Ich döse noch selig vor mich hin, als Vincent das Schlafzimmer wieder betritt. Nicht nur der wachmachende Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee steigt mir in die Nase. Nein, da ist auch noch ... Sind das gebutterte Pancakes mit Ahornsirup?
Ich öffne meine Augen nur einen Spalt breit und mir läuft augenblicklich das Wasser im Mund zusammen. Neben dem Plattenspieler an der gegenüberliegenden Wand thront ein Tablett mit allerhand Leckereien, halb verdeckt von Vincent. Er reguliert die Lautstärke der einsetzenden Musik. Cleo Sol, meine Lieblingssängerin, singt meinen Lieblingssong. Mein Freund marschiert wach und energiegeladen weiter. Die hochfahrenden Rolläden lassen weißes Januar-Licht in den Raum hinein.
Nach wie vor leicht benommen reibe ich mir die Augen. Ein kalter Windstoß lässt mich frösteln, Vincent hat das Fenster geöffnet. Ich ziehe die Luft scharf ein und meine Bettdecke ein Stück höher, halte sie unmittelbar unter meinem Kinn fest.
„Morgen", krächze ich noch immer verschlafen.
„Guten Morgen." Vincent kommt zu mir und streicht mir liebevoll übers Haar.
Automatisch schmiege ich meine Wange an seinen Bauch. Wir verharren eine Zeit lang in dieser Position, bis er mich auf den Scheitel küsst und sanft von sich wegschiebt. Seufzend lehne ich mich mit dem Rücken gegen das gepolsterte Kopfteil seines Betts, lasse die Decke los und gestikuliere in Richtung des Tabletts.
„Niemand hat von dir verlangt, dass du einen Riesen-Aufriss unternimmst." Meine Lippen verziehen sich zu einem aufreizenden Lächeln. „Ich wollte nur Geburtstagssex."
„Damit haben wir doch reingefeiert. Außerdem versteh ich nicht, was du mit Riesen-Aufriss meinst. Das ist doch bloß mein Frühstück", erwidert er, ohne eine Miene zu verziehen, und schnappt sich das Tablett. Dabei wirkt er hochgradig professionell, was mich nicht überrascht. Er hat genauso wie ich neben dem Studium gekellnert früher, als die Musik noch nicht viel abgeworfen hat. „Wenn du auch was essen willst, nimm am besten Brot", schlägt er vor. „Müsli ist zwar noch da, aber die restliche Milch ist für die Pancakes draufgegangen." Er platziert unser Frühstück auf dem schmalen Tisch mit Rollen drunter, der für gewöhnlich am Fußende des Betts rumsteht und Vincents Laptop dauerhaft beherbergt. Manchmal checkt er morgens seine Mails, aber in letzter Zeit haben wir darauf vor allem Serien geschaut. Abends bringt mich das runter. Es vertreibt tatsächlich jeden Gedanken an Gio. In Kombination mit dem Baldrianpräparat jedenfalls.
Seit dieser Sache im letzten Jahr bin ich praktisch bei meinem Freund eingezogen. Manchmal ist es mir unangenehm, und irgendwie vermisse ich meine eigenen vier Wände. Aber Vincent scheint sich damit wohlzufühlen, dass ich hier bin. Es war anfangs eher gewöhnungsbedürftig für mich, weil ich immer dachte, dass ich ein Mensch bin, der seinen Freiraum braucht. Aber ich mag seinen Plattenspieler ... und dass es immer aufgeräumt und sauber bei ihm ist ... und dass sein Kleiderschrank nach Lenor-Vollwaschmittel riecht. Und je mehr dieser Kleinigkeiten ich mir Tag für Tag eingestehe, desto natürlicher fühlt es sich an, dass wir neuerdings informell zusammenwohnen.
„Hättest du die Pancakes ordentlich gestapelt, hätten vier auf einen Teller gepasst. So wirkst du bloß gefräßig", necke ich ihn.
„Nee, Madame", schüttelt er entschieden den Kopf und wirft sich wieder auf seine Seite des Betts. „Siehst du nicht, dass die viel höher sind als normale Pancakes? Das sind Soufflé-Pancakes. Wenn ich die gestapelt hätte, hätte ich so 'nen Turm balancieren müssen. Seh ich für dich aus wie ein Zirkusartist?"
„Oho, Soufflé-Pancakes. Okay, dann kann ich natürlich verstehen, wieso du die auf zwei Teller aufteilen musstest", nicke ich und nehme Messer und Gabel in die Hand. Sogar an frische Blaubeeren hat er gedacht. „Das zweite Besteckset nutzt du, falls dir das erste runterfallen sollte?"
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So genial
Fanfic"Manchmal verlieben sich Menschen ineinander, ist das nicht genial? Ich meine, das ist doch der glücklichste Zufall von allen, oder? Du triffst diese eine Person und auf einmal wird dir wieder bewusst, wie viel Liebe du eigentlich im Herzen tragen k...
