80 - Unser Leben, die Serie

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Die Sonnenbrille auf meiner Nase verbirgt, dass meine Wimperntusche verschmiert ist. Der Kellner mustert mich neugierig. Flüchtig nur, und doch merklich. Wahrscheinlich denkt er, ich bin verkatert, so wie ich mich an meine große Tasse klammere. Sie ist bis zum Rand gefüllt mit bitterem schwarzen Kaffee und bedruckt mit dem Logo des Cafés, in dem wir sitzen. Diese Ecke von Wien ist schön und nicht von Touristen überlaufen. Aktuell ist sie wohl noch ein echter Geheimtipp, den Vincent bei seiner Tourfreizeit-Planung für uns in einer abgelegenen Ecke des Internets aufgetan haben muss.

Er sitzt mir gegenüber, dreht Däumchen, guckt durch die Gegend und hat seine Hälfte von der Portion Kaiserschmarrn, die er für uns bestellt hat, kaum angerührt. Ich habe meinen Teil restlos aufgegessen, schließlich brauche ich jeden Funken Energie. Aufmerksam beobachte ich ihn durch die dunklen Brillengläser. Er spürt es, und ich bin fast froh darüber, dass es ihn so unruhig macht.

„Wirst du jetzt gar nicht mehr mit mir reden in den kommenden Tagen, Charlotte?" Ich sehe, wie er die Schultern bis zu den Ohren hochzieht. „Nach heute Morgen, meine ich?"

„Du verstehst mich nicht, hast du gesagt, und es wirkt immer noch nicht so, als hättest du vor, was daran zu ändern. Also habe ich dir nichts zu sagen. Ich lasse dich das jetzt in deinem Tempo machen. Wie du das von mir verlangt hast."

Vincent reckt den Hals und sieht zur Seite.

„Ich hab damit aber nicht gemeint, dass wir uns jetzt nur noch anschweigen."

„Das Einzige, worüber ich mit dir reden wollen würde, ist gleichzeitig die eine Sache, über die du nicht mit mir reden willst", stelle ich klar. „Und wenn du denkst, ich mache stattdessen hier nett Konversation mit dir, dann kannst du mich mal kreuzweise, Vincent."

„Es tut mir wirklich leid, hab ich doch schon gesagt", murrt er wieder und sieht trotzig von seinem Teller auf. Er bettelt nicht um Vergebung – er verlangt sie. Mit derselben Härte wie vorhin.

„Du kannst doch unmöglich denken, dass das reicht", murmle ich fassungslos und trinke einen großen Schluck, bevor ich noch mit einer Beleidigung nachsetzen kann, durch die das Gespräch bloß wieder eskalieren würde.

„Es ist für mich als wär's dir egal, was ich wollte", versetzt er sauer. „Ich kann das auch nicht so einfach abschütteln."

„Mir?", frage ich ihn ungläubig. „Mir soll das egal sein?"

„Ja, dir. Ich habe mich damit abgefunden, wie du dich entschieden hast, das heißt aber nicht, dass ich das gutheiße und das muss ich auch nicht."

Ich schlucke.

„Vincent", beschwöre ich ihn heiser. „Ich habe dir gesagt, dass das keine endgültige Entscheidung ist. Ich will eine Familie mit dir gründen. Aber nicht unter diesen Umständen."

„Ich gebe doch nicht die Musik auf und suche mir einen normalen Job, damit ich in deinen Augen ein anständiger Vater bin!" Das Wort normal spuckt er fast aus.

„Ich habe nicht ein einziges Mal irgendetwas in dieser Richtung gesagt. Dass ich von dir erwarte, dass du deine Karriere an den Nagel hängst, damit ich mir das nochmal überlege mit der Familiengründung; oder dass das die Bedingung dafür wäre. Du legst mir Sachen in den Mund, die ich so nie geäußert habe. Und ich will das eigentlich nicht in der Öffentlichkeit mit dir bereden, mal so ganz am Rande."

Vincent presst die Lippen aufeinander, aber er nickt.

„Ich weiß, dass du gute Gründe hattest", lenkt er ein. Sein Tonfall verändert sich, er hat an Schärfe verloren. „Und dass ich gesagt habe, das Leben wäre für die Lebenden da, tut mir wirklich leid. Das musst du mir glauben, Charlotte, bitte. Ich bin einfach so verletzt, weil ich mir das alles viel leichter vorgestellt habe. Wir sind doch wir. Warum gab's kein Happy End?"

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