„Charlotte Engler ist besoffen." Grinsend schreite ich auf meine Freundin zu, die Hände in den Hosentaschen meiner Jeans vergraben.
„Die Premiere und gleichzeitig die allerletzte Aufführung", verspricht sie noch aus der Ferne.
Als ich nah genug bin, wankt sie einen Schritt vorwärts, unterschätzt die Entfernung aber trotzdem und stolpert gegen mich. Ich schüttle lächelnd den Kopf und drücke ihr einen Kuss auf den Haaransatz. Während sie noch ein leises „Aua" murmelt, richte ich sie an den Armen auf.
„Ich schwöre dem Alkohol ab, ich trinke nie wieder", verkündet sie. „Bin jetzt Straight Edge."
„Aber sicher doch."
Ich muss schmunzeln darüber.
„Du glaubst mir nicht."
„Du lügst doch auch", erwidere ich frech.
Empört sieht Charlotte zu mir auf, dann beginnt ihre Unterlippe unkontrolliert zu zittern.
„Ich lüge nicht", sagt sie mit bebender Stimme und ballt die Hände zu Fäusten.
Ein wenig hilflos schaue ich Didi an, die hier mit Charlotte auf dem Gehweg gewartet hat, bis zu meinem Auftauchen.
„Ja, also ..." Didi räuspert sich nervös. „Sie wird betrunken immer empfindlich."
Als ich gerade fragen will, was genau sie mit empfindlich meint, füllen sich die Augen meiner Freundin völlig unvermittelt mit Tränen, die sie hektisch wegwischst.
„Du unterstellst mir, dass ich dich anlüge, das ist gemein von dir", meckert sie und will mich von sich wegstoßen, was nur semi-gut klappt. Wundert mich nicht. Bei der Menge, die sie intus hat.
Charlotte schwankt gefährlich vom einen Bein aufs andere und ich kann gerade noch rechtzeitig einen Arm um ihre Taille schlingen, bevor sie auf den Bordstein knallt.
Erleichtert atme ich auf. Zumindest bis ich merke, wie sie sich jetzt an mich klammert und den Kopf reckt, um an meinen Hals zu gelangen, den sie aus heiterem Himmel zu liebkosen beginnt. Die Geste ist eindeutig nicht für die weit aufgerissenen Augen unfreiwilliger Zuschauer geeignet.
Ein Blick in Didis verstörtes Gesicht genügt, damit ich Charlotte sanft, aber bestimmt an den Schultern packe und sie von mir wegschiebe. Mit einem Kopfnicken deute ich auf ihre Freundin.
„Ich kann nicht, wenn einer guckt", erläutere ich. Meine Kehle fühlt sich rau an. Meine Stimme klingt aber zum Glück noch ganz normal.
Charlotte schaut zu Didi und hebt eine Augenbraue. Als wäre sie diejenige, die sich gerade unangemessen in der Öffentlichkeit benimmt.
„Er ist doch jetzt hier, oder?", sagt Charlotte zu ihr. „Geh ruhig weiter feiern."
„Hey, was soll das, Chacha?", mische ich mich ein. „Didi hat sich um dich gekümmert, du musst nicht so unfreundlich sein." Ich schenke Didi ein aufmunterndes Lächeln. Sie erwidert es halbherzig.
Charlotte ist zu mir herumgewirbelt. Als sie mich lang genug verständnislos aus ihren Haselaugen gemustert hat, schleicht sich die Einsicht in ihre Züge.
„'Tschuldige", wendet sie sich an Didi. Die verdreht die Augen.
„Schon okay", gibt sie zurück. Es klingt aber nicht danach.
Charlotte fällt das nicht auf. Sie schielt angespannt auf die andere Straßenseite rüber, folgt mit ihrem trüben Blick dort einer Frau, die wohl einen Abendspaziergang macht.
„Schau mich an", sagt sie plötzlich zu mir. „Wieso geierst du der da hinterher?" Sie wirft sich in meine Arme und beginnt an meiner Brust zu schluchzen. Leicht überfordert mit der Situation, streichle ich ihren Rücken.
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So genial
Fanfiction"Manchmal verlieben sich Menschen ineinander, ist das nicht genial? Ich meine, das ist doch der glücklichste Zufall von allen, oder? Du triffst diese eine Person und auf einmal wird dir wieder bewusst, wie viel Liebe du eigentlich im Herzen tragen k...
