Die Kaffeetasse, die Olli vor mir abstellt ist eine von diesen, die sie beim Kindertöpfern herstellen. Tonya ist absolut begabt für eine Sechsjährige. Sogar Alex sagt das, und der muss es ja wissen als erfolgreicher Grafikdesigner.
Jedenfalls sind die Blumen, die sie auf die Tasse gemalt hat, nicht einfach wild bunt. Es sind rote Tulpen und weiße Rosen, immer im Wechsel. Sie unterscheiden sich deutlich in der Form der Blütenblätter, und die Abstände zwischen ihnen sind sogar annähernd gleich groß.
Ich betrachte das dampfende Gefäß und höre erst auf, als Olli sich neben mich setzt. Er hält die langweiligste weiße Tasse in der Hand, die ich je gesehen habe. Sie hat nicht mal eine besondere Form oder irgendeine Struktur.
„Bevor du fragst", meint mein Kumpel, „ich habe keine Ahnung, was mit ihr los ist. Und darüber reden ist fast keine Option mehr. Ich hab es einige Male probiert, aber du kennst das ja wahrscheinlich auch; Irgendwie kommt einem dann doch dauernd was dazwischen."
Der Gedanke durchzuckt mich, dass einem nur was dazwischenkommen kann, wenn man es zulässt. Aber das spreche ich besser nicht aus. Ich will ihn nicht wütend machen ... Tatsache bleibt aber: An Ollis Stelle hätte ich längst sämtliche Geschütze aufgefahren, um meine Ehe zu retten. Es klang bei Dag zwar nicht danach, als wäre Marlene sonderlich kooperativ, aber doch so, als wäre sie wenigstens interessiert daran. Olli wirkt komisch gelassen. Vor allem dafür, dass bei mir in der gleichen Situation wohl sämtliche Alarmglocken schrillen würden.
„Wann wart ihr das letzte Mal aus?", frage ich ihn. „Nur du und sie, ohne Tonya."
Olli fährt sich durch seine schwarzen halblangen Haare und seufzt, als wäre er wirklich so alt, wie seine Antwort vermuten lässt.
„Vor hundert Jahren?"
„Ich will dir nicht zu nahetreten, das ist eure Beziehung", mache ich deutlich, "aber Lenny ist ordentlich angepisst. Dag hat mir erzählt, dass sie sich am Telefon bei ihm ausgeheult hat. Das ist mittlerweile ein paar Wochen her. Jetzt kommen wir hier an und sie ist richtig mies drauf. Mann, Olli – was ist denn los bei euch? Früher, wenn sie so reizbar war, habt ihr euch in irgendeine Ecke der Wohnung zurückgezogen und fünf Minuten später standet ihr dort immer noch, aber ihr habt rumgeknutscht als wär' nie was gewesen."
„Vincent, wir sind keine sechzehn mehr", gibt er deutlich genervt, aber noch erschöpfter zurück. „Wir hatten ein paar Differenzen, ich glaube, zu der Zeit etwa hat sie auch mir Dag telefoniert und ihm ihr Herz ausgeschüttet", offenbart er dann. "In der Vorschule hatten sie uns nämlich zu einem Gespräch eingeladen. Uns wurde vorgeschlagen, ob wir Tonya nicht lieber an einer Privatschule einschulen lassen wollen. Die haben dort einen kunstbetonten Zug. Ich fand die Idee richtig gut: Tonya liebt malen, und ich liebe meine Tochter. Ich dachte, wenn wir das machen, geben wir sie in ein Umfeld rein, wo man das Beste aus ihr rausholt. Marlene war anderer Meinung. Ihr Standpunkt war, dass erstens die Gebühren horrend wären für das, was Tonya dort geboten bekommt. Was nicht stimmt, wir könnten uns das locker leisten. Und die haben dort einfach alles, die Materialien werden den Schülern individuell zur Verfügung gestellt. Die haben sogar einen Garten, in dem du Skulpturen aus Stein hauen kannst und einen Keller, in dem Leinwände so groß wie unser Flatscreen lagern." Er deutet mit einem Nicken auf den monströsen Fernseher an der Wand. „Zweitens hatte sie Angst, dass Tonya ihr Hobby dort verlitten werden könnte durch den hohen Leistungsanspruch. Ich mache mir viel eher Sorgen, dass man sie unterfordert im stinknormalen Kunstunterricht. In ein paar Jahren wirft sie uns vielleicht vor, dass wir diese einmalige Chance nicht genutzt und sie stattdessen auf die nächstbeste staatliche Grundschule geschickt haben."
„Das ist doch 'ne Bullshit-Argumentation, Alter", funke ich ihm dazwischen. „Hättet ihr sie da hingeschickt und deinen Wunsch erfüllt, hätten sich vielleicht stattdessen Marlenes Befürchtungen bewahrheitet und die Freude am Malen geht ihr irgendwann verloren. Generell kann doch keiner von euch beiden in die Zukunft schauen. Am Ende werdet ihr ohnehin nicht die perfekten Eltern sein können. Warum war das so ein Krampf für euch, bis ihr euch einigen konntet?"
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So genial
Fanfiction"Manchmal verlieben sich Menschen ineinander, ist das nicht genial? Ich meine, das ist doch der glücklichste Zufall von allen, oder? Du triffst diese eine Person und auf einmal wird dir wieder bewusst, wie viel Liebe du eigentlich im Herzen tragen k...
