Im tré bon duftet es herrlich nach Brandteig. Ein neues Blech mit Profiteroles wird in die Auslage geschoben. Ich lächle der Bistro-Inhaberin zu, die wie immer freundlich zurücklächelt. Sie ist mir eine willkommene Ablenkung von dem, worum unser montägliches Gespräch unter Kolleginnen gerade kreist. Aber auszuweichen wie bisher, fühlt sich nicht mehr richtig an. Didi hat mir zugehört, während ich ihr von Vincents Heimkehr erzählt habe, und natürlich hat sie kritisch nachgehakt, als ich dabei ins Straucheln geraten bin. Weil ich nicht vergessen kann, wie wir das Thema Familienplanung gestreift haben.
Das eintreffende Gebäck hat zwar auch meine Kollegin für einen kurzen Moment abgelenkt. Jetzt aber setzt sie dazu an, die Antwort aus mir rauszukitzeln, die ich nicht habe und vor der ich mich so fürchte.
„Willst du bald Kinder? Oder überhaupt?"
Für sie ist das eine völlig unverfängliche Frage. Didi ist egal, was ich sage. Vincent aber ganz sicher nicht.
„Ich weiß es nicht", gebe ich langsam zu und schiebe mir schnell noch ein Stück Käse in den Mund. Als wir ankamen hat man uns gesagt, dass die Profiteroles noch eine Weile bräuchten. So haben wir uns für den alternativen Nachtisch entschieden - eine kleine Käseplatte mit Baguette und Trauben. Meine Freundin schweigt, sie wartet, dass ich weiterspreche. Als ich den Bissen runtergeschluckt habe, tue ich ihr den Gefallen. „Ich wollte keine Kinder, bevor ich dreißig bin. Aber das habe ich nur gesagt, um mich nicht mehr damit auseinandersetzen zu müssen. Keine Ahnung, ob ich überhaupt welche will. Das passt einfach nicht zu mir, finde ich."
Ich schaue Didi an, aber sie sagt nichts und schaut nur zurück. Sie hat wirklich keine Meinung dazu, welche Meinung ich haben sollte.
„Meine Vorstellung davon, wie mein Leben mal aussehen würde, ist hinfällig geworden. Mit Beginn unserer Beziehung hat sich so viel verändert. Ich bin anders seitdem."
Didi nickt und trinkt einen letzten Schluck Weißwein.
„Ich verstehe", murmelt sie. "Glaubst du, er wäre ein guter Vater?"
Mein Blick löst sich von meiner Kollegin und gleitet aus dem Fenster. Im Garten draußen, der wieder überfüllt ist, sitzen keine Familien. Das tré bon ist ein Ort, an dem man mit seinen Kollegen isst, wie Didi und ich das tun, oder allein.
„Vielleicht. Ich habe ihn noch nie so richtig mit Kindern interagieren sehen, nur mit Marlenes Tochter. Gelegentlich benimmt er sich selbst wie ein Teenager, aber das könnte insgesamt ein Männerding sein."
Didi schüttelt den Kopf und ihr Armband klimpert, als sie nach ihrer Tasche greift und darin nach ihrem Handspiegel wühlt.
„Jay ist nie so", wischt sie meine dumme Vermutung beiseite. „Er will keine Kinder. Und ich ja auch nicht. Deswegen passt es. Wahrscheinlich legen wir uns bald einen Hund zu." Ein verträumtes Lächeln huscht über ihre Lippen, ehe sie in die Gegenwart zurückkehrt. Zu mir und diesem wehleidigen Thema. „Ich meine, du kennst diesen einen Satz von mir inzwischen zur Genüge, Charlotte: Du solltest mit ihm reden."
„Es könnte doch aber sein, dass ich da zu viel reininterpretiere", nörgle ich. „Wir haben doch nur rumgealbert."
Didi runzelt die Stirn.
„Ob nun geunkt oder nicht, du willst ihn doch wirklich heiraten, Charles. Ich kann mir schon vorstellen, dass er auch tatsächlich Kinder mit dir will und das nicht nur so dahergesagt war. Du dir nicht?"
Natürlich kann ich es mir vorstellen.
Wir lieben uns. Wir sind beide in einem Alter, indem man wohl eine Familie gründen würde, wenn man es denn möchte. Trotzdem war das so nie in meiner Lebensplanung vorgesehen. Ich erinnere mich an das offizielle Kennenlern-Abendessen bei meinen Eltern, wo Mama uns genau danach gefragt hat. Vincent hat auch da schon darüber gescherzt. Ein Teil von ihm meint es sicher ernst. Womöglich hat dieser Teil von ihm auch geflissentlich überhört, was ich Mama damals geantwortet habe. Keine Kinder, bevor ich dreißig werde. Das sind nur noch zweieinhalb Jahre, vielleicht kann er sich bis dahin gedulden. Dein Körper, deine Entscheidung - das hat er schließlich zu mir gesagt, als wir auf seinem Balkon im Regen standen.
DU LIEST GERADE
So genial
Fanfiction"Manchmal verlieben sich Menschen ineinander, ist das nicht genial? Ich meine, das ist doch der glücklichste Zufall von allen, oder? Du triffst diese eine Person und auf einmal wird dir wieder bewusst, wie viel Liebe du eigentlich im Herzen tragen k...
