Was hast du mit mir gemacht?
Warum tust du mir das an?
Was soll ich noch ändern?
Ich komm nur wieder bei dir an
[Silbermond - Durch die Nacht]
Es war still bei Magdalena zu Hause. Nur eine Lampe im Wohnzimmer beleuchtete den Raum spärlich. Doch Magdalena hatte keine Lust dazu, sich vom Sofa zu erheben und eine weitere Lampe anzuknipsen. Ausserdem sah sie keinen Sinn darin. Immerhin sass sie hier alleine auf ihrer Couch und das vorhandene Licht reichte ihr völlig. Sie hatte wieder Kopfschmerzen und am liebsten hätte sie sich hingelegt. Doch dafür war sie innerlich viel zu sehr aufgewühlt. Der Streit mit Sergio ging ihr nicht mehr aus dem Kopf und sie fragte sich, ob sie überreagiert hatte. War es wirklich nötig gewesen, dass sie Sergio einfach so hatte stehen lassen, nur weil sie Angst hatte, schon wieder auszugehen? Sie seufzte und griff nach dem dunkelblauen Kissen, welches am Ende der Couch lag. Sie presste es an ihre Brust und legte ihr Kinn darauf. Das leise Ticken der Wanduhr über dem Fernseher beruhigte sie auf gewisse Weise. Sie war das einzige Geräusch, welches die junge Frau im Moment hörte und es genügte ihr vollkommen. Mehr ertrug sie nicht. Denn dafür rasten ihr viel zu viele Gedanken durch den Kopf. Sie hätte sich ohrfeigen können. Warum nur hatte sie sich so aufgeführt? Nach allem, was Sergio in den letzten Wochen für sie getan hatte, war es das letzte, so von ihr angepflaumt zu werden. „So ein Mist", murmelte sie nun und pfefferte das Kissen zurück aufs Sofa, bevor sie sich erhob und in die Küche ging. Sie öffnete den Kühlschrank, warf einen Blick rein und schloss ihn wieder. Sie hatte keinen Hunger. Nicht mal Durst hatte sie. Nur ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengegend war vorhanden.
Sie spielte mit dem Gedanken, Sergio anzurufen und sich bei ihr zu entschuldigen. Doch dann überlegte sie es sich doch wieder anders. Sie fand den Mut, ihn anzurufen, einfach nicht. Sie hatte Angst davor, dass nun er es sein würde, der sie anpflaumen würde und dass er vielleicht doch nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Sie schnaubte und öffnete dann doch noch einmal den Kühlschrank, um eine Flasche stilles Wasser herauszunehmen und sich ein Glas davon einzugiessen. Nachdenklich nippte Magdalena daran und starrte dabei die kleinen Plättchen an, die die Wand in der Küche säumten. Sie waren in schönem, warmem Braun gehalten und einzelne Plättchen waren verziert mit wunderschönen Rosen. Warum konnte sie nicht eine dieser Rosen sein? Dann hätte sie jetzt weder ein schlechtes Gewissen noch würde sie sich so mies fühlen wegen Sergio. Magdalena schüttelte den Kopf. „Du spinnst doch", murmelte sie und stellte das halb volle Wasserglas etwas energischer als beabsichtigt auf der Anrichte ab. Das Wasser darin schwappte leicht von einer Seite auf die andere, trat allerdings nicht über den Rand. Dafür war nicht genug Wasser im Glas. Magdalena musterte es noch einen Augenblick lang, dann schlurfte sie zurück ins Wohnzimmer. Draussen war es bereits dunkel geworden und die Lichter der Stadt funkelten, als wären alle Madrider glücklich und zufrieden. Doch dem war nicht so. Magdalena fühlte sich alles andere als glücklich und zufrieden. Sie trat langsam raus auf den Balkon und stützte sich mit den Unterarmen auf dem Geländer fest während sie ihren Blick über die Stadt schweifen liess. Sie mochte ihre Wohnung. Und sie mochte Madrid.
Hier war ihr neues Zuhause und eigentlich war sie hier wirklich glücklich. Wenn nicht die Sache mit Sergio gewesen wäre. Sie war noch nie eine Freundin von Streitereien gewesen, weil sie damit aufgewachsen war und sie hatte Weissgott genügend solcher Auseinandersetzungen gehabt in ihrer Kindheit. Nachdenklich sah sie nun hoch zum Himmel. Es schien keine Wolke da zu sein, denn sie konnte die Sterne sehen. Etwas zog sich in ihrer Magengegend schmerzhaft zusammen. Die Sterne funkelten wunderschön und zu gerne hätte sie diese nun mit Sergio ansehen können. Wie gerne wäre sie jetzt in seinen Armen gelegen und hätte mit ihm Sternbilder gesucht und gerätselt, was sie genau darstellen könnten. Doch Sergio war nicht hier. Nur sie stand ans Geländer gelehnt da und starrte rauf in den schwarzen Himmel, der gespickt war mit vielen kleinen, leuchtenden Punkten. Sie seufzte und wandte ihren Blick wieder ab. Alleine Sterne zu betrachten war nicht schön. Und sie spürte, dass sie Sergios Nähe vermisste. Missmutig verschwand Magdalena wieder im Innern ihrer Wohnung und schloss leise die Tür.
Vielleicht war es an der Zeit, ins Bett zu gehen. Ansonsten würde sie ohnehin nur die ganze Nacht dasitzen und darüber nachdenken, was sie jetzt tun sollte bezüglich des Streits mit Sergio.
Als Magdalena dann endlich in ihrem Bett lag, eingekuschelt in ihre Decke und an die Decke starrend, wurde ihr mal wieder bewusst, wie sehr sie Sergio eigentlich liebte. Wie dumm war sie gewesen, sich wegen etwas wie ein Abendessen mit ihm zu streiten! Sie hätten bestimmt auch ohne laut zu werden eine Lösung gefunden. Irgendeinen Kompromiss, damit es für sie beide gestimmt hätte. Doch soweit hatten sie nicht gedacht. Viel lieber hatte vor allem sie ihn angezickt und viel lieber hatte er stur sein und kein Verständnis für sie aufbringen wollen.
Seufzend rollte sich die junge Frau nun auf die Seite und zerknautschte mit ihren Armen ein wenig das Kissen. Ihr Blick fiel auf die Digitaluhr, die auf dem Nachttisch stand. Schon ein Uhr morgens. Magdalena kniff die Augen zusammen. Sie wollte schlafen. Sie brauchte noch Schlaf, damit sie auch tagsüber nicht mehr an Kopfschmerzen litt. Schlaf war bekanntlich die beste Medizin. Doch wie sollte sie schlafen wenn ihre Gedanken ständig und ohne Unterbruch nur um Sergio kreisten? Sie fragte sich, ob er wütend auf sie war oder ob er womöglich auch an sie dachte und sich fragte, was sie gerade machte. „Jetzt schlaf endlich!", grummelte sie mit noch immer geschlossenen Augen und zwang sich, diese nicht mehr zu öffnen. So lag sie da, lauschte jedem noch so kleinen Geräusch, das sie wahrnehmen konnte. Egal, ob es das leise surren des Kühlschranks war, welches sie hören konnte wenn sie ganz still war und sich konzentrierte, oder ob es die Autos waren, die noch immer umherfuhren, obwohl es mitten in der Nacht war. Hier und da vernahm sie auch leise Stimmen von Nachtschwärmern, die noch nicht daran dachten, nach Hause in ihre Betten zu verschwinden und bestimmt auf der Suche nach der nächsten Bar oder Disco waren.
Magdalena versuchte, sich nur auf ihren eigenen Atem zu konzentrieren und nicht noch den anderen, unzähligen Geräuschen zu lauschen. Nach und nach gelang ihr dies sogar und sie dämmerte langsam aber sicher weg.
Erst als die ersten Sonnenstrahlen durch die spärlich zugezogenen Vorhänge drangen, rührte sich Magdalena wieder. Wider erwarten hatte sie gut geschlafen. Die anfängliche Mühe, nicht schlafen zu können hatte sich gelegt sobald sie damit begonnen hatte, nur auf ihren Atem zu lauschen. Jetzt, wo die Sonne sie bereits blendete, fühlte sie sich etwas besser als noch tags zuvor. Vielleicht würde ja alles wieder gut werden zwischen ihr und Sergio. Sie hoffte es und beschloss kurzerhand, sich heute bei ihm zu melden um sich zu entschuldigen.
Als es mit einem Mal an ihrer Haustür klingelte, zuckte sie erschrocken zusammen. Hastig schlug Magdalena die Bettdecke zurück und sprang hoch. Ohne gross zu überlegen, was sie trug, tapste sie mit nackten Sohlen in den Flur und fragte sich dabei, wer um diese Uhrzeit bei ihr vorbeischauen wollte. Vielleicht der Postbote? Diesen Gedanken verwarf sie sogleich wieder, sie bekam so gut wie nie Post. Und wenn, dann war es Werbung oder Rechnungen.
Vielleicht ein Vertreter, der ihr etwas verkaufen wollte, zum Beispiel Kosmetik oder die neuesten, tollsten Haushaltsgeräte? Auch diesen Gedanken verwarf sie wieder, diese Leute klingelten nicht um acht Uhr morgens an den Türen.
Mit einem tiefen Seufzer auf den Lippen schloss Magdalena die Haustür auf und öffnete sie. Der Seufzer blieb ihr im Hals stecken, als sie die Person, die vor ihr stand, erkannte.
„Sergio? Was...was tust...du denn hier?"
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Bad Romance
FanfictionAls Magdalena Santiago auf Sergio Ramos trifft, beginnt eine leidenschaftliche Liebe. Doch die beiden sind grundverschieden, was häufig zu Streit führt. Und obwohl sie sich immer wieder versöhnen, gelangen sie irgendwann an den Punkt, wo sie festste...
