TW: SV, Suizid
"Hör auf!", schreit die Stimme in ihrem Kopf. "Es reicht!"
Sie schaut auf ihre Arme und Beine, überzogen von den Kratzern und Schnitten, die sie selbst dort hinterlassen hat. Die Wut, die sie bis gerade angetrieben und ihr Verlangen nach Schmerz immer weiter befeuert hat, ist zu einem winzigen Häufchen zusammengeschrumpft. Sie versucht verzweifelt, die Wut wieder aufflammen zu lassen. Denn dann fühlt sich das Brennen ihrer Haut richtiger an, dann verdrängt die Wut die Schuldgefühle.
Aber sie schafft es nicht. Sie kratzt die Haut an ihrem Arm noch einmal auf, versucht, wütend auf sich selbst zu sein. Doch alles, was bleibt, sind Verzweiflung und Enttäuschung.
Sie will weinen, aber ihr Blick ist leer, starr auf die Wand am anderen Ende des Raumes gerichtet.
Sie hatte einen Rückfall. Ihr war schon die letzten Tage klar gewesen, dass er früher oder später kommen musste. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, wie heftig er sein würde.
Die erste Verletzung war eine schnelle, kurze, aber auch nur schwache Erleichterung. Sie dachte, es würde dennoch reichen. Doch der erste Schmerz, die erste kleine Dosis dieses Gifts, brachte sie erst auf den Geschmack. Sie sehnte sich nach mehr, wollte das Brennen nicht nur an einer kleinen Stelle spüren. Und sie gab nach.
Immer wieder.
Bis sie die Kontrolle verlor.
Sie versuchte immer wieder, sich selbst zu stoppen, die Stimme der Vernunft schrie und flehte sie förmlich an. Doch die Wut in ihr fühle sich zu gut an - beinahe befreiend. Und obwohl sie sich durchaus bewusst war, wie sehr sie es später bereuen würde, genoss sie das Gefühl zu sehr.
Doch gleichzeitig hatte sie Angst, dass ihre Gedanken sie dazu bringen würden, zu tief zu schneiden. Sie dachte daran, ihrem Freund zu schreiben, ihn um Hilfe zu bitten. Oder vielleicht doch gleich ein letztes "Ich liebe dich", bevor es ganz zu Ende war?
Doch die Stimme in ihrem Kopf versicherte ihr, dass sie schon genug würde aufpassen können, dass sie die Hilfe nicht brauchte und für den Moment einfach nur das Hoch genießen sollte, dass ihr der Schmerz bescherte. Sie war nie ganz überzeugt, aber sie schrieb ihm letztendlich nicht, in der Hoffnung, dass sie sich tatsächlich würde zurückhalten können.
Auch wenn dies mehr als zweifelhaft war. Sie kratzte immer weiter, bohrte die Fingernägel in ihre Haut, und nicht nur einmal dachte sie daran, wie schön der Schmerz bei einer tieferen Wunde wäre.
Bis ihre ganze Haut mit Kratzern übersät war und die Stimme der Vernunft endlich Gehör fand.
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Gedankenwelt
RandomDies ist ein Einblick in all die Gedanken, die mich Tag täglich im Leben begleiten, und auch in ein paar Träume. !Achtung! !TW! Beschreibung von Selbstverletzung und Suizidgedanken in manchen Kapiteln! (sind einzeln gekennzeichnet) Teilweise Texte...
