Don't waste your breath because it's too late

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So don't try to say you're sorry

Or try to make it right

And don't waste your breath

Because it's too late, it's too late

[Simple Plan - Your love is a lie]


„Sergio, was...was ist denn?" Fragend und unsicher musterte Magdalena ihren Freund, der sie nur anfunkelte, aber nichts sagte. Kurz darauf drängte er sich an ihr vorbei in die Küche und sie folgte ihm schnellen Schrittes. „Würdest du bitte mit mir reden?", gab sie nicht auf und ihre Stimme wurde lauter. Unvorhergesehen wirbelte Sergio mit einem Mal herum und funkelte seine Freundin wütend an. „Du fragst mich, was los ist? Ausgerechnet du? Was glaubst du eigentlich, wer du bist, he?" Erschrocken war Magdalena stehen geblieben und starrte ihren Freund an.

„Was...was meinst du?", stammelte sie. Noch verdrängte sie die Möglichkeit, dass Sergio von ihrem Seitensprung wissen konnte. Ohne ein Wort zu sagen knallte der Fussballer die Zeitung auf den Küchentisch. „Und was ist das? Ist das etwa nichts? Hast du das hier vergessen?" Er deutete wütend auf die Bilder, die in der Zeitung gedruckt wurden. Mit einem äusserst mulmigen Gefühl in der Magengegend trat Magdalena an den Tisch und warf einen Blick auf die aufgeschlagenen Seiten. Sie schluckte und konnte nicht verhindern, dass ihr Herz für ein paar Sekunden stehen blieb. Da waren sie.

Die Bilder, die Sergio nie zu Gesicht hätte bekommen dürfen. Doch jetzt war's passiert. Er hatte sie gesehen. Die Bilder, auf denen sie mit Pedro zu sehen war. Wie sie an der Bar sassen. Wie sie tanzten. Wie sie sich küssten. Wie sie an einem der Tische sassen und etwas tranken. Wie sie gemeinsam die Bar verliessen. So viele Bilder von ihnen beiden in dieser Zeitung. Und Sergio hatte sie alle gesehen. „Kannst du mir das erklären? Was soll das?", hakte er nun nach und riss die junge Frau somit aus ihren Gedanken. „Ich...also...nun ja...", stammelte Magdalena schliesslich, doch sie schaffte es nicht, einen vernünftigen, vollständigen Satz zustande zu bringen. Sergios Blick haftete auf ihr. Sie schluckte schwer und wollte in dem Moment nichts sehnlicher, als sterben. Denn Sergios Blick war enttäuscht, verletzt und voller Zorn. Etwas, was sie nie in seinen Augen hatte sehen wollen. Und jetzt doch tat.

„Was lief da?" Diese Frage kam ruhig über seine Lippen und leise. Doch Magdalena machte dieser Tonfall trotzdem Angst. Sie biss sich auf die Lippen und suchte nach Worten. Nach den richtigen Worten. Doch sie wollten ihr partout nicht einfallen.

Und Sergio reichte das. Ihm war ihr Schweigen Antwort genug. Sie hatte mit diesem Kerl geschlafen. Und ihn somit betrogen. Sergio entwich ein wütender Schrei, bevor er nach der Zeitung griff, diese zerknüllte und zu Boden warf. Erschrocken zuckte Magdalena zusammen und ging einen Schritt zurück. Dermassen wütend hatte sie den jungen Mann noch nie erlebt und er begann, ihr Angst einzuflössen. „Sergio, ich-"

„Sei still!", bellte er. Wieder zuckte Magdalena zusammen. „Bitte, hör mir doch zu..." Doch Sergio schüttelte den Kopf. „Verschwinde. Los, verschwinde! Ich will dich hier nicht mehr sehen!" Sergio spürte sich in diesem Moment nicht mehr. Er packte die junge Frau grob am Oberarm und zerrte sie zur Haustür. Magdalena hatte Angst. Sie weinte, weil sie Sergio nicht verlieren wollte. Weil sie ihn zutiefst verletzt hatte. Und weil sie in diesem Moment Angst vor seinem Wesen hatte. So wütend wie jetzt war der Fussballer bestimmt noch nie gewesen. Nicht mal auf dem Spielfeld.

„Sergio, bitte!", flehte sie ihn weinend an als sie neben ihm herstolperte, doch der Sevillano wollte nichts davon hören. Er riss die Tür auf, stellte Magdalena davor und knallte sie ihr vor der Nase zu. „Sergio, mach die Tür wieder auf!", rief sie mit zitternder Stimme und hämmerte ein paar Mal an das Holz. Doch es rührte sich nichts dahinter. Auch nicht, als sie schliesslich die Klingel drückte. Sergio wollte nicht mehr aufmachen. Schluchzend sank die junge Frau vor seiner Haustür auf den Boden und lehnte den Kopf an die Tür. Sie fühlte sich mit einem Mal so schwach und hilflos, dass sie nicht die Kraft fand, wieder aufzustehen. Also blieb sie einfach vor Sergios Haustür sitzen, den Kopf in den Händen vergraben und leise schluchzend. Denn sie hatte verloren. Sie hatte alles verloren, was ihr mal etwas bedeutet hatte. Nämlich ihn. Sie hatte den Mann, den sie liebte, verloren. Wegen eines dummen, nicht durchdachten Fehlers. Wegen eines anderen Mannes.

Irgendwann schaffte es die junge Frau, sich langsam aufzurappeln und zu gehen. Ihre Knie waren noch immer butterweich, ihr liefen noch immer Tränen über die Wangen. Doch sie senkte ihren Blick und schritt so durch die Strassen Madrids, um in ihre sicheren vier Wände zu gelangen. Als sie dort angekommen war, fühlte sie sich total erschöpft und ausgelaugt. Sie versuchte, nicht mehr gross nachzudenken und liess sich im Schlafzimmer sogleich auf ihr Bett fallen. Noch immer liefen ihr Tränen über die Wangen und sie hoffte, dass sie irgendwann keine Tränen mehr hatte und etwas zur Ruhe kommen konnte. Doch noch war das nicht in Sicht. Stattdessen rollte sich Magdalena auf der Matratze zusammen und vergrub das Gesicht in den Kissen. Sie fühlte sich, als ob ihr jemand das Herz rausgerissen hätte. Als wäre sie nur noch ein halber Mensch. Weil Sergio nicht mehr hier war. Und es war ihre Schuld. Ihre ganz alleine. Ein weiteres Schluchzen entwich ihrem Mund und sie zwang sich nun, tief durchzuatmen. Endlich gelang es ihr ein wenig und sie beruhigte sich etwas.

Doch erst als ihr Handy mit einem Mal zu klingeln begann, zuckte sie erschrocken zusammen und setzte sich so schnell auf, dass ihr für einen Moment schwindelig wurde. Doch sie beachtete diesen Zustand nicht, sondern griff nach ihrem Handy, in der Hoffnung, dass es Sergio war, der sie anrief. Doch diese Hoffnung wurde sogleich wieder zerstört, als sie Leonors Namen auf dem Display blinken sah. Seufzend ging sie ran. Denn wenn sie es nicht getan hätte, würde Leonor bestimmt nicht lockerlassen weil sie genau wissen würde, dass etwas nicht stimmte.

„Hey Süsse! Sag mal, wo steckst du denn? Wir waren doch verabredet!", sagte Leonor, kaum war Magdalena rangegangen. Und jetzt fiel ihr mit einem Mal wieder ein, dass sie mit Leonor einen Kaffee trinken gehen wollte und das durch den Streit mit Sergio total vergessen hatte.

Unwillkürlich entwich Magdalena wieder ein Schluchzer, woraufhin Leonor sogleich nachhakte, was los sei. Unter Tränen erklärte sie ihrer besten Freundin, was passiert war und diese fackelte nicht lange, sondern wies Magdalena an, sich nicht von der Stelle zu rühren, sie würde sofort zu ihr kommen.

Tatsächlich stand die Spanierin keine halbe Stunde später bei Magdalena auf der Matte und setzte sich mit ihr schliesslich ins Wohnzimmer. „So...jetzt erzähl mir nochmal, was genau passiert ist. Du hast so rumgestammelt, dass ich kaum was verstanden habe", verlangte sie mit ruhiger Stimme. Magdalena schniefte leise und fuhr sich übers Gesicht um die Tränen wegzuwischen, bevor sie ihrer besten Freundin noch einmal alles erzählte. Von ihrem Streit mit Sergio, von dieser Bar, in der sie sich merkwürdigerweise gut gefühlt hatte, von der Nacht mit Pedro und dem nächsten – heutigen – Tag.

Leonor hörte ihr aufmerksam zu, tröstete sie, wenn sie wieder in Tränen ausbrach und versuchte, für ihre beste Freundin da zu sein.

„Aber...Magdi...warum hast du das denn überhaupt getan? Du hast doch gewusst, dass es falsch ist", wollte Leonor schliesslich dann doch wissen und sah die junge Spanierin eindringlich an. Dieser entwich ein tiefes Seufzen und sie senkte beschämt den Kopf. „Zwischen mir und Sergio war schon vorher etwas kaputt. Seit diesem...Zeitungsartikel von ihm und dieser Frau. Ich...hatte immer ein merkwürdiges Gefühl, wenn er Auswärtsspiele hatte und als ich mit ihm darüber geredet habe, ist er ausgeflippt und dann...ja, dann ist das halt mit Pedro passiert...", erklärte sie leise. Leonor nickte daraufhin. „Ich weiss, dass mein Tun durch nichts zu rechtfertigen ist. Auch nicht durch Sergios Verhalten in Deutschland...Gott, du hättest ihn sehen sollen, Leonor. Er hat...mich rausgeworfen..." Kurz schwieg sie, dann schossen ihr erneut Tränen in die Augen. „Er...w-war so...wütend...er hat...er ist...a-ausgerastet", stammelte sie nun, während sie wieder weinte. Ihr tat mit einem Mal alles weh. Sie hatte den Mann, den sie liebte, betrogen. Sie hatte ihn verloren, obwohl sie sich geschworen hatte, niemals Schuld an einer Trennung zu sein. Jedenfalls nicht mit so einer Schuld. Aber jetzt war sie es. Und langsam schlich sich das Gefühl, etwas in ihr würde sterben, in ihren Körper.

„Süsse, wir müssen uns einfach überlegen, wie du Sergio zurückgewinnen könntest. Er liebt dich doch. Würde er mir sagen, dass er dich nicht mehr liebt, dann würde ich ihm nicht glauben. Nicht ein Wort. Also, lass uns einen klaren Kopf behalten und nachdenken, Magdalena."


Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt