Without you on my mind

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I can not go to the ocean

I can not drive the streets at night

I can not wake up in the morning

Without you on my mind

[A Fine Frenzy - Almost lover]



„Magdalena, kannst du mal herkommen?"

Die dunkelhaarige Frau liess das Glas, welches sie gerade abgetrocknet hatte, stehen und eilte um die Bar herum zu Manuel, der in geraumer Entfernung etwas versteckt in einer der Lounges stand und die Decke betrachtete. „Was gibt's denn?" Sie folgte seinem Blick und entdeckte eine farbige Girlande, die allerdings mehr schlecht als recht hing. „Meinst du, du könntest diese Girlande ein wenig umhängen? Du weißt doch, heute Abend hat jemand die Lounge hier reserviert, um einen Geburtstag zu feiern. Und wir dekorieren dafür immer ein wenig. Aber...ich glaube, heute bin ich nicht zu gebrauchen, was das angeht." Magdalenas Chef lächelte ein wenig verlegen und sie klopfte ihm auf die Schulter. „Schon okay, ich mach das", versicherte sie ihm und er nickte. „Gut, dann mache ich deine Arbeit hinter der Bar fertig", schlug er vor und war gleich darauf schon verschwunden. Sie sah ihm noch kurz hinterher, bevor sie sich einen Stuhl heranzog und draufkletterte. Sie streckte sich ein wenig und begann die Girlanden umzuhängen, so dass sie anschaulich waren, so dass man lächeln konnte, wenn man die Lounge betrat.

Und nicht nur das machte Magdalena. Sie schmückte auch den Rest der Lounge. Hängte Ballons auf, stellte Teelichter hin, verstreute bunte Steinchen auf den Tischen und betrachtete schliesslich ihr Werk zufrieden.

„Wow, das hast du klasse gemacht, Mags!" Sie wirbelte herum und entdeckte Manuel der staunend auf sie zuschritt und sich alles genau ansah. „Warum wirst du nicht Dekorateurin? Das scheint dir echt zu liegen!" Verlegen lächelte die junge Frau. „Dankeschön. Es hat mir auch Spass gemacht."

„Das sieht man", nickte Manuel anerkennend. „Ich denke mal, die Gäste werden sich darüber freuen. Noch ein letztes Lächeln schenkte Magdalena ihrem Chef, bevor sie langsam zurück zur Bar ging, hinter der Leonor stand und die restlichen Gläser ausspülte, damit alles bereit war wenn der Club abends seine Pforten öffnete.


„Sag mal...was ist eigentlich los mit dir?" Überrascht von dieser Frage sah Magdalena ihre Freundin mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Was meinst du?" Leonor lächelte und stellte das grosse Bierglas hin, nachdem sie es getrocknet hatte. „Mach mir doch nichts vor, Magdalena! Du bist seit ein paar Tagen manchmal total in Gedanken versunken! Seit dem Abend mit Sergio. Du sagst mir nicht, was dich bedrückt, aber so wie es scheint, bedrückt dich wirklich was. Wir sind Freundinnen, sprich mit mir!" Eindringlich war der Blick von Leonor mittlerweile geworden und Magdalena schluckte leer. Sie wusste nicht, wie sie auf die Fragen ihrer Freundin reagieren sollte.

Vier Tage war es jetzt her, seit Magdalena und Sergio miteinander geschlafen hatten. Vier Tage, in denen die junge Spanierin immer wieder versucht hatte, den Gedanken an den gutaussehenden Fussballer zu verdrängen und ihn zu vergessen. Doch immer wieder hatte er sich klammheimlich in ihren Kopf geschlichen, sich dort eingenistet und sie nicht mehr losgelassen. Auch wenn sich Magdalena in ihre Arbeit gestürzt hatte, war es unmöglich gewesen, Sergio aus ihren Gedanken zu verbannen. Viel zu präsent war er noch. Viel zu genau wusste sie noch, wie er gerochen hatte. Sie fühlte noch immer, wie seine Muskeln sich unter ihren Fingern angespannt und bewegt hatten. Ein erneutes Schlucken. Dann sah Magdalena endlich ihre Freundin an und stiess einen tiefen Seufzer aus. „Wenn ich es dir erzähle, versprichst du mir, mich nicht...zu verurteilen?" Sofort nickte Leonor. Ihr Blick war ungeduldig und neugierig geworden. Anscheinend brannte sie wirklich darauf, zu erfahren, was Magdalena beschäftigte.

„Ich...also, Sergio und ich...wir...", begann Magdalena stammelnd, verzweifelt auf der Suche nach den richtigen Worten. Sie verstummte, atmete einmal tief durch und sagte dann: „Wir haben...miteinander geschlafen." Das war alles. Mehr sagte die junge Frau nicht und sie vermied es, Leonor jetzt anzusehen. Sie konnte sich auch so vorstellen, dass ihre Freundin sie gerade mit riesigen Augen ansah und ihr der Mund aufgeklappt war. „Ihr habt was?", platzte es laut aus ihr heraus. „Geht's vielleicht noch lauter?", zischte Magdalena sogleich und sah Leonor nun doch an. Diese biss sich kurz auf die Lippen, dann fuhr sie fort, in leiserem Tonfall. „Du hast mit ihm geschlafen? Beim ersten Date? Mags, was ist los mit dir?" Sie klang entsetzt und Magdalena rollte leicht genervt mit den Augen. „Was weiss ich! Es war...ich weiss auch nicht! Sergio war da und er...scheisse, er sieht so gut aus! Und er hat mich einfach geküsst, Leonor! Einfach so, ohne Vorwarnung! Und dann...ist es einfach passiert." Sie senkte den Blick wieder auf die Theke vor sich. Ihr Herz schlug schnell. So wie es das immer tat, sobald sie an Sergio und diese Nacht dachte. Leonor seufzte. „Ach Mags." Sie schloss ihre Freundin kurz in die Arme. „Lass mich raten: Nach dieser Nacht hast du ihn rausgeworfen und ihr habt euch seither nicht mehr gesehen."

Magdalena nickte. „Für die kurze Zeit, die ich nun in Madrid bin, kennst du mich schon verdammt gut", murmelte sie dann, Leonor grinste. „Ich weiss. Und ich sage dir jetzt als Freundin: Mach, dass du Sergio wieder sehen kannst! Er geht dir nicht mehr aus dem Kopf, oder?"

„Ja", seufzte Magdalena und liess die Schultern hängen. „Das hätte ich niemals gedacht. Und doch...er ist in meinem Kopf und will einfach nicht mehr raus. Aber...er ist ein berühmter Fussballer, Leonor! Was, wenn er mich nur hat rumkriegen wollen? Denn das ist im gelungen, verdammt!" Sie fuhr sich durchs lange braune Haar. Tatsächlich war Magdalena ratlos. Sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Langsam aber sicher konnte sie nicht mehr leugnen, dass sie Sergio vermisste. Dass sie fast dauernd an den jungen Spanier denken musste, machte sie verrückt.

Leonor legte ihre Stirn in Falten und dachte nach. „Du solltest wirklich mit ihm sprechen, Mags. Nur so findest du raus, ob das für ihn ein einmaliges Abenteuer gewesen ist oder ob da doch mehr ist. Tu's einfach. Sonst wird er dich nie loslassen und du wirst dich noch verrückt machen so!"

Magdalena liess sich die Worte ihrer Freundin durch den Kopf gehen. Sie hatte Recht. Sie sollte mit Sergio sprechen. Was hatte sie denn schon gross zu verlieren? Im Grunde nichts.

„Vielleicht hast du Recht, Leonor. Ich werde...mit ihm sprechen", meinte Magdalena dann leise. „Ganz sicher?" Der eindringliche Blick von Leonor traf sie und sie nickte sogleich. „Ja, ganz sicher. Ich weiss noch nicht, wo ich ihn treffen könnte, aber...da gibt es ja immer wieder jede Menge öffentliche Trainings von Real Madrid. Da werde ich wohl die besten Chancen haben, ihn zu treffen."

Nun drehte sich Leonor um, lehnte sich an die Theke und verschränkte die Arme vor der Brust. „Willst du damit etwa sagen, ihr habt nicht mal Handynummern ausgetauscht?" Magdalena biss sich auf die Lippen. „Na ja, daran haben wir irgendwie nicht gedacht", nuschelte sie dann. Leonor grinste. „Also wirklich. Zusammen in die Kiste hüpfen, aber nicht an die Telefonnummer denken!" Sie kicherte. „Ihr seid unmöglich!" Magdalena grinste mittlerweile auch und zuckte mit den Schultern. „Kann schon sein. Aber vielleicht sind wir auch einfach nichts. Vielleicht...war diese Nacht bloss ein One-Night-Stand." Sie war wieder ernst geworden. Ihr Blick lief ins Leere. Sie starrte einfach nur vor sich hin, in Gedanken an diese eine Nacht mit Sergio Ramos. Mit dem Fussballer von Real Madrid und der spanischen Nationalmannschaft. Sie wusste, es war durchaus möglich, dass sie nur eine von vielen Frauen für Sergio gewesen war. Und doch hoffte etwas tief in ihrem Innern, dass dem nicht so war. Dass ihm diese Nacht doch etwas bedeutet hatte.

„Du findest es nur raus, wenn du mit ihm sprichst. Und am besten machst du das so schnell wie möglich, Mags." Wieder traf sie der Blick von Leonor, sie nickte und widmete sich dann wieder ihrer Arbeit. Nur damit sie nicht weiter über Sergio nachdenken und sprechen musste.

Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt