Meer aus Glas

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Ich laufe barfuß auf einem Meer aus Glasscherben.
Jeder Schritt schneidet in meine Sohlen, aber stehen zu bleiben, nichts zu tun, Erde genauso wehtun.
Ich bewege mich vorsichtig, versuche, den sichersten Weg zu finden.
Immer wieder tauchen aus dem Nichts Spitzen auf, stechen tief unter die Haut. Doch ich habe keine Zeit, keine Möglichkeit, meine Wunden heilen zu lassen.
Nur kurz erscheinen manchmal kleine Flächen ohne Glas, auf den ich sicher stehen kann. Meine Füße schmerzen zwar noch immer, aber wenigstens kann ich mich kurz setzen und ausruhen, mich kurz um die Wunden kümmern.
Bis die Flächen wieder verschwinden, überschwemmt werden von dem Glas und ich gezwungen bin, wieder weiterzugehen, in der Hoffnung, bald wieder eine sichere Insel zu finden.

Manchmal packst du das Glas in Watte, tust so, als wäre es nicht da. Aber es verschwindet nie, und nach kurzer Zeit arbeitet es sich wieder hervor.

Und du schaust zu.

Du verstehst nicht, dass ich bei jedem Schritt fast aufschreie.
Du verstehst nicht, dass ich langsam verblute.

Denn du siehst eine glänzende, glatte Oberfläche - du siehst nicht die Risse Splitter, die dieses Glas hat.
Du siehst, wie ich aufrecht gehe, mit gezwungenem Lächeln - aber nicht die Tränen in meinen Augen, die Blutspur, die meinen Weg zeichnet.

Dabei bist du der Grund, dass das Glas zersprungen ist.

20.08.2025

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