel für sie geworden, doch in den Augenblicken die ihre letzten sein sollten wurde sie gerettet, wortwörtlich.