Life is a road

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Life is a road and I want to keep going

Love is a river I wanna keep flowing

Life is a road

Now and forever

[Richard Marx - At the beginning]



Es war heiss im Low Club. Richtig heiss. Doch es störte Magdalena nicht. Seit gut einer Woche arbeitete sie nun hier an der Bar und hatte sich gut eingelebt. Ihre Arbeitskollegen waren bereits der Meinung, sie sei ein Naturtalent, weil sie innerhalb eines Tages gelernt hatte, alle hier erhältlichen Drinks zu mixen. „Nicht schlecht", hatte Manuel mit anerkennender Miene ihre Arbeit kommentiert und Magdalena hatte endlich wieder das Gefühl, zu etwas nütze zu sein und gebraucht zu werden.


„Einen Martini!", rief ihr jemand hinter der Theke zu und mechanisch nickte Magdalena. Sofort machte sie sich daran, dieses Teufelsgetränk, wie sie fand, zu mixen. Sie mochte Martinis zwar, aber davon wurde sie immer so schnell betrunken, dass sie sich mittlerweile damit abgefunden hatte, höchstens einen davon zu trinken, wenn sie ausging.


Wenige Minuten später stellte sie das typische Martiniglas auf die Theke und schenkte dem Gast noch ein Lächeln. Dieser erwiderte es und reichte ihr dann das Geld für den Drink.

Und kaum hatte sie dieses auch schon in der Kasse verstaut, sprach sie der nächste Gast an und verlangte nach einem Drink.


Währenddessen betraten Cristiano, Guti, Marcelo und Sergio den Club. Obwohl es erst elf Uhr abends war, waren doch schon eine ganze Menge Leute hier. Und insgeheim hoffte Sergio, dass er nicht gleich von jedem erkannt wurde. Er wollte hier in Ruhe ein bisschen feiern, tanzen und etwas trinken. Und nicht ständig von Fans angesprochen werden. Auch wenn er diese liebte.

„Tanzen oder trinken?", fragte Guti laut, damit seine Freunde ihn trotz der lauten Musik auch hören konnten. Kurze Blicke wurden gewechselt, bevor sich Sergio freiwillig meldete, die Drinks zu besorgen. Guti wollte ein Bier, Cristiano einen Caipirinha, Marcelo einen Martini und Sergio selbst stand ebenfalls auf Martinis.

Der Verteidiger von Real Madrid nickte und bahnte sich dann einen Weg durch die Menschenmenge, während seine Freunde einen freien Platz suchten im hinteren Teil des Clubs. Dort standen kleine runde Tischchen mit Barhocker und Sofas.


Einen Moment lang musste Sergio warten, bis ein Plätzchen an der Bar frei wurde, damit er bestellen konnte. Als es soweit war, stützte er sich mit den Ellbogen auf den Tresen und sah sich kurz die Mitarbeiter hier an. Alle waren momentan dabei, jemanden zu bedienen. Alle bis auf eine Person. Die dunklen Haare hatte sie locker zusammengebunden, damit sie sie nicht beim arbeiten störten. Sie trug ein ärmelloses rotes Shirt und eine enge Hose. Als sie sich mit einem Mal zu ihm umdrehte, hob er ganz automatisch die Hand um sie auf sich aufmerksam zu machen. Sie lächelte, nickte und eilte dann auf ihn zu.

Obwohl sie bereits innerhalb weniger Sekunden bei ihm stand, hatte diese Zeit für Sergio gereicht, um sie ein erstes Mal richtig zu mustern. Sie war schlank, hatte ein hübsches Gesicht und ihre braunen Augen strahlten beinahe mit ihrem breiten Lächeln um die Wette.


„Was hätten Sie gerne?", fragte sie laut, damit Sergio es verstehen konnte. Er setzte sein charmantestes Lächeln auf, beugte sich noch ein bisschen mehr über den Tresen und rief: „Vier Drinks!" Magdalena grinste. Sie wusste genau, wen sie hier vor sich hatte. Welcher Spanier oder welche Spanierin kannte ihn schon nicht? Sergio Ramos. Verteidiger bei Real Madrid und in der spanischen Fussballnationalmannschaft. Aber sie machte sich nichts aus berühmten Persönlichkeiten. Sie gehörte nicht zu der Sorte Mensch, die berühmte Leute anhimmelten als seien sie Götter. Damit konnte sie nichts anfangen. Sie behandelte diese Menschen genauso wie sie normale auch behandelte. Mit Respekt und Freundlichkeit.


So wie auch jetzt. Er hatte vier Drinks bestellt. Schlauberger, und welche?, schoss es ihr durch den Kopf. Doch sie lächelte weiterhin und rief zurück. „Können Sie mir noch sagen, welche Drinks ich mixen soll?"

Sergios Grinsen wurde noch um einiges breiter. Er war in Flirtlaune. „Sex on the beach!", gab er keck zurück. Magdalena nickte und wollte sich schon ans Werk machen, als Sergio sie lachend aufhielt. „Das war nur ein Scherz!", meinte er dann, „Ich hätte gerne zwei Martini, einen Caipirinha und ein Bier!"

Magdalena nickte erneut und nun machte sie sich daran, seine Bestellung zuzubereiten.

Sie spürte dabei seine Blicke in ihrem Rücken und sie fragte sich, was der berühmte Sergio Ramos wirklich von ihr wollte. Er hatte geflirtet, sie hatte es bemerkt. Und sie nahm sich vor, darauf einzugehen, sollte er einen weiteren Versuch starten.

Nach und nach stellte sie ihm die unterschiedlichen Drinks hin, während er sie immer noch grinsend beobachtete. „Ist was?", fragte Magdalena schliesslich, als sie ihm einen der beiden Martinis hinstellte. Sofort setzte er eine Unschuldsmiene auf. Gespielt erstaunt sah er sie an. „Wie kommst du jetzt darauf?", wollte er wissen. Magdalena hielt inne, runzelte die Stirn und musterte den Fussballer. „Sie haben mich gerade geduzt", meinte sie ein wenig verdattert. Wieder begann Sergio zu lächeln. Vielleicht biss sie an. Vielleicht war auch sie in Flirtlaune.

„Nun ja, hier duzen sich doch alle, oder? Ausserdem...eine solch hübsche Frau kann ich doch nicht siezen!" Da war sie also. Die Anmache, die Magdalena vermutet hatte. Dass diese aber so schnell kam, damit hätte sie nun auch nicht gerechnet.


Sie biss sich kurz auf die Lippen, sah Sergio an. Doch ohne etwas zu sagen drehte sie sich auf die andere Seite um den letzten Drink, den Caipirinha, zu machen. Ihr Herz schlug mit einem Mal ein bisschen schneller als normal. Warum tat es das? Weil Sergio Ramos sie gerade angebaggert hatte? Sonst reagierte sie auf Anmachen nie so. Sie war immer schlagfertig gewesen und hatte Kontra geben können. Meistens hatten die Männer das gemocht. Doch hier war es irgendwie anders. Sergio verwirrte sie. Und das wollte sie nicht. Leicht schüttelte Magdalena den Kopf, um ihre Gedanken wieder in eine geregelte Bahn zu bringen.


Mit einem erneuten, selbstbewussten Lächeln reichte sie Sergio den Drink. „Danke für das Kompliment", fügte sie noch hinzu, was den Fussballer ein weiteres Mal strahlen liess. „Wann hast du denn Feierabend?" Okay, der Junge war sehr direkt, das musste sie gestehen und mit seiner charmanten Art brachte er sie zum Lächeln. „Nun...bis ich hier fertig bin, wirst du wahrscheinlich schon friedlich in deinem Bett schlummern", sagte sie ihm ins Ohr, nachdem sie sich ein wenig über die Theke gelehnt hatte. Sergio seufzte kaum merklich. „Ach, wie schade. Aber...wir sehen uns heute Abend bestimmt nochmal. Und danke!" Er hob ein Glas in die Höhe um ihr zu zeigen was er meinte und sie nickte bloss lachend. Sergio gefiel ihr. Er war kein Durchschnittstyp. Nicht jeder Mann hatte lange Haare. Nicht jeder war Spieler bei Real Madrid. Wobei das für Magdalena nicht sonderlich gewichtig war. Wäre er ein Unbekannter gewesen, hätte er die gleiche Wirkung auf sie gehabt.


Magdalena wurde bereits von einem weiteren trinkfreudigen Gast gerufen, als Sergio seine Gläser nahm und versuchte, diese zu balancieren ohne alles zu verschütten. Doch dieses Unterfangen war alles andere als einfach, wenn man bedachte, wie viele Leute im Club waren und er seine Freunde noch suchen musste.

Na, ganz toll. Ich darf hier die Drinks schleppen und die machen es sich irgendwo gemütlich, dachte er ein wenig zerknirscht, während er Ausschau hielt nach den drei anderen Fussballern.

„Hey, Sergio! Hier sind wir!" Ein wild rumfuchtelnder Guti trat in Sergios Blickfeld und erleichtert atmete er auf. „Kann mir mal einer was abnehmen?", fragte er laut und schon hielt er nur noch zwei Gläser in der Hand. Die anderen hatte Marcelo genommen. Sergio reichte den einen Martini an Cristiano weiter, während er sein eigenes Glas in die Höhe hielt um mit seinen Freunden anstossen zu können. „Auf den heutigen Abend und das nächste Spiel, welches wir gewinnen werden!", rief er, die anderen lachten und stimmten grölend zu. Dann wurde angestossen. 


Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt