82 - Ostern

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Eine Parklücke ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite frei, als wir um die Ecke biegen, und ich seufze innerlich. Was hätte ich darum gegeben, wenigstens noch zehn Minuten auf der Suche nach einem Stellplatz um die Häuserblocks zu kurven ... Diese kleine Verspätung würde meine Mutter mir wohl gerade so noch irgendwie durchgehen lassen. Schwieriger wird es, wenn ich jetzt eine Stunde lang im Auto meditiere, wie ich das eigentlich heute müsste. Ohne vorher den Zustand von absoluter Ausgeglichenheit erreicht zu haben, weiß ich nämlich nicht, wie ich ihr gleich mit Respekt begegnen soll. Bei unserem letzten Telefonat hat sie voll aufgedreht, am Ende ist daraus sogar ein ausgewachsener Streit geworden. Es wäre doch so toll, wenn ich mich ehrenamtlich engagieren würde, genau wie sie. Klar wäre es das, ich konnte ihr da gar nicht widesprechen. Leider hab ich dafür nur einfach überhaupt gar keine Zeit. Als ich ihr das dann gesagt habe – und ursprünglich hinzufügen wollte, dass Charlotte und ich uns inzwischen beide ein Baby wünschen, was automatisch Vorrang hat –, hat sie auf Durchzug geschaltet.

Sammle dich, Vincent, ermahne ich mich. Du willst deine Mutter nicht vor den Kopf stoßen und den Familienfrieden strapazieren. Oberster Punkt auf der Agenda: Niemanden verärgern.

„Bereit?", frage ich Charlotte, während ich mit halb geschlossenen Augen ausatme. Ich höre wie sie sich neben mir verschluckt, die Wasserflasche, die sie eben erst an ihre Lippen geführt hat, wieder absetzt und lacht.

„Bereit für deine Mutter? Soll das ein Scherz sein?", fragt sie belustigt zurück. Sie setzt den Deckel auf den Schraubverschluss auf, um die Plastikflasche schnell zu schließen, bevor ihr noch ein Malheur passiert und sie sich bekleckert. „Nein, natürlich nicht."

Augenverdrehend ziehe ich den Schlüssel aus der Zündung.

„Gib ihr 'ne Chance, Charlotte", murmle ich.

Sie zeigt irritiert auf sich.

„Entschuldige, redest du mit mir? Oder mit dir selbst?"

„Ich hab Charlotte gesagt, Vincent spricht man 'n bisschen anders aus", zicke ich sie an.

Meine Freundin kräuselt kurz die Lippen, allerdings weiß sie von dem Streit am Telefon. Deswegen schnappt sie sich meine Hand und küsst versöhnlich meine Fingerknöchel.

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht ärgern", beteuert sie.

„Hast du aber, das kann ich gerade nicht gebrauchen", murre ich. "Entschuldige, dass ich blöd reagiert hab", schiebe ich hinterher.

Charlotte schnallt sich ab, drückt mir einen Kuss auf die Wange und löst dabei auch meinen Sicherheitsgurt.

„Hey, Augen zu und durch", ermutigt sie mich. „Ich bin die ganze Zeit bei dir und wenn du fahren willst, wird uns schon was einfallen", sagt sie.

Ich atme erneut tief durch, dann nicke ich.

„Los geht's."

+

„Du meine Güte, das wäre doch nicht nötig gewesen!" Freudestrahlend nimmt meine Mutter den riesigen Präsentkorb entgegen, der auf jeden Fall notwendig war. „Um Himmels Willen, ist der schwer. Frieder!", ruft sie nach meinem Vater.

Charlotte hat ein Lächeln aufgesetzt, das sogar verdammt freundlich wirkt. Ich versuche mich selbst daran – mit mäßigem Erfolg. Und schon teilt meine Mutter den ersten Seitenhieb an mich aus.

„Vincent, du hast deine Freundin diesen Korb hoffentlich nicht die ganzen Treppen hochschleppen lassen."

Mir wird klar, dass es nichts bringt, mich von ihr verrückt machen zu lassen, also erwidere ich: „Charlotte hat zwei gesunde Arme. Sie hat drauf bestanden, dir den Korb selbst zu überreichen. Schließlich war sie diejenige, die ihn zusammengestellt hat, von mir hat sie bloß ein paar Tipps bekommen."

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⏰ Letzte Aktualisierung: Apr 02 ⏰

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