Flasbacks

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(Die Erfahrungen, über die hier berichtet werden, sind subjektiv. Mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich hier nicht für alle sprechen kann und sich das Ganze bei jedem*r unterschiedlich äußert.)

Flashbacks. Wir alle kennen sie aus Filmen - in dem einen Moment wird die Figur in ihrem normalen Umfeld gezeigt, im nächsten Moment steht sie in der vergangen Handlung, oder zumindest einer Version davon, die aber auch gerne mal verschwommen oder sehr bruchstückhaft sein kann.

Früher habe ich mich immer gefragt, wie das funktionieren soll. Schließlich ist der Mensch ja immer noch in seiner normalen Umgebung - oder, besser gesagt, zumindest sein Körper.

Denn inzwischen weiß ich, wie stark der Geist die Wahrnehmung der Umgebung beeinflusst.
Man verliert für einen Moment das Gefühl für seinen eigenen Körper. Es ist, als würde man den eigenen Geist in einen anderen Körper stecken - oder eher in den eigenen, aber zu einer anderen Zeit. Auch wenn du gerade an deinem Schreibtisch sitzt oder irgendwo stehst, kann es sich von einer Sekunde auf die andere so anfühlen, als lägst du auf eiskalten Fliesen oder in einem weichen Bett.

In diesem Moment ist das Bewusstsein für die tatsächliche Umgebung vollkommen verschwunden. Während des Flashbacks ist einem nicht bewusst, dass man noch vor wenigen Sekunden an einem ganz anderen Ort war.

Umso verwirrender ist der Moment danach.
Wenn man allmählich wieder in die Realität zurückkommt. Von da an weiß man wieder, was man in den Sekunden vor dem Flashback getan hat, wo man ist. Aber gleichzeitig fühlt es sich am Anfang noch so an, als wäre man noch halb an dem anderen Ort. Fast so, wie wenn man mitten in einem Traum geweckt wird und man im Halbschlaf noch nicht ganz versteht, dass das gerade nur ein Traum war.

Doch wenn erstmal wieder das Bewusstsein dafür da ist, wo man gerade ist und dass man nie woanders war, fühlt sich das Flashback, das gerade noch die einzige, wahrnehmbare Realität war, an wie ein ferner Traum. Wie eine Erinnerung an eine Reise, die man vor langer Zeit gemacht hat - man kennt den Ort, aber er liegt am anderen Ende der Welt; er ist zwar durch Erinnerungen zu erreichen, aber persönich kommt man dort nicht so einfach hin.

Und man fängt an, sich zu fragen, wie das passieren konnte, wie es sein konnte, dass man überhaupt erst so sehr in dieser Erinnerung gefangen war, dass man nichts anderes mehr gespürt hat. Gerade bei den ersten Malen kommt dazu dann vielleicht noch die Frage, ob man sich das Ganze vielleicht nur eingebildet hat. Denn man kann es nicht einfach nachkreieren, man kann nicht einfach wieder zurückgehen und sich vergewissern, dass man gerade wirklich das gesehen und gehört und gefühlt hat, von dem man denkt, dass es passiert ist.

Es ist verwirrend und auch belastend, besonders, wenn man selbst die Auslöser nicht kennt. Dann kommt nämlich auch noch die Angst dazu, dass man nicht weiß, wann man das nächste Mal so ein Flashback bekommt, oder von welcher Situation, und dass man nicht wieder aus diesem "Gefängnis" der Erinnerung entkommen kann.

Denn zwischen dem Charakter aus dem Film und dem Menschen in echt gibt es einen Unterschied - wenn wir den Film sehen, wissen wir, wo sich der Charakter eigentlich gerade befindet, was gerade um ihn passiert - der Mensch, der es selbst erlebt, hat davon keine Ahnung mehr.

21.08.2025

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