Dasselbe Geräusch

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Ein leises Geräusch.
Seit Jahren hatte ich es nicht mehr gehört.
Doch mein Körper regierte sofort.
Das Blut gefror in meinen Adern, mein Körper erstarrte, ich hielt den Atem an. Abwartend.
Mit dem leisen, unterdrückten Weinen rechnend. Oder dem erschreckten Aufschrei.

Es kam nichts.

Es war nicht einmal so dramatisch gewesen.
Meine Mutter hatte mal wieder den Gedanken, dass jeder in unserer Klasse unsere Bücher klauen würde, weil sie sie nicht selbst kaufen wollten. Kein neuer Gedanke, nichts, was ich nicht schon kennen würde.

Nur hatte meine Schwester ihren Namen auf die erste Papierseite geschrieben, nicht auf die Innenseite das Einbandes.
Und natürlich würde jeder andere diese Seite rausreißen. Und jeder würde einfach so an unseren Ranzen gehen und sich gezielt das Geschichtsbuch herausnehmen. Natürlich.

Es war ein kleiner Fehler, leicht zu korrigieren. Stattdessen hat sie diskutiert. Fehler. Denn meine Mutter war ohnehin gereizt.
Sie haben sich gegenseitig provoziert.

Bis es meiner Mutter zu viel wurde.

Das altbekannte Geräusch, von dem ich gehofft, gedacht hätte, ich würde es nie wieder hören.

"Hast du jetzt einen blauen Fleck?", fragt sie ganz besorgt, als sich alles wieder beruhigt hat.
"Bist du mir auch nicht mehr böse?", ein paar Stunden später.
Sie lacht, als wäre nichts passiert.

Doch dieses Mal nicht nur Angst davor haben zu müssen, dass es passiert, sondern, dass es wirklich Realität wurde - das hat alles wieder zerstört, was über die letzten Jahre, so gut es ging, repariert wurde.

Danke auch.

19.08.2025

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