I'll carry you when you need a friend

192 9 0
                                        

I promise you, I'm always there

When your heart is filled with sorrow and despair

I'll carry you when you need a friend

You'll find my footprints in the sand

[Leona Lewis - Footprints in the sand]


„Was ist geschehen?"

„Komm, bringen wir sie zur Bar, sie ist doch eine Barkeeperin von hier."

Nur verschwommen nahm Magdalena die Stimmen wahr, die anscheinend direkt neben ihr waren. Sie spürte nur Hände, die sie packten und auf die Beine zogen. Doch ihre Beine vermochten sie nicht zu tragen, sie waren wie aus Gummi und knickten weg, sobald Magdalena alleine stehen sollte.

„Hilfe! Kann uns jemand helfen?", rief einer der beiden jungen Männer, die Magdalena zur Bar gebracht hatten. „Oh mein Gott, was ist passiert?" Nur verschwommen sah die junge Frau ihre Freundin Leonor, die sich hinter der Theke hervordrängelte. Magdalena runzelte die Stirn, doch diese Bewegung tat weh. Sie spürte das Blut, welches ihr übers Gesicht lief, fand jedoch nicht die Kraft dazu, es wegzuwischen. „Manuel!", schrie Leonor gegen die laute Musik an. Der Besitzer des Lokals war auf der Stelle da. „Was ist passiert?", wollte er von den beiden Männern wissen. Diese jedoch zuckten nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Wir haben sie so vor der Damentoilette gefunden, sie konnte sich kaum auf den Beinen halten!" Manuel nickte knapp, bevor er ihnen die junge Frau abnahm. „Kannst du gehen, Kleines?", fragte er. Fahrig schüttelte Magdalena den Kopf. Ihr war schwindlig, sie schmeckte Blut und ihr wurde auf der Stelle schlecht vom metallenen Geschmack. „Na, dann komm." Hilfsbereit legte er Magdalena einen Arm um die Hüfte und den ihren über seine Schulter. „Leonor, kommst du klar? Ich bringe sie ins Krankenhaus", fragte Manuel. Besorgt nickte Leonor. „Geh nur, ich krieg das schon hin."

Magdalena lehnte in Manuels Wagen mit dem Kopf am Fenster, die Augen hatte sie geschlossen in der Hoffnung, dass ihr dann nicht mehr so schwindlig sein würde. Doch dem war nicht so. Nach wie vor drehte sich bei ihr alles und verstärkte die Übelkeit nur noch. „Musst du dich übergeben?" Besorgt warf Manuel seiner Barkeeperin einen kurzen Seitenblick zu. Magdalena flüsterte ein leises „weiss nicht", bevor sie sich wieder darauf konzentrierte, nicht ohnmächtig zu werden.

Noch einmal warf Manuel ihr einen kurzen Blick zu, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Strasse. Einen Unfall bauen wollte er nicht auch noch. Es reichte, dass er nicht wusste, was genau mit Magdalena war.

Und dennoch drückte er aufs Gas, damit er so schnell wie möglich im Krankenhaus ankam. Denn Magdalena wurde – so hatte er das Gefühl – mit jeder Minute blasser und er hatte Angst, dass sie doch noch ohnmächtig wurde oder sich übergeben musste.

Direkt vor dem Eingang der Notaufnahme hielt Manuel, stieg aus und eilte ums Auto herum um Magdalena zu helfen. Alleine gehen war für sie unmöglich, noch immer drehte sich alles um sie herum und ihre Beine fühlten sich an wie aus Gummi oder Pudding.

„Ich...du...bitte ruf Sergio an", murmelte sie irgendwann leise. Sie verspürte das Bedürfnis, nur ihn bei sich haben zu wollen. „Klar, mach ich. Aber erst musst du verarztet werden", versicherte er ihr, während er sie stützte und ins Innere der Notaufnahme führte.

„Was ist passiert?" Eine Krankenschwester kam auf die beiden zugeeilt, ein konzentrierter Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. „Ich...weiss nicht genau. Aber wahrscheinlich hat jemand...seine Aggressionen an ihr ausgelassen", erklärte Manuel knapp. Die Frau mit schwarz-grauen Haaren nickte und gemeinsam mit Manuel brachte sie Magdalena in eines der Behandlungszimmer. „Ich hole gleich einen Arzt. Bitte warten Sie dann draussen." Mit diesen Worten wuselte die Krankenschwester wieder davon und liess Manuel mit Magdalena alleine im Zimmer zurück. „Geht's?", fragte der Clubbesitzer und strich ihr behutsam eine Haarsträhne aus der blutigen Stirn. „Mhm", war alles, was die junge Frau rausbrachte. Noch immer hämmerte ihr Herz wie verrückt gegen die Brust. Noch immer hatte sie das Gefühl, zu schweben. Doch es war kein angenehmes Schweben. Es machte ihr Angst und sie wollte einfach nur Sergio bei sich haben. Denn bei ihm fühlte sie sich sicher und beschützt. Doch Sergio war nicht da. Noch nicht. „Bitte...ruf...Sergio an", wiederholte Magdalena noch einmal und unbeholfen kramte sie ihr Handy aus der Hosentasche. Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür und ein Arzt trat ein. „Guten Abend", begrüsste er Manuel und Magdalena. „Was ist passiert?" Manuel seufzte und fuhr sich durchs Haar. „Das ist der Punkt. Ich weiss es nicht. Und Magdalena sagt es nicht." Der Arzt nickte. „Nun gut. Warten Sie bitte draussen, während ich die junge Dame untersuche."

„Bitte, Manuel. Ruf...ruf Sergio an. Vergiss es nicht!"

„Keine Sorge, Kleines. Ich rufe ihn gleich an", versprach der Mann, ehe er das Untersuchungszimmer verliess und sich im Warteraum hinsetzte. In der rechten Hand hielt er Magdalenas Handy. Sollte er wirklich ihren Freund anrufen? Sergio Ramos? Er war doch bestimmt irgendwo unterwegs. Manuel seufzte. Er musste. Magdalena hatte ihn darum gebeten und Verzweiflung hatte in ihrer Stimme geklungen. Langsam wanderte sein Daumen über die Tasten des Handys und er suchte nach Sergios Nummer. Schnell hatte er sie gefunden, drückte den grünen Hörer und lauschte dann dem regelmässigen Tuten in der Leitung.

„Hey Süsse, was gibt es?" Ein scheinbar gutgelaunter Sergio ging nach dreimal Klingeln ran. „Hier ist nicht...Magdalena", meldete sich Manuel und lehnte sich ein wenig im unbequemen Plastiksessel zurück. „Ach...und mit wem hab ich das Vergnügen?" Das Misstrauen war deutlich in Sergios Stimme zu hören. „Ich bin Manuel, Magdalenas Chef", begann Manuel zu erklären, „Sie...hatte einen kleinen Unfall. Nur weiss ich nicht genau, was passiert ist. Aber...ich bin jetzt mit ihr im Krankenhaus, sie wird untersucht und verarztet."

„Was? Was ist passiert? Warum ruft man mich erst jetzt an? Ich-" Miguel seufzte. „Schon gut, beruhigen Sie sich, Señor Ramos. Magdalena hat mich gebeten, Sie anzurufen. Können Sie herkommen? Ich glaube, sie braucht Sie jetzt. Aber es geht ihr dementsprechend."

„Klar komme ich vorbei! Ich bin in ein paar Minuten da!" Ehe Manuel noch etwas hätte sagen können, hatte Sergio auch schon aufgelegt.

Nachdenklich musterte Manuel das Handy seiner Barkeeperin und wieder entwich ihm ein leises Seufzen. Er hätte gerne gewusst, was passiert war in seinem Club. Und er wusste, er würde noch rausfinden, was los gewesen war.

Eine Viertelstunde später war Sergio noch immer nicht da, doch Magdalena wurde vom Arzt aus dem Behandlungszimmer geführt. Als Manuel dies bemerkte, sprang er sogleich von seinem Sessel auf und eilte auf die junge Frau zu. „Magdalena! Wie geht's dir? Alles okay?" Sie verzog das Gesicht schmerzhaft. „Es geht. Mir ist...schwindlig. Und schlecht", murmelte sie dann. „Sie braucht viel Ruhe", erklärte der Arzt Manuel nun, welcher nickte. „Ihr Freund wird gleich hier sein, ich denke, er wird sich dann um sie kümmern." Der Arzt war einverstanden, sagte noch, dass er Magdalena in fünf Tagen wiedersehen wolle und ging dann davon.

„Ich muss mich setzen", sagte Madalena kurz darauf und Manuel stützte sie noch ein wenig, als sie zu den Stühlen gingen.

„Sergio kommt gleich, hat er gesagt. Er klang...besorgt", berichtete Manuel und liess die junge auf einen der Stühle sinken.

Genau in diesem Moment ging die automatische Glastür zur Notaufnahme auf und Sergio eilte hinein. Sein Haar flatterte, sein Gesichtsausdruck sprach von grosser Besorgnis.

„Süsse!" Etwas ausser Atem liess sich der junge Fussballer vor seiner Freundin auf die Knie sinken und sah sie eindringlich an. „Was ist passiert?"

Magdalena sah Sergio an. Seine braunen Augen waren nicht mehr so unbeschwert wie noch vor ein paar Tagen. „Ich...weiss nicht mehr genau", begann sie nun, runzelte dabei die Stirn und verzog das Gesicht. Der Schmerz, der durch ihren Kopf schoss, raubte ihr fast den Atem. Doch sie wollte weiterreden. „Da waren zwei Mädels, die...die gingen auf mich los, ohne Grund. Und dann...bin ich...gegen irgendetwas...geknallt." Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Schon okay." Sergio strich ihr sanft übers Haar. „Komm, lass uns nach Hause gehen." Er erhob sich und half dann Magdalena aufstehen. „Danke, Manu", murmelte sie noch. „Du bleibst erst mal einige Tage zu Hause. Meld dich dann einfach wieder bei mir."

„Ist gut." Sergio verabschiedete sich ebenfalls von Manuel, bevor er seine Freundin aus der Notaufnahme zu seinem Audi begleitete.

Egal, was Magdalena wollte, er würde sie heute Abend mit zu sich nehmen. Auf gar keinen Fall wollte er seine Freundin alleine lassen.


Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt