To be free, to be my way

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Choose to be me

To be free to be my way

I saw the light shining right in my eyes

Choose to be me

To be free to be my way

[Sunrise Avenue - Choose to be me]



Die Sonne strahlte unbarmherzig auf Madrid runter, während im Fussballstadion Santiago-Bernabéu geschwitzt wurde. Die erste Mannschaft von Real Madrid absolvierte heute ausnahmsweise ihr Training im Stadion selbst, anstatt auf dem Trainingsgelände Valdebebas, etwas ausserhalb der Stadt. Der Grund dafür war einfach: Für ein paar Wochen waren die Spielfelder dort nicht betretbar, man hatte beschlossen, sich wieder einmal ein bisschen um den Rasen und die ganze Infrastruktur zu kümmern. Was Trainer Manuel Pellegrini dazu zwang, ins Stadion auszuweichen. Doch auch damit war der Chilene zufrieden. Hauptsache, er konnte sein Team anständig trainieren.

Allerdings machte dieser Hühnerhaufen hier vor ihm nicht gerade den Eindruck, als wollte man professionell und anständig trainieren. Kein einziger Spieler passte auf, alle quatschten durcheinander, um vom letzten Abend zu erzählen. Doch Pellegrini interessierte es herzlich wenig, was seine Schützlinge in ihrer Freizeit trieben. Vorausgesetzt natürlich, dass man sich zu benehmen wusste und nicht unbedingt negative Schlagzeilen verursachte. Was aber hier und da durchaus auch schon der Fall gewesen war.

„So, fertig mit eurem Gequatsche!" Der Trainer klatschte laut in die Hände und sofort verstummten die Spieler. Jeder wusste, sobald Pellegrini sich zu Wort meldete und dazu auch noch in die Hände klatschte - was er nicht oft tat, meistens musste die Trillerpfeife dafür hinhalten - hatte Ruhe zu herrschen. Wenn man nicht unzählige Extrarunden laufen wollte.

Guti versetzte Sergio Ramos insgeheim noch einen letzten kleinen Schubser, als Pellegrini gerade Iker Casillas und Karim Benzema ins Auge gefasst hatte. „Lass das!", knurrte Sergio, allerdings mit einem Grinsen auf den Lippen. Er gehörte zu denjenigen Spielern, die kaum stillstehen oder -sitzen konnten. Sie mussten immer in Bewegung sein und deshalb fiel es Sergio auch jetzt wieder ziemlich schwer, sich zu zügeln und den Worten des Trainers zu lauschen.

„Ramos, jetzt hör endlich mal auf, ständig rum zu zappeln!", ermahnte Pellegrini seinen Schützling und Sergio biss sich auf die Lippen. Der Trainer nickte zufrieden, bevor er seine Schlussworte des Trainings an die Mannschaft richtete. „Ihr habt heute gute Arbeit geleistet, ich bin zufrieden mit euch. Wenn ihr in vier Tagen gegen Valencia auch so spielt, dann können die einpacken. Gut. Also...dann ist Schluss für heute. Morgen habt ihr frei, geniesst es und keine risikofreudigen Dinge, kapiert? Ich will nicht auf einen von euch verzichten müssen gegen Valencia!" Pellegrinis strenger Blick glitt durch die Spielerreihe und jeder einzelne nickte. Keiner hatte schliesslich vor, sich zu verletzen.


Unter dem leisen Gemurmel der einzelnen Spieler machte sich unter anderem Sergio auf den Weg in die Umkleiden. „Hey Kumpel, hast du heute Abend schon was vor?" Ein grinsender Cristiano Ronaldo war zu ihm getreten und hatte ihm nun einen Arm um die Schulter gelegt. Mit einer hochgezogenen Augenbraue musterte Sergio seinen Mannschaftskameraden. Er war noch nicht allzu lange hier im Team. Jedenfalls noch nicht mal halb so lange wie Sergio mittlerweile Teil der ‚Blancos' war. Und doch kam er gut mit dem portugiesischen Superstar klar.

„Ach, und...was schwebt dir für heute Abend denn so vor?", stellte er dem Stürmer die Gegenfrage. Mit unschuldigem Blick zuckte Cristiano mit den Schultern. „Nun ja...was hältst du davon, mit mir und Guti heute Abend feiern zu gehen? Der Low Club soll ganz gut sein, habe ich gehört. Was sagst du dazu?" Breit grinsend sah er den Spanier an, welcher nun ebenfalls grinste. Er feierte gerne. Er liebte es, Party zu machen. Mit Mädels und Alkohol. Er war nicht einer der Typen, die jeden Tag zu tief ins Glas schauten und ein Mädchen nach dem anderen in sein Bett lockten. Und dennoch...er war in Spanien als Playboy verschrien. Genauso wie Cristiano es auf der ganzen Welt war. Aber es störte ihn nicht sonderlich. Er lebte sein Leben und war glücklich damit. Solange er im Training und im Spiel sein bestes geben konnte, war er zufrieden.

„Sag mal, was soll diese Frage eigentlich?" Sergio boxte seinen Freund in die Rippen. „Natürlich komme ich mit!" Die beiden jungen Männer lachten lauthals los und zogen so die Aufmerksamkeit einiger anderer Spieler auf sich. „Hey, was gibt's denn hier zu lachen? Ich will auch mitlachen!", meldete sich Marcelo zu Wort. Sergio wandte sich zum Dunkelhäutigen um. „Ach, nichts wichtiges. Nur, wohin wir heute Abend feiern gehen", grinste er und der Brasilianer lächelte wissend. Er kannte die beiden Fussballer und wusste, dass sie bestimmt nichts würden anbrennen lassen. Und irgendwie hatte er Lust, die beiden heute Abend zu begleiten. „Kann ich mitkommen?", fragte er also. „Klar!", kam es unisono von Sergio und Cristiano zurück. „Ich bin auch dabei!" Guti hatte sich zwischen Karim und Gonzalo Higuain durchgedrängelt und war nun neben Sergio getreten. Dieser lachte. „Ich hab's geahnt!"

„Was denn?" Guti sah seinen Freund ein bisschen erstaunt an, doch Sergio schüttelte nur den Kopf. „Wo Party ist, ist auch Guti nicht weit", grinste er. „Stimmt doch gar nicht", grummelte der Blondschopf.

Die jungen Spieler brachen in erneutes Gelächter aus, was - da sie nun bereits in den Umkleiden angekommen waren - von den Wänden ab hallte.


Die Spieler schlüpften aus ihren verschwitzten Trainingsklamotten und duschten, bevor sich jeder verabschiedete und man sich auf den Nachhauseweg machte.

Einige gingen nach Hause zu ihren Familien. Auf andere wartete eine Freundin. Und auf einige wartete entweder niemand zu Hause oder bloss ein Haustier. So wie bei Sergio. Wenn er nach Hause kam, wurde er immer gleich von seinem kleinen Yorkshire Terrier Odie begrüsst. Momentan war der kleine Hund seine einzige Gesellschaft zu Hause. Er war der einzige, der auf ihn wartete, wenn er vom Training oder von Spielen nach Hause kam.

„Na, mein Kleiner? Wie geht's dir? Ich weiss, du hast mich vermisst", lächelte Sergio, nachdem er seine Tasche im Flur auf den Boden fallen gelassen hatte und sich nun hinkniete, um seinen Hund zu begrüssen. Dieser bellte leise und wedelte wie verrückt mit seinem Schwanz. Immer wieder zauberte es dem spanischen Fussballstar ein Lächeln aufs Gesicht, wenn er mit Odie spielen konnte. „Ich weiss, wir gehen gleich noch Gassi", versprach er dem treuen Tier, bevor er sich wieder erhob und dann rauf ins Schlafzimmer ging. In ein paar Stunden würde er mit seinen Kumpels ausgehen. Und er freute sich darauf. Womöglich würde dieser Abend etwas Unerwartetes bringen. Aber auch wenn es ein Abend wie so manch anderer werden würde, vermiesen wollte Sergio es sich jetzt nicht mit seinen Gedanken. Kopfschüttelnd öffnete Sergio seinen Kleiderschrank und liess seinen Blick über die unzähligen Klamotten, die sich darin befanden, gleiten.

Schnell hatte sich Sergio eine dunkelblaue Jeans und ein weisses Shirt rausgesucht. Heute wäre weniger mehr, das hatte er im Gefühl. Er hatte keine Lust, sich richtig in Schale zu werfen, nur um in einem Club ein bisschen abzuhängen. Er musste oft genug im Smoking irgendwo antanzen und Krawatten oder Fliegen gehörten nun wirklich nicht zu seinen Lieblingsklamotten.


Die ausgewählten Kleider landeten auf dem Bett, dann verliess er das Schlafzimmer wieder und ging runter. Odie kam bereits wieder angesprungen, freudig mit dem Schwanz wedelnd. Sergio lachte. „Ist ja schon gut, wir gehen gleich raus!" Er griff mit diesen Worten nach der Leine, die im Flur hing und fing seinen kleinen Hund ein, um ihm diese anzulegen.

Dann verliess der Fussballer sein Haus und schloss ab. Ihm war durchaus bewusst, dass morgen womöglich wieder neue Fotos von ihm in irgendeiner Zeitung oder Zeitschrift auftauchen konnten. Doch mittlerweile hatte sich der gebürtige Sevillano daran gewöhnt. Es war ihm egal, was man über ihn schrieb. Denn er wusste es in jedem Fall immer besser. Und er wusste, dass die Zeitungen nicht selten Müll schrieben um bessere Verkaufszahlen verzeichnen zu können.


Also schlenderte Sergio mit Odie durch Madrids Strassen und bog schliesslich in den Retiro, den grössten und schönsten Park der Stadt, ab. Hier verbrachte er gerne ein bisschen Zeit, vor allem, wenn er seine Ruhe haben wollte. Zwar war der Park bei schönem Wetter meistens voller Menschen, doch nicht alle erkannten ihn. Und wenn doch, waren die meisten dann doch zu schüchtern, um ihn um ein Autogramm oder Foto zu bitten und starrten ihn stattdessen nur an. Auch damit hatte er sich abgefunden. Angestarrt zu werden. Manchmal tat es seinem Ego sogar ganz gut, wenn man ihn erkannte und ihn ehrfürchtig ansah, nur weil er Spieler bei Real Madrid war.


Odie brauchte nicht lange, um sein Geschäft zu verrichten und so konnte Sergio sich bereits nach einer guten halben Stunde wieder auf den Rückweg machen. Er beschloss, sich noch ein bisschen vor den Fernseher zu hauen, bevor er dann heute Abend mit Guti, Cristiano und Marcelo ausgehen würde. In den Low Club. Er war noch nie in diesem Schuppen gewesen und nun dementsprechend neugierig darauf.

Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt