(TW: ED/ES)
Es ist nur eine Scheibe Brot. Es wird nicht so viel Auswirkungen haben.
Aber es sind Kalorien.
Aber ich habe Hunger.
Trotzdem, du willst doch nicht etwa zunehmen?
Nein… aber ich habe Hunger, und ich werde nichts mehr zu essen bekommen, bevor ich schlafengehe.
Aber es werden alle bemerken, wenn du plötzlich mehr isst. Du isst immer nur eine Scheibe. Es wird sämtliche Aufmerksamkeit auf dich lenken, wenn du mehr isst.
Vielleicht sollte ich es wirklich lassen... es kann nicht so schlimm sein, hungrig schlafen zu gehen.
Na also.
Aber gleichzeitig... das Mittagessen war auch nicht so ausgiebig und ich hatte am Nachmittag auch nichts wirklich.
Das ist nicht dein Ernst. Du warst doch schon auf dem richtigen Weg.
Nein. War ich nicht. Ich esse diese eine verdammte Scheibe jetzt.
Wenn du meinst... Aber ich habe dich gewarnt.
Ich habe mir die Scheibe genommen. Und natürlich können meine Eltern es nicht unkommentiert lassen. “Na, hättest du doch mehr beim Mittag essen sollen?” Nein. Hätte ich nicht. “Na los, iss dich satt. Willst du dann vielleicht noch ein bisschen mehr?” Es ist nicht böse gemeint, das weiß ich. Aber trotzdem will ich das Brot jetzt einfach nur wieder zurücklegen. Aber das kann ich nicht. Ich kann es nicht vor ihnen. Und außerdem macht sich da immer noch ein gewisses Loch in meinem Magen bemerkbar. Ich bin gezwungen, dieses Brot aufzuessen, aber jetzt gerade bereue ich einfach nur, es genommen zu haben.
Tja, ich habe es dir gesagt.
Ja. Danke. Ich weiß. Und trotzdem hilft mir das jetzt nicht. Ich bin froh, dass ich nur eine kleine Scheibe genommen habe, die ich schnell heruntergewürgt bekomme. “Bist du dir sicher, dass du nicht vielleicht doch noch was essen willst?”, fragt meine Mutter nach. Ganz sicher. Ich bin zwar immer noch nicht satt, aber noch mehr esse ich garantiert nicht. Noch mal tue ich mir diese Diskussion nicht an.
Bevor du mir jetzt sagen willst, dass ich versagt hätte - lass es. Ich weiß, dass ich essen muss, also habe ich nicht versagt, indem ich meinem Körper einfach nur das gegeben habe, was er braucht.
Aber du hast ihm doch davor schon was gegeben. Warum musste es dann noch mehr sein?
Weil ich noch nicht satt war?
Schwaches Argument. Das weißt du selbst. Ich dachte, du willst nicht weiter zunehmen.
Mein Gewicht ist mir grad echt egal.
Sollte es nicht, und das weißt du genauso gut wie ich. Deshalb erinnere ich dich ja auch immer wieder daran.
Ja. Herzlichen Dank dafür.
Ich tue jetzt einfach mal so, als wäre das nicht ironisch gemeint gewesen.
Wie wird man dich eigentlich wieder los?
Keine Ahnung, musst du doch wissen. Du hattest mich doch schon mal still bekommen.
Ja, toll. Ich habe aber auch keine Ahnung, wie ich das damals geschafft habe.
Also ganz ehrlich, eigentlich würde ich schon gerne hierbleiben.
Das will ich aber nicht!
Das ist mir aber egal!
Außerdem helfe ich dir ja nur, deine Ziele zu erreichen.
Welche Ziele? Mein Ziel ist es, gesund zu sein, da…
Und nicht zu viel zu wiegen, deine Figur zu halten. Du willst die Komplimente doch, oder?
Die würde ich notfalls auch mit ein paar mehr Kilos, wenn sie mir überhaupt wichtig wären.
Denkst du. Du merkst doch jetzt schon, dass du dich veränderst. Also hör das nächste Mal einfach mal auf mich.
Von diesem inneren Streitgespräch bekommt natürlich keiner etwas mit. Sollte ich mit meinen Eltern reden? Aber wozu eigentlich. Die sagen doch eh nur, dass ich mir das nur einrede und dass ich einfach essen soll. Und eigentlich… eigentlich haben sie damit ja auch recht, oder nicht? Ich kann einfach essen. Egal, was mein Kopf sagt.
Auch wenn er das vielleicht schwerer macht.
Zum Beispiel jetzt auch noch etwas von den Süßigkeiten in meinem Zimmer. Vielleicht die ja wenigstens ein bisschen gegen den Hunger.
Du hast jetzt nicht ernsthaft vor, etwas Süßes zu essen, oder? Und das auch noch, während du über mich schreibst?
Redest du dir mich und meine Reaktion jetzt nicht erst recht ein, weil du einfach nur etwas haben willst, über das du schreiben kannst?
Aber gut, dann iss halt einfach. Dann hast du wenigstens nichts, worüber du dich hier in deinen komischen Texten beschweren kannst.
Idiotin. Du hast ja wirklich was gegessen.
Es macht dich doch eh nicht satt. Nur wieder Kalorien.
Naja. Es stimmt. Es macht mich nicht wirklich satt. Es bringt nicht wirklich was. Vielleicht hätte ich es einfach lassen sollen.
Andererseits, die Stimme in meinem Kopf existiert doch eh nur dort. Wahrscheinlich bilde ich sie mir ohnehin nur ein.
Aber ... es kann nicht alles eingebildet sein. Die Übelkeit, die Gedanken, die sind doch echt, die sind da. Und sie schaffen es auch, mich vom Essen abzuhalten.
Ich glaube, ich werde das nie ganz verstehen. Es wäre nur wirklich schön, wenn ich es nicht müsste, weil die Stimme sich einfach selbstständig verabschieden würde. Wenn sie mir nicht noch länger mein Leben und jede einzelne Mahlzeit zur Hölle machen würde. Aber gut, vielleicht stelle ich auch einfach zu hohe Erwartungen an sie. Vielleicht verschwindet sie ja irgendwann von selbst wieder, wenn ich nur lang genug warte. Ich hoffe es.
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Gedankenwelt
RandomDies ist ein Einblick in all die Gedanken, die mich Tag täglich im Leben begleiten, und auch in ein paar Träume. !Achtung! !TW! Beschreibung von Selbstverletzung und Suizidgedanken in manchen Kapiteln! (sind einzeln gekennzeichnet) Teilweise Texte...
