78 - Ae Dil Hai Mushkil

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Mama sagt nichts. Sie schweigt einfach und ich glaube, das ist noch nie vorgekommen, wenn ich ihr eine Frage gestellt habe. Mit Dorothea Engler kann man sonst über alles reden, sie hat zu allem eine Meinung, immer einen wohlmeinenden Rat oder wenigstens ein Lachen oder ein Knurren oder ein anderes Geräusch. So still wie jetzt habe ich meine Mutter noch nie erlebt.

„Wieso sagst du nichts dazu?", frage ich sie. Leise und hoch, weil ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Selbst meine Mama ist sprachlos, und wann war sie das je? „War das falsch?", präzisiere ich meine Frage.

Meine Mutter schüttelt langsam den Kopf, als wäre er eingerostet. Dann nimmt sie mich einfach in den Arm. Der Fake-Pelzkragen ihrer Winterjacke kitzelt mich an der Wange.

„Um Himmels Willen, Lottchen ...", flüstert sie. „Dass du dir in so einer Situation die Frage nach richtig und falsch überhaupt stellst, zeigt nur wieder, was du für eine unglaubliche Last mit dir herumträgst." Ihr Griff ist fest und es fühlt sich gut an, von ihr gehalten zu werden. „Du willst es immer richtig machen." 

Von der einen auf die andere Sekunde macht sich Wut in mir breit.

„Ich habe keinen Verlust erlitten, dieses Baby ist nie geboren worden", höre ich mich sagen. Kalt, mit stocksteifer Stimme, fast mechanisch. Mama löst sich von mir.

„Das stimmt, aber es war ja trotzdem da." Sie berührt mich sanft am Bauch und über ihre Augen legt sich ein glasiger Schleier. „Das kleine Würmchen ..."

„Hör auf", zerschneide ich die Sentimentalität, die in diesem liebevollen Kosenamen mitschwingt. Viel zu liebevoll für etwas, das nie wirklich existiert hat. Ich trete einen Schritt zurück, mustere meine Mutter streng. Zu streng. Übergebühr dafür, dass sie gerade ihr Bestes gibt, um mir beizustehen. „Du hast dein Kind verloren. Ich nicht", bricht es dennoch aus mir hervor.

Meine Mutter nickt wieder, dann vergräbt sie ihre Hände in ihren Jackentaschen.

„Ja, du hast natürlich recht, das kann man nicht vergleichen. Das hab ich aber auch nicht getan."

Ich spüre, wie meine Nase kribbelt, weiß, dass ich wieder kurz davorstehe, mehr Tränen zu vergießen.

„Ich habe Vincent so wehgetan, du hättest ihn sehen sollen. Er hat gelitten in der Klinik.", erzähle ich, halblaut, weil es mich noch immer schockiert, wenn ich mir seinen gequälten Gesichtsausdruck wieder ins Gedächtnis rufe. Ich presse mir die Hand vor den Mund, um ein Schluchzen zu unterdrücken.

Mama holt mich wieder zu sich ran und umarmt mich noch ein weiteres Mal, noch eine Spur fester.

„Du darfst dir keine Vorwürfe machen, ich bitte dich, Lottchen. Glaub mir, mir tut es auch leid, Papa und ich wären liebend gerne Großeltern geworden. Aber dich trifft doch keine Schuld."

„Ich will einfach, dass es unserem Kind richtig gut geht, wenn es dann irgendwann kommt. Der Wunsch ist da, auch bei mir. Aber anders als bei ihm ist er irgendwie ... vertagt." Ich schlucke. „Als ich den zweiten positiven Test in der Hand gehalten habe, musste ich an Justus denken."

In Mamas Zügen spiegelt sich die altbekannte Trauer. Sie ist sie nie ganz losgeworden, die Krähenfüße rund um ihre Augen. Entstanden durch die Anstrengung, die es sie gekostet hat, all die Tränen zurückzukämpfen und weiterzumachen im Leben.

„Ich kann das verstehen, besser als jede andere, Lottchen. Aber das war unser Schicksal, meins und Papas. Nicht deins."

„Mir macht das unglaublich Angst. Ihr habt nicht ansatzweise geahnt, dass es so kommen würde. Ihr habt getan, was ihr konntet, und am Ende war es nicht genug. Das darf mir nicht passieren, ich würde sofort daran zerbrechen."

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