Kapitel 52

635 16 0
                                        

Nur noch einen Tag, bis in einem neuen Land ein neuer Lebensabschnitt beginnen würde. Entgegen meiner Vermutung, die Stimmung würde bis dahin miserabel werden, schien Victoria von Tag zu Tag zurück zu ihrem alten Ich zu finden. Wir durften uns dafür Nacht für Nacht den Grund anhören.

„Muss dieser Idiot nach dem er das ganze Haus nachts wach hält mir nun wirklich auch noch befriedigt beim Essen gegenüber sitzen?", sprach Alexander genervt mehr zu sich selbst als zu mir.
Jona, der gerade auf der anderen Seite der Küche beschäftigt war, hatte ihn zwar nicht gehört, aber es war klar, dass er Alexanders schlechte Laune heute zu spüren bekommen würde.

„Freu dich doch einfach für Victoria, ihr scheint es wieder besser zu gehen", versuchte Sebastian auf ihn einzureden. Ob er über die beiden Bescheid wusste? Ich mochte Sebastian von Anfang an, aber immer wieder schlich sich die Frage ein, wie viel er wohl wusste.

„Ganz genau", stimmte ich zu und lächelte ihn darauf an, wofür wir beide von Alexander nur einen finsteren Blick kassierten. Er hatte wirklich einen leichten Schlaf und man konnte dunkle Schatten unter seinen Augen in seinem sonst so makellosen Gesicht erkennen.

„Ich freue mich, wenn die beiden endlich kein Zimmer mehr in meiner Hörreichweite haben", gab er angepisst zurück, woraufhin er sich erhob und die Küche verließ. Besorgt schaute ich ihm hinterher.
„Keine Sorge, Jona darf sich im Anwesen nicht blicken lassen, also ab morgen wird sich seine Laune bessern."
Fragend sah ich zu Sebastian, der mir aber eh nicht mehr verraten würde.

„Muss noch irgendwas gemacht werden?", lenkte er nun vom Thema ab, was ich allerdings verneinte. Alles war verstaut und ein Großteil sogar schon nicht mehr im Haus. Heute Abend würden alle Angestellten, die uns nach Russland begleiten, bis auf das Sicherheitspersonal schon losfliegen, um alles vorzubereiten.

Wie wär's dann mit einem kleinen Ausflug? Ich lasse ein Picknick vorbereiten und du suchst dir Badesachen heraus. Picknick und Badesachen? Es war zwar angenehm warm, aber auch lange kein Hochsommer und zum Schwimmen schien es mir irgendwie zu kalt, aber die Idee war trotzdem gut und so stand ich auf um meine Sachen zusammen zu suchen.

In meinem Zimmer angekommen, betrachtete ich mit einem Lächeln im Gesicht, dass Alex in meinem Bett eingeschlafen war. Ich war wirklich froh darüber, dass wir in einem Bett schliefen. Ich dachte erst, dass die getrennten Zimmer das verhindern sollen, aber sie dienten einfach nur als Rückzugsort.

Mit leisen Schritten ging ich zu der Ecke, in der die Kartons mit meinen Kleidungsstücken waren und zu meinem Glück hatte er sie beschriftet. Hosen, Kleider, T-Shirts und Tops - Dessous und Badekleidung. So leise wie möglich versuchte ich die Kiste, die über der, die ich brauchte stand, herunter zu nehmen.

Prüfend blickte ich zum Bett, um feststellen zu müssen, dass Alexander kerzengerade darin saß und mich musterte, als ob er sich sorgen machen würde, dass ich meinen Verstand verloren hätte.
„Darf man fragen, was du vorhast?"
„Ich suche eine Badeanzug." Mit hochgezogener Braue sah er auf die Kiste in meiner Hand und stand auf.
„Darin wirst du keinen Badeanzug finden, Kleines."

Ein kleines Schmunzeln ließ sich auf seinen Lippen erkennen.
„Und in welcher Kiste finde ich welche?", fragte ich und befürchtete die Antwort auf diese Frage bereits zu kennen.
„In keiner", antwortete er und wirkte dabei fast schon stolz, was sich mir nicht erklärte.
„Aber viel wichtiger: Wofür brauchst du einen?"

Chained to the PastGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt