Krankenhäuser erinnerten mich immer an die Zeit als ich mir noch regelmäßige Überdosen verpasste, immer auf der Suche nach dem Limit, nach der Grenze die mein Körper mir setzen wollte, in meiner Tasche die Liste für meinen Bruder und in meinen Adern mehr Gift als Blut. Man konnte also mit einiger Sicherheit sagen ich war Aufenthalten in Einrichtungen dieser Art schon aus Prinzip nicht zugetan aber meine Abneigung verwandelte sich ziemlich schnell in Hass als ich auf einer Trage davongeschoben wurde, während ich im Hintergrund hörte wie meine Frau, schrie, weinte, wütete und es nichts gab was ich tun konnte.
Sie klang so aufgewühlt, nichts mehr übrig von dem lächelnden Engel den ich über mir gesehen hatte als ich das erste Mal aufgewacht war, nachdem die Kugel mich gestreift hatte. Ihr Gesicht hatte sich vor eine Lampe geschoben gehabt, es verlieh ihr einen Heiligenschein, für einen dummen kleinen Moment hatte ich gedacht das es das war, mein Ende, mein Himmel, deshalb hatte ich ihr diese Frage gestellt.
Nun schrie sie als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her, in aller Fairness war ich dem auch beinah verfallen das sie entführt worden war. Ich wollte mich aufrichten, den Ärzten sagen dass es mir gut ging, zu ihr gehen und ihr versichern dass sie mir nicht den Tod bringen würde, im Gegenteil. Doch die Schmerzen in meinem Kopf und die Medikamente die sie mir gaben verhinderten das. Niemals zuvor hatte ich die Schwäche meines Transportes so verabscheut.
*
Als ich nach den Untersuchungen in das Krankenzimmer geschoben wurde war John schon da, doch ich sah ihn nur kurz an bevor mein Augenmerk auf Rebecca fiel, sie lag in dem anderen Bett im Raum, näher am Fenster. Ihr Kopf war verbunden, warum war ihr Kopf verbunden? Der Sturz erinnerte ich mich, sie hatte am Boden gelegen. Sie hatten sie ruhig gestellt, deshalb schlief sie, wahrscheinlich war es das Beste gewesen aber der Gedanke dass sie gegen ihren Willen angefasst und mit einer Droge betäubt worden war schmeckte mir nicht. Es brachte mich dazu meine Hände zu Fäusten zu ballen.
Ich begab mich in das Bett bis die Krankenschwester, welche versuchte eine Schwangerschaft zu verheimlichen, das Zimmer verlassen hatte, danach stand ich sofort auf und ging zu Rebeccas Bettseite, meinen Tropf hinter mir herziehend. John sah mich missbilligend an, er hatte sich meine Krankenakte geschnappt, das war anscheinend in Ordnung. Weder das dumpfe Pochen meines Armes noch der Schmerz in meinem Kopf waren Grund genug mich hinzulegen wenn ich stattdessen ihre Hand halten könnte.
„Ihr Beide habt mehr Glück als Verstand" sagte der Arzt missbilligend, er sah mich über den Rand der Akte hinweg an. Ich legte meine Stirn in Falten „Ich kann dir Versichern das das nicht wahr ist. Mein Verstand ist hochfunktionell und ich bin erwiesener Maßen ein Genie" Tatsachen.
„Nein, heute nicht" sagte er mit einer Sicherheit als wäre es ein Fakt wie diese lächerlichen kleinen Dinge wie das Sonnensystem oder mit was er sich sonst so auskannte. Noch bevor ich ihn auffordern konnte sich zu erklären tat er es von ganz alleine „Heute warst du ein verliebter Dummkopf, du hast nach Becky statt nach dem Schützen gesehen."
Empört riss ich meine Augen und meinen Mund auf, ungläubig über das was er gesagt hatte „Ich bin ganz bestimmt kein Dummkopf. Ist es nicht das was ein Soldat tun würde? Nachsehen wie es anderen geht."
Er war frustriert mit mir, das sah ich ihm an, aber warum? Weil ich hätte sterben können? Das könnte jeden Tag passieren und wäre schon öfter fast passiert. Selbst bevor ich ihn getroffen hatte, um auf die Drogentage zurückzukommen.
„Ja aus einer Deckung heraus" seine Stimme war lauter geworden, sie bohrte sich unangenehm in meinen Kopf. Ich kniff die Augen zusammen, dem Gefühl in meinem Schädel Herr werdend. Sofort verschwand aller Ärger aus John, Sorge stand in seinen Augen, auch etwas Schuld glaubte ich zu erkennen. „Fuck Sherlock, leg dich wieder hin"
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Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann
FanfictionRebecca hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sie konnte nicht mehr. Verlust, Gewalt und Selbsthass waren zu viel für sie geworden, doch in den Augenblicken die ihre letzten sein sollten wurde sie gerettet, wortwörtlich.