I found out

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Maybe I was stupid for telling you goodbye

Maybe I was wrong for tryin' to pick a fight

I know that I've got issues

But you're pretty messed up too

Either way, I found out I'm nothing without you

[Kelly Clarkson - My life would suck without you]


Die nächsten Tage zogen ins Land und wurden zu Wochen, in denen es für Magdalena und für Sergio selbstverständlich wurde, mal hier, mal da zu wohnen. Ab und zu waren sie bei Sergio zu Hause, doch die meiste Zeit, die verbrachten sie bei Magdalena. Der Fussballer mochte ihre Wohnung, die hell, freundlich und gemütlich war. Auf die Frage, warum er sich denn nicht ein solches Appartement kaufen würde - schliesslich hatte Sergio genügend Geld dafür - meinte er nur, dass er sein Haus mochte und keine Lust habe, wirklich umzuziehen. Damit hatte Magdalena sich zufrieden gegeben, denn schliesslich war sie insgeheim sehr froh, Sergio so oft bei sich zu haben. Sie liebte es, in seinen Armen einschlafen zu können und fühlte sich wohl in seiner Nähe.

Je wohler sie sich also bei ihm fühlte, desto schwieriger waren die Tage zu überstehen und desto länger waren die Nächte, wenn Sergio unterwegs war mit Real Madrid oder der spanischen Nationalmannschaft. Magdalena vermisste ihn dann immer schrecklich und musste sich zusammenreissen, ihn nicht ständig anzurufen oder eine SMS zu schreiben. Sie wollte auf gar keinen Fall als Klette gelten. Denn das war sie nicht. Sie war selbständig und konnte auch gut auf sich selbst aufpassen. Immerhin hatte sie das auch gekonnt bevor sie Sergio kennengelernt hatte. Ausserdem hatte sie noch Leonor, mit der sie sich immer mal wieder traf wenn Sergio nicht da war. Dann veranstalteten sie Mädels-Abende wenn sie nicht arbeiten mussten. Sie sahen sich romantische Liebesfilme oder Komödien an, weinten dabei, assen Chips und Popcorn oder sprachen über Männer. Alles in allem war Magdalena nie alleine und sie genoss die Zeit mit ihrer besten Freundin auch in vollen Zügen. Denn diese lenkte sie immer wieder von ihrer Sehnsucht nach Sergio ab.

Doch auch jetzt noch kam es immer mal wieder zu Streitereien zwischen dem jungen Paar. Da Sergio die meiste Zeit bei Magdalena verbrachte, häuften sich seine Klamotten bei ihr und auch seine Trainingssachen fanden immer mal wieder den Weg in ihre Wohnung. Dass Sergio im Gegenzug nicht einen Finger rührte um seiner Freundin ab und zu mal im Haushalt mitzuhelfen, erduldete Magdalena anfangs noch. Doch nach und nach ging es ihr immer mehr auf die Nerven, dass er alles als selbstverständlich hinnahm.

„Sergio, ist es denn zu viel verlangt, wenn du auch mal staubsaugst? Oder wenn du den Abwasch machst?", fragte sie ihn eines Tages, als sie beide auf der Couch sassen und in irgendwelche Zeitschriften vertieft waren. Langsam hob der Fussballer den Kopf und sah seine Freundin an. Ein Hauch von Verständnislosigkeit war in seinem Blick auszumachen, doch Magdalena ignorierte diesen gekonnt. „Ist doch gar nicht schmutzig hier", meinte er und sah sich kurz im Wohnzimmer um. Magdalena seufzte. „Darum geht's jetzt doch gar nicht!", knurrte sie. „Es geht darum, dass du mir nie was hilfst. Du wohnst hier schon fast, aber du glaubst, ich schmeisse den ganzen Haushalt alleine!" Langsam aber sicher wurde die junge Frau wütend. Denn sie sah, dass es Sergio in diesem Moment herzlich wenig interessierte, was sie ihm zu sagen hatte. „Jetzt reg dich doch nicht so auf", meinte Sergio schliesslich und legte endlich seine Sportzeitschrift beiseite. Magdalena schnaubte. „Ich reg mich aber auf! Du tust so gleichgültig als ob dich das alles absolut nichts angehen würde! Dabei wohnst du in meiner Wohnung! Und das schon ein paar Wochen lang! Da ist es doch nicht zu viel verlangt, wenn du mal etwas helfen könntest!" Sergio richtete sich ein wenig mehr auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Tut mir leid, aber ich habe viel um die Ohren. Immerhin spiele ich in einem Fussballclub, da kann ich nicht immer nach deiner Pfeife tanzen, Señorita!", gab der Sevillano nun zurück. „Jetzt tu nicht so als wärst du der König von Spanien!", giftete sie zurück. Mittlerweile war sie vom Sofa aufgesprungen und funkelte ihren Freund nun wütend an. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, rauschte sie davon und einen Moment lang glaubte Sergio, sie würde einfach gehen. Doch sie kam wieder, in der Hand die Zahnpastatube. „Und was ist damit, hm? Fehlt dir auch noch die Zeit, wenigstens die Zahnpastatube zuzuschrauben? Immer liegt sie offen im Bad! Du weißt, dass ich das hasse!", rief sie und wedelte dabei mit der Tube vor seinem Kopf herum. Der junge Mann kniff die Augen zusammen und runzelte die Stirn. „Du hast mir nie gesagt, dass du es hasst wenn die Zahnpastatube offen rumliegt!", entgegnete er. Langsam aber sicher wurde er grantig. Was hatte er getan, dass Magdalena ihm jetzt solche Vorwürfe machte? „Ach, ist doch jetzt auch egal!", knurrte sie und begann nun, vor der Couch hin und her zu laufen. Sie wollte sich im Grunde nicht mit Sergio streiten. Sie hasste Streitereien. Aber sie hatte das Gefühl, wenn sie ihm jetzt nicht sagte, was sie störte, dann würde es ewig so weitergehen und irgendwann würde sie sich mit ihm nicht mehr wohl fühlen. Und das wollte sie auf gar keinen Fall. „Nein, das ist nicht egal. Wenn du mir schon Vorwürfe machst, dann hör dir wenigstens auch an, wenn du was falsch machst!", rief Sergio nun aus und verwarf die Hände über dem Kopf. Sein Herz raste mittlerweile, der unterdrückte Ärger kroch schleichend seinen Magen hinauf. „Fein, wenn du es so willst", gab Magdalena zurück und hob dann ein Shirt des Fussballers vom Fussboden auf. „Und was ist damit? Überall liegen deine Klamotten bereits hier rum! Es ist mir egal, wenn du in deinem Haus immer und überall deine Kleider rumliegen lässt, aber nicht bei mir!" Sergio stöhnte mittlerweile genervt auf. „Ich habe nun mal viel zu tun, entschuldige! Oder glaubst du, es wäre in Ordnung, wenn ich einfach mal nicht zur Pressekonferenz, zum Training, zu einem Spiel oder sonst einer Besprechung gehe nur weil meine Freundin von mir verlangt, dass ich den Haushalt schmeisse?" Seine Stimme war laut geworden. So laut, dass Magdalena im ersten Moment zusammenzuckte. Doch sie hatte sich schnell wieder gefasst. „Jetzt brauchst du mir gar kein schlechtes Gewissen machen, Señor! Denn das ist keine Entschuldigung dafür, dass du ein fürchterlicher Chaot bist!" Sie warf ihm sein Shirt entgegen, er fing es auf und warf es sogleich auf die Couch. „Siehst du? Genau das meine ich!", rief die junge Spanierin aus und hätte ihm das Kleidungsstück am liebsten um die Ohren gehauen. Sie versuchte, tief durchzuatmen. Wenn sie sich nicht beide beruhigen würden, dann artete das hier womöglich noch aus. Doch soweit kam es gar nicht. „Weißt du was? Du kannst mich mal!", rief Sergio, schnappte sich nun sein T-Shirt doch wieder und verliess ohne ein weiteres Wort zu sagen Magdalenas Wohnung.

Die temperamentvolle, junge Spanierin stand im Flur und starrte auf die helle Tür, die ihr Freund gerade hinter sich zugeschlagen hatte. Irgendwann stiess sie die Luft aus ihren Lungen raus und liess die Schultern hängen. Was hatten sie nur getan? Wochenlang hatten sie eine schöne, harmonische Beziehung geführt. Und ihretwegen, weil sie das Gefühl gehabt hatte, Sergio mal für sein chaotisches Verhalten zu kritisieren, stritten sie sich jetzt.

„Scheisse!" Sie fuhr sich durchs lange, dunkle Haar, drehte sich um und ging zurück ins Wohnzimmer. Dort liess sie sich auf die Couch fallen und legte den Kopf auf die Lehne. Warum nur hatten sie sich wegen so etwas gestritten? Im Nachhinein tat es ihr unglaublich leid, sich mit dem Mann, den sie liebte, über so etwas gestritten zu haben. Es war doch gar nicht so schlimm, das Chaos in ihrer Wohnung. Ein paar Handgriffe und alles wäre wieder aufgeräumt. Doch sie hatten sich gestritten. Völlig unnötig und dann auch noch eine solch grosse Auseinandersetzung. Da hab ich aus einer Mücke 'nen Elefanten gemacht, schoss es Magdalena durch den Kopf. Aber nun war es zu spät, sie hatten sich gestritten und dieses Mal war es absolut ihre Schuld gewesen.

Den ganzen restlichen Tag über verbrachte sie grübelnd bei sich zu Hause und versuchte, sich irgendwie abzulenken. Sie wollte nicht über sich, Sergio und ihren Streit nachdenken. Und doch drängte sich dieses Thema immer und immer wieder in ihre Gedanken. Bis es ihr reichte und sie beschloss, Sergio doch anzurufen. Auch wenn sie Angst vor dieser Konfrontation hatte. Sie befürchtete, dass der Streit gleich wieder weitergehen könnte, sobald sie ihn anrief. Aber wenn sie es nicht tat, dann würde sie nie zur Ruhe kommen. Ausserdem wollte sie diesen Streit aus der Welt schaffen und wieder Harmonie in ihrer Beziehung.

Das Herz klopfte schnell gegen ihre Rippen und sie musste sich zwingen, ruhig zu bleiben, während sie Sergios Nummer wählte und dann dem regelmässigen, tutenden Freizeichen lauschte. Geh schon ran, flüsterte sie in Gedanken immer wieder, bis endlich ein Knacken in der Leitung und gleich darauf Sergios Stimme zu hören war. „Was ist denn?" Er klang genervt und augenblicklich bereute Magdalena es, ihn angerufen zu haben. Was, wenn er gerade etwas Wichtiges vor hatte? Wenn sie ihn nun störte und somit noch wütender machte? „Hey. Ich...also...na ja, ich wollte..." Sie hielt wieder inne und schloss die Augen. Jetzt brachte sie nicht mal mehr einen vernünftigen Satz zustande! „Ja?" Sergios Stimme riss sie wieder zurück in die Realität. „Sergio, es...es tut mir leid, wirklich. Ich hätte dich nicht so anpflaumen dürfen. Es...entschuldige bitte", sprudelte es dann mehr oder weniger aus ihr heraus und sie hoffte inständig, er würde sich erweichen lassen und ihre Entschuldigung annehmen. Sie hörte ihn seufzen am anderen Ende der Leitung. „Echt, ich will mich wegen solch banalen Dingen nicht mit dir streiten, Magdi. Ich liebe dich." Sie lächelte bei seinen Worten und biss sich auf die Unterlippe. „Ich liebe dich doch auch."


Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt